Heimfahrt + Lush *g*
Auf meiner Heimfahrt von der Arbeit seh ich immer wieder die komischsten Dinge. An der Warschauer Brücke war heute eine Ansammlung von Menschen, die sehr gespannt einem von ihnen zuhörten, der sie von einem Stromkasten aus vollpredigte. Der Prediger stand auf dem Stromkasten und hatte rote, stachelige Haare. Bis auf das Äussere sah das aus wie "Life of Brian" - diese Tempelmauer, wo die ganzen Propheten Blödsinn labern.
Auf der Friedrichshainer Seite der Brücke ist ein Baum. Unter diesem Baum haben das ganze Jahr über 2-3 Leute gelebt. Sie haben da gesessen, gebettelt und nachts unter dem Baum geschlafen. Seit etwa eineinhalb Wochen sind sie weg, es kamen auch jetzt regnerische Tage und kalt ist es auch geworden. Aber den ganzen Oktober und auch den Anfang vom November haben die noch unter diesem Baum gelebt.
Gestern nacht haben wir noch über das Thema "Lush" gechattet, also sagen wir mal ziemlich heftig diskutiert. Obwohl ich eigentlich denke, so eine Kosmetik-Kette hats eigentlich gar nicht verdient, daß man ihnen soviel Aufmerksamkeit widmet, ist es doch spannend. Ich glaube, an Lush scheiden sich die Geister, weil sie ein sehr gutes Marketing-Konzept haben, das Lush quasi wie ein Lebensgefühl und wie eine Art Religion vermarktet. Sehr viel hat das mit Identifikation mit einem "neuen, coolen Glitzer-Öko-aktiv+gesund-Lebensgefühl" zu tun und mit dem Gefühl, "Teil davon zu sein", wenn man die Produkte kauft. Lush tut so, als wäre der Konsum von Lushprodukten kein Konsum, als wäre Lush kein kapitalistischer Laden, als wären ihre Sachen irgendwie Bio.... zwar wirbt die deutsche Seite nicht mehr mit Bio, aber die englische Seite (UK) wirbt nach wie vor mit "organic".
Letztendlich blättern die Leut Unsummen hin für 100 gramm Seife, oder irgendein Geschmadder für die Haut und die Haare, wobei im Bioladen von bio-zertifizierten Firmen hergestellte Produkte z.T. nur die Hälfte kosten, bilden Fanclubs, nennen sich gar "Lushies" (wie sich andere Trekkies nennen) und identifizieren sich auch sonst ziemlich stark mit der Firma, die ihre Körperpflegesachen herstellt. Das ist einfach ein gesellschaftliches Phänomen, das ich faszinierend finde.
Ich persönlich habe keine Badewanne, daher fällt schon mal 1/3 der Lush-Produkte für mich aus, und für die Anwendung von Geschmodder für alle möglichen Körperzonen habe ich weder die Zeit noch hätte ich dazu Lust. Aber diese irren Seifen die die so verkaufen, bzw. die Art, wie sie angeboten und im Laden ausgestellt werden, fand ich immer genial. Bringt bloss nicht soviel, wenn die Seife aus dem Laden entfernt wurde und zuhause im Bad herumliegt, wo sie bald unansehnlich wird. Und der Duft entpuppt sich dann abseits vom buntglitzernd-Esswarenartigen Lush-Display als zweitklassig oder als zu aufdringlich, als daß man das sauteure Zeug mehr als fünfmal benutzen möchte.
Aber ich muss schon sagen, dieses Marketing-Konzept weckt bei mir Kauflust sondergleichen, obwohl ich mich für Kosmetik nicht die Bohne interessiere. Es weckt bei mir Kauflust, obwohl ich mehrfach bemerkt habe, daß die Sachen bei mir zuhause nicht mal halb soviel hermachen wie in ihrer "Angebotsumgebung". Und obwohl ich weiß, dass Lush ein "Bio-Fake" ist und obwohl ich sowas blöd finde. Da kann der Kopf sonstwie noch alles besser wissen, emotional greift die Masche bei mir auf jeden Fall. Beängstigend, oder?
Also wenn man einem Marketing-Konzept auf den Leim geht, während man genau weiß, daß man gerade einem genialen Marketing-Konzept auf den Leim geht.
Meine Abhilfe, wenn ich (was eh nur alle Jahre mal vorkommt) doch mal in einen Lush-Laden reingerate, sieht quasi so aus, daß ich mich dort diesem Anregungs-Flash hingebe, alles angrabble und dann ohne was zu kaufen rausgehe, in den nächsten gutsortierten Bioladen oder Naturkosmetikladen, und mir da was kaufe, was wirklich bio ist, was wirklich die Qualität der Zutaten hat, was wirklich so riecht daß es mir nicht nach dreimal riechen zum Hals raushängt, und was zudem nur halb soviel kostet. Das befriedigt die Lust nach dem Einkaufserlebnis UND das Bedürfnis nach was lecker-luxuriösem zur Körperpflege, das man zuhause nicht genervt irgendwann in den Müll wirft sondern das man auch gut findet bis es alle ist.
Das ist natürlich alles Geschmackssache. Meine Erfahrung ist halt, daß diese Bio-Sachen auf den ersten Blick einen weder im Aussehen noch im Duft erschlagen. Aber auf den zweiten und dritten Blick sind die dann das wirkliche Erlebnis. Die Lush-Honig-Seife riecht z.b. total stark nach Honig und Vanille, und die Gedanken schreien: GEIL!! KAUFEN!! Zuhause schreien die Gedanken irgendwann: Hoffentlich ist sie bald alle, damit endlich der penetrante Honiggeruch verschwindet!! Die Bioladen-Honigseife dagegen... da finde ich es schade, wenn die alle wird.
Naja, so mein Fazit... zum Schluss: Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Lush-Produkten stimmt für mich absolut gar nicht. Aber dieses Fake-Natur-Frische-Öko-Marketingkonzept ist schon genial, muss man mal neidlos gestehen.
Auf der Friedrichshainer Seite der Brücke ist ein Baum. Unter diesem Baum haben das ganze Jahr über 2-3 Leute gelebt. Sie haben da gesessen, gebettelt und nachts unter dem Baum geschlafen. Seit etwa eineinhalb Wochen sind sie weg, es kamen auch jetzt regnerische Tage und kalt ist es auch geworden. Aber den ganzen Oktober und auch den Anfang vom November haben die noch unter diesem Baum gelebt.
Gestern nacht haben wir noch über das Thema "Lush" gechattet, also sagen wir mal ziemlich heftig diskutiert. Obwohl ich eigentlich denke, so eine Kosmetik-Kette hats eigentlich gar nicht verdient, daß man ihnen soviel Aufmerksamkeit widmet, ist es doch spannend. Ich glaube, an Lush scheiden sich die Geister, weil sie ein sehr gutes Marketing-Konzept haben, das Lush quasi wie ein Lebensgefühl und wie eine Art Religion vermarktet. Sehr viel hat das mit Identifikation mit einem "neuen, coolen Glitzer-Öko-aktiv+gesund-Lebensgefühl" zu tun und mit dem Gefühl, "Teil davon zu sein", wenn man die Produkte kauft. Lush tut so, als wäre der Konsum von Lushprodukten kein Konsum, als wäre Lush kein kapitalistischer Laden, als wären ihre Sachen irgendwie Bio.... zwar wirbt die deutsche Seite nicht mehr mit Bio, aber die englische Seite (UK) wirbt nach wie vor mit "organic".
Letztendlich blättern die Leut Unsummen hin für 100 gramm Seife, oder irgendein Geschmadder für die Haut und die Haare, wobei im Bioladen von bio-zertifizierten Firmen hergestellte Produkte z.T. nur die Hälfte kosten, bilden Fanclubs, nennen sich gar "Lushies" (wie sich andere Trekkies nennen) und identifizieren sich auch sonst ziemlich stark mit der Firma, die ihre Körperpflegesachen herstellt. Das ist einfach ein gesellschaftliches Phänomen, das ich faszinierend finde.
Ich persönlich habe keine Badewanne, daher fällt schon mal 1/3 der Lush-Produkte für mich aus, und für die Anwendung von Geschmodder für alle möglichen Körperzonen habe ich weder die Zeit noch hätte ich dazu Lust. Aber diese irren Seifen die die so verkaufen, bzw. die Art, wie sie angeboten und im Laden ausgestellt werden, fand ich immer genial. Bringt bloss nicht soviel, wenn die Seife aus dem Laden entfernt wurde und zuhause im Bad herumliegt, wo sie bald unansehnlich wird. Und der Duft entpuppt sich dann abseits vom buntglitzernd-Esswarenartigen Lush-Display als zweitklassig oder als zu aufdringlich, als daß man das sauteure Zeug mehr als fünfmal benutzen möchte.
Aber ich muss schon sagen, dieses Marketing-Konzept weckt bei mir Kauflust sondergleichen, obwohl ich mich für Kosmetik nicht die Bohne interessiere. Es weckt bei mir Kauflust, obwohl ich mehrfach bemerkt habe, daß die Sachen bei mir zuhause nicht mal halb soviel hermachen wie in ihrer "Angebotsumgebung". Und obwohl ich weiß, dass Lush ein "Bio-Fake" ist und obwohl ich sowas blöd finde. Da kann der Kopf sonstwie noch alles besser wissen, emotional greift die Masche bei mir auf jeden Fall. Beängstigend, oder?
Also wenn man einem Marketing-Konzept auf den Leim geht, während man genau weiß, daß man gerade einem genialen Marketing-Konzept auf den Leim geht.
Meine Abhilfe, wenn ich (was eh nur alle Jahre mal vorkommt) doch mal in einen Lush-Laden reingerate, sieht quasi so aus, daß ich mich dort diesem Anregungs-Flash hingebe, alles angrabble und dann ohne was zu kaufen rausgehe, in den nächsten gutsortierten Bioladen oder Naturkosmetikladen, und mir da was kaufe, was wirklich bio ist, was wirklich die Qualität der Zutaten hat, was wirklich so riecht daß es mir nicht nach dreimal riechen zum Hals raushängt, und was zudem nur halb soviel kostet. Das befriedigt die Lust nach dem Einkaufserlebnis UND das Bedürfnis nach was lecker-luxuriösem zur Körperpflege, das man zuhause nicht genervt irgendwann in den Müll wirft sondern das man auch gut findet bis es alle ist.
Das ist natürlich alles Geschmackssache. Meine Erfahrung ist halt, daß diese Bio-Sachen auf den ersten Blick einen weder im Aussehen noch im Duft erschlagen. Aber auf den zweiten und dritten Blick sind die dann das wirkliche Erlebnis. Die Lush-Honig-Seife riecht z.b. total stark nach Honig und Vanille, und die Gedanken schreien: GEIL!! KAUFEN!! Zuhause schreien die Gedanken irgendwann: Hoffentlich ist sie bald alle, damit endlich der penetrante Honiggeruch verschwindet!! Die Bioladen-Honigseife dagegen... da finde ich es schade, wenn die alle wird.
Naja, so mein Fazit... zum Schluss: Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Lush-Produkten stimmt für mich absolut gar nicht. Aber dieses Fake-Natur-Frische-Öko-Marketingkonzept ist schon genial, muss man mal neidlos gestehen.
distelfliege - 21. Nov, 03:08


