Selbstausbeutung & Dumping bei Selfmade-Portalen
..aus aktuellem Anlaß (Bella hatte mehrmals über DaWanda berichtet) habe ich mich mal umgesehen bei sog. "Selbermacher-Portalen".
Mein 1. Eindruck: Dort betreiben Hausfrauen Selbstabwertung, indem sie entstandene Chancen, endlich mal "weibliche Handarbeit" zu anständigen Preisen verkaufen zu können, nicht nutzen sondern wildfremden Leuten ihre Sachen zu nicht viel mehr als dem Materialwert SCHENKEN.
Was meine ich für eine Chance? Durch professionell aufgemachte Portale, die gezielt werben, die gezielt Leute ansprechen, die an exklusiven Unikaten Interesse haben könnten, könnte es endlich so weit kommen daß "häusliche Handarbeit" an Prestige gewinnt.
Das wird aber solange sicherlich nicht geschehen, so lange "Basteltrinen" und "Stricklieseln", und "Näh-Heimchen" ihre selbst entworfenen Unikate zum industriell produzierten Massenproduktpreis den Leuten hinterher schmeissen.
Früher nähte, strickte und ackerte das Hausweibchen für die eigene Familie, die gönnerhaft die Socken, Hosen, Tischdecken zerlöcherte, die mühevoll hergestellt worden waren.
Heute schenkt die Hausfrau ihre Liebe, ihre Socken, Tischdecken und Heimdeko-Artikel einem anonymen Geschäftsportal im Internet, und seinen Kunden... nunja, dann macht wenigstens irgendjemand einen Profit draus, es lebe der Kapitalismus.
Wenn da z.b. Quilts, die mit mind. 500->700 Euro zu bewerten wären, für 100, 150 Euro rausgehauen werden, fällt mir nichts mehr ein.
Nochmal zum Vergleich:
"stylishes Kissen/Unikat" zum Verkauf bei DaWanda: 15 Euro.
Kissenhülle aus einem einzigen bedruckten Stoff bei Karstadt: 12,99 Euro.
Designerkissen, Serienanfertigung (Webshop, per Suchmaschine gefunden): 62,99 Euro.
Schal, reine Wollstoffe, genäht + gefilzt, sehr edel und gutes Design, Unikat, bei DaWanda: 24 Euro.
Schal, Massenware, aus 100% Polyacryl, Allerweltsware bei Karstadt: 17,99 Euro.
Wollschal eines relativ unbekannten italienischen Modelabels (Serienproduziert): 42 Euro, bei Amazon.
Das darf doch echt nicht wahr sein.. oder?
Mein 1. Eindruck: Dort betreiben Hausfrauen Selbstabwertung, indem sie entstandene Chancen, endlich mal "weibliche Handarbeit" zu anständigen Preisen verkaufen zu können, nicht nutzen sondern wildfremden Leuten ihre Sachen zu nicht viel mehr als dem Materialwert SCHENKEN.
Was meine ich für eine Chance? Durch professionell aufgemachte Portale, die gezielt werben, die gezielt Leute ansprechen, die an exklusiven Unikaten Interesse haben könnten, könnte es endlich so weit kommen daß "häusliche Handarbeit" an Prestige gewinnt.
Das wird aber solange sicherlich nicht geschehen, so lange "Basteltrinen" und "Stricklieseln", und "Näh-Heimchen" ihre selbst entworfenen Unikate zum industriell produzierten Massenproduktpreis den Leuten hinterher schmeissen.
Früher nähte, strickte und ackerte das Hausweibchen für die eigene Familie, die gönnerhaft die Socken, Hosen, Tischdecken zerlöcherte, die mühevoll hergestellt worden waren.
Heute schenkt die Hausfrau ihre Liebe, ihre Socken, Tischdecken und Heimdeko-Artikel einem anonymen Geschäftsportal im Internet, und seinen Kunden... nunja, dann macht wenigstens irgendjemand einen Profit draus, es lebe der Kapitalismus.
Wenn da z.b. Quilts, die mit mind. 500->700 Euro zu bewerten wären, für 100, 150 Euro rausgehauen werden, fällt mir nichts mehr ein.
Nochmal zum Vergleich:
"stylishes Kissen/Unikat" zum Verkauf bei DaWanda: 15 Euro.
Kissenhülle aus einem einzigen bedruckten Stoff bei Karstadt: 12,99 Euro.
Designerkissen, Serienanfertigung (Webshop, per Suchmaschine gefunden): 62,99 Euro.
Schal, reine Wollstoffe, genäht + gefilzt, sehr edel und gutes Design, Unikat, bei DaWanda: 24 Euro.
Schal, Massenware, aus 100% Polyacryl, Allerweltsware bei Karstadt: 17,99 Euro.
Wollschal eines relativ unbekannten italienischen Modelabels (Serienproduziert): 42 Euro, bei Amazon.
Das darf doch echt nicht wahr sein.. oder?
distelfliege - 16. Feb, 16:48



Was die Preise angeht: Im Zeitalter von Massenproduktion ist doch kein Mensch mehr willens den tatsächlichen fairen Wert eines Produkts zu zahlen. Würden dort realistische Preise gefordert, würde die Sache vermutlich nicht funktionieren.
Zumal ich auch zugeben muss, dass ich diverse Artikel so simpel konzipiert und produziert finde, das ich da kaum viel Geld für ausgeben würde (trifft aber vermutlich eher nicht auf besagte Quilts zu).
Grüße
nomadin
*hüstel*
Natürlich würde es dann nicht mehr funktionieren, daß jeder dahergelaufene Depp/Deppin sich mal eben ein Last-Minute-Mitbringsel zum Selbstkostenpreis mit Liebe von einer wildfremden Frau stricken lässt.
Davon red ich auch gar nicht - sondern davon, daß es sehr wohl Leute gibt, die für Qualität und Unikate und "was nicht jeder hat" einige hunderte Euros auszugeben bereit sind, allerdings sollte dann die eigene Handarbeit auch anspruchsvoll sein, und nicht nur "Beschäftigungstheraphie".
Die Selbstentwertung äussert sich nämlich nicht nur in Preisen, die mit Vollautomatischen Produktionsstrassen zu konkurrieren versuchen, also nicht nur in der Selbstreduktion auf eine seelenlose Maschine - sie äussert sich auch des öfteren in der mangelnden Bereitschaft, sich über Design, Anspruch und Ausdruck Gedanken zu machen.
Man muss ja nicht mal selbst Designerin werden - es gibt ja auch alte, traditionelle Designs die sich über Jahrhunderte herausgebildet haben.
Wenn also Qualität und Anspruch da sind und handwerklich auch alles ok ist, dann gibt es auch Abnehmer, die den fairen Preis zahlen würden. Doch das weiß frau zu verhindern - durch Selbstreduktion auf "beschäftigungstherapiertes Hausweibchen".
Ich verkaufe zwar nichts, habe aber z.b. durchaus Ansprüche an mich und meinen Kram. Ob das ein Restequilt ist, oder ein traditionelles Amish-Quilt-Muster, oder selbst entworfen: Ich mache mir die Arbeit nicht, um hinterher Schrott rauszubekommen. Ich mache das nicht nur "zum Spaß" und "zur Entspannung" sondern es gibt da eine Tradition und es gibt da eine gewisse Kunstfertigkeit, da orientiere ich mich durchaus dran.
mich stört das gewaltig, dass man von frauen gehandarbeitetes immer in so ein bisschen kindliches eck stellt und sich dann schon gnädig vorkommt, wenn man den materialwert zahlt und nur kauft, wenn man meint, man macht ein schnäppchen verglichen mit den preisen von diskontmärkten. "alternativ" und günstig kaufen heißt in dem fall verglichen mit höchstwertiger designerware und da macht man sein schnäppchen garantiert.
dieses bewusstsein steckt offenbar in den meisten frauen so drinnen, dass sie schon froh sind, wenn überhaupt jemand ihre werke haben will und tw. gar nicht checken, wie sie sich ausbeuten.
und wie immer ärgert sich frau/feministin abstrakt über die strukturen und konkret über die frauen, die in diesen verhaftet sind. *seufz*