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Dienstag, 10. Februar 2009

Beneidenswert???

Angeregt durch keinen speziellen Kommentar, aber so die Gesamtrichtung, in die der ein oder andere Kommentar in letzter Zeit tendierte:

Ich bin kein "Universalgenie", sondern ein Mensch.

Mir ist klar, daß es nur gut gemeint ist, dass viele meinen, ich fühle mich irgendwie geschmeichelt wenn es heisst:
Ich beneide dich
beneidenswert
wehe, du weisst das nicht zu schätzen wie du immer gleich alles kannst
du Universalgenie..
viele wären sicher froh drum wenn sie in meiner Situation wären, in einer Situation wo ein paar Leute von einem meinen, man könnte alles sogleich, man kriegt alles so gut und so schnell hin, und man wäre ein Genie. Wieso bin ich denn so undankbar dafür?
Vielleicht bin ich so "undankbar", weil es einfach nicht der Wahrheit entspricht, mir fällt nämlich nicht alles einfach so in den Schoss.
Ich kann auch nicht alles "gleich".
Mit dem entsprechenden Elan und wenn einen etwas wirklich packt, beschäftigt man sich fast 24 Stunden am Tag mit nichts anderem! Und man arbeitet enstprechend hart daran! Entsprechend schnell entwickelt man Fertigkeiten und Kenntnisse. Das ist dann bei jedem Menschen so! Unter den Umständen ist es kein Zeichen von Genialität, wenn man schnell Fortschritte macht. Das ist schlicht Normalität. Beispielsweise kenne ich eine Strickerin, die etwa zur gleichen Zeit, als ich mit Patchwork anfing, mit Stricken anfing, und von Anfang an schwierige, reizvolle Sachen strickt. Sachen die manch andere ihr Leben lang nicht anfängt.

Als ich mit Patchwork anfing, war es gleich ein grosser Quilt als Erstlingswerk.
Jeden Tag habe ich gelesen, genäht, und gelernt. Es gibt viele Patchworkerinnen die sich das am Anfang nicht zutrauen. Das ist imho Quatsch, weil ob man viele oder wenige Patchworkteile zusammennäht, und die Gesamtfläche der Arbeit dann gross oder klein wird, ist von der Schwierigkeit her völlig egal. Aber zurück zum Punkt. Viele trauen sich das nicht sofort zu und fangen mit kleinen dingen wie Topflappen an. Gut, okay. Ist aber kein Grund z.b. jemanden wie mich zu bewundern oder anzunehmen ich hätte dafür irgendein Talent. Das war kein Talent. Das war Arbeit. Zwar hat diese Arbeit Spass gemacht, aber es war erarbeitet.

Talent hab ich z.b. für Farbkombinationen oder Bildkomposition, das hab ich mir - jedenfalls nicht das ich wüsste - nie erarbeitet. Das war einfach so da. Wie eben jede/r so für irgendwas ein Talent hat. Ein Talent ist meistens auch keine Sache, die man direkt so verwenden kann. Also z.b. ein Gefühl für Farbe zu haben alleine, das bringt einem nicht viel. Man muss auch was mit Farben machen, z.b. Webdesign oder FriseurIn oder MalerIn oder so, das wiederum muss man lernen. Ich kenne niemanden der z.b. auf die Welt kam und spontan 10 Sprachen sprechen konnte, aber viele, die ein Talent für Sprache haben. Das bringt einem nur nix, wenn man keine Sprachen lernt und regelmässig spricht. Und das ist was? Ja richtig, Arbeit!

Ich bin z.b. sicher auch nicht zu blöde für Linuxkram - ich bringe schlicht nicht die Motivation auf und das Interesse an Betriebssystemen bringe ich auch nicht mit, so dass das Erarbeiten von solchen Dingen für mich nur Quälerei wäre.

Ich hoffe, ich hab hier jetzt mal mit dem Gerücht aufgeräumt, dass ich immer sofort alles perfekt kann. Das ist 'ne Ente. Also gar kein Grund mich für Dinge zu beneiden, die gar nicht vorhanden sind.

PS: Dieser Beitrag ruht in meinem Blog offline seit Mitte Januar (2009-01-21 16:55), ich habe ihn nicht veröffentlicht, weil ich dachte, die Leut gewöhnen sich an die Strickerei hier... aber da das doch noch aktuell ist wird das nun doch mal veröffentlicht.

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