Selbstausbeutung & Dumping bei Selfmade-Portalen

..aus aktuellem Anlaß (Bella hatte mehrmals über DaWanda berichtet) habe ich mich mal umgesehen bei sog. "Selbermacher-Portalen".
Mein 1. Eindruck: Dort betreiben Hausfrauen Selbstabwertung, indem sie entstandene Chancen, endlich mal "weibliche Handarbeit" zu anständigen Preisen verkaufen zu können, nicht nutzen sondern wildfremden Leuten ihre Sachen zu nicht viel mehr als dem Materialwert SCHENKEN.

Was meine ich für eine Chance? Durch professionell aufgemachte Portale, die gezielt werben, die gezielt Leute ansprechen, die an exklusiven Unikaten Interesse haben könnten, könnte es endlich so weit kommen daß "häusliche Handarbeit" an Prestige gewinnt.

Das wird aber solange sicherlich nicht geschehen, so lange "Basteltrinen" und "Stricklieseln", und "Näh-Heimchen" ihre selbst entworfenen Unikate zum industriell produzierten Massenproduktpreis den Leuten hinterher schmeissen.
Früher nähte, strickte und ackerte das Hausweibchen für die eigene Familie, die gönnerhaft die Socken, Hosen, Tischdecken zerlöcherte, die mühevoll hergestellt worden waren.
Heute schenkt die Hausfrau ihre Liebe, ihre Socken, Tischdecken und Heimdeko-Artikel einem anonymen Geschäftsportal im Internet, und seinen Kunden... nunja, dann macht wenigstens irgendjemand einen Profit draus, es lebe der Kapitalismus.

Wenn da z.b. Quilts, die mit mind. 500->700 Euro zu bewerten wären, für 100, 150 Euro rausgehauen werden, fällt mir nichts mehr ein.

Nochmal zum Vergleich:
"stylishes Kissen/Unikat" zum Verkauf bei DaWanda: 15 Euro.
Kissenhülle aus einem einzigen bedruckten Stoff bei Karstadt: 12,99 Euro.
Designerkissen, Serienanfertigung (Webshop, per Suchmaschine gefunden): 62,99 Euro.

Schal, reine Wollstoffe, genäht + gefilzt, sehr edel und gutes Design, Unikat, bei DaWanda: 24 Euro.
Schal, Massenware, aus 100% Polyacryl, Allerweltsware bei Karstadt: 17,99 Euro.
Wollschal eines relativ unbekannten italienischen Modelabels (Serienproduziert): 42 Euro, bei Amazon.

Das darf doch echt nicht wahr sein.. oder?
großstadtnomadin - 16. Feb, 17:43

Dieses süßliche Heimchen-Image mit Betonung des Weiblichen, Femininen findest du in der ganzen Basteltantenszene überall. Offensichtlich beschränkt sich die Szene auf Hausfrauen und jüngere Frauen, die (noch) die Zeit dafür haben.
Was die Preise angeht: Im Zeitalter von Massenproduktion ist doch kein Mensch mehr willens den tatsächlichen fairen Wert eines Produkts zu zahlen. Würden dort realistische Preise gefordert, würde die Sache vermutlich nicht funktionieren.
Zumal ich auch zugeben muss, dass ich diverse Artikel so simpel konzipiert und produziert finde, das ich da kaum viel Geld für ausgeben würde (trifft aber vermutlich eher nicht auf besagte Quilts zu).

Grüße

nomadin

distelfliege - 16. Feb, 18:07

*hüstel*

>>Was die Preise angeht: Im Zeitalter von Massenproduktion ist doch kein Mensch mehr willens den tatsächlichen fairen Wert eines Produkts zu zahlen. Würden dort realistische Preise gefordert, würde die Sache vermutlich nicht funktionieren.

Natürlich würde es dann nicht mehr funktionieren, daß jeder dahergelaufene Depp/Deppin sich mal eben ein Last-Minute-Mitbringsel zum Selbstkostenpreis mit Liebe von einer wildfremden Frau stricken lässt.
Davon red ich auch gar nicht - sondern davon, daß es sehr wohl Leute gibt, die für Qualität und Unikate und "was nicht jeder hat" einige hunderte Euros auszugeben bereit sind, allerdings sollte dann die eigene Handarbeit auch anspruchsvoll sein, und nicht nur "Beschäftigungstheraphie".
Die Selbstentwertung äussert sich nämlich nicht nur in Preisen, die mit Vollautomatischen Produktionsstrassen zu konkurrieren versuchen, also nicht nur in der Selbstreduktion auf eine seelenlose Maschine - sie äussert sich auch des öfteren in der mangelnden Bereitschaft, sich über Design, Anspruch und Ausdruck Gedanken zu machen.
Man muss ja nicht mal selbst Designerin werden - es gibt ja auch alte, traditionelle Designs die sich über Jahrhunderte herausgebildet haben.

Wenn also Qualität und Anspruch da sind und handwerklich auch alles ok ist, dann gibt es auch Abnehmer, die den fairen Preis zahlen würden. Doch das weiß frau zu verhindern - durch Selbstreduktion auf "beschäftigungstherapiertes Hausweibchen".

Ich verkaufe zwar nichts, habe aber z.b. durchaus Ansprüche an mich und meinen Kram. Ob das ein Restequilt ist, oder ein traditionelles Amish-Quilt-Muster, oder selbst entworfen: Ich mache mir die Arbeit nicht, um hinterher Schrott rauszubekommen. Ich mache das nicht nur "zum Spaß" und "zur Entspannung" sondern es gibt da eine Tradition und es gibt da eine gewisse Kunstfertigkeit, da orientiere ich mich durchaus dran.
queerbeet - 18. Feb, 16:58

auch wenn eine nur zur "beschäftigungstherapie" ohne bewusstsein und ideologie kunsthandwerklich oder künstlerisch tätig ist, hat sie das recht, dass ihre leistung honoriert wird. wenn eine etwas nur aus purer freude macht, stecken ihre kunstfertigkeit, ihr hirnschmalz, ihre kreativität und letztlich ihre zeit genauso drin.
mich stört das gewaltig, dass man von frauen gehandarbeitetes immer in so ein bisschen kindliches eck stellt und sich dann schon gnädig vorkommt, wenn man den materialwert zahlt und nur kauft, wenn man meint, man macht ein schnäppchen verglichen mit den preisen von diskontmärkten. "alternativ" und günstig kaufen heißt in dem fall verglichen mit höchstwertiger designerware und da macht man sein schnäppchen garantiert.
dieses bewusstsein steckt offenbar in den meisten frauen so drinnen, dass sie schon froh sind, wenn überhaupt jemand ihre werke haben will und tw. gar nicht checken, wie sie sich ausbeuten.
und wie immer ärgert sich frau/feministin abstrakt über die strukturen und konkret über die frauen, die in diesen verhaftet sind. *seufz*
owlbeback - 16. Feb, 23:17

hmmmmm

alos, es kommt ja immer wieder gut, wenn Frauen Frauen niedermachen, als ob wir sonst keine Probleme haetten!!!
Man spuert zwar die gute Absicht, aber konstruktiv war diese Meinungsaeusserung nun wahrhaft nicht. Wem soll das nuetzen????
Vielleicht solltest du davon ausgehen,dass jeder es so gut macht, wie er/sie eben gerade kann, und, wenn du es besser kannst, dann schaffe doch diese Superportale und lass uns alle abgucken!!! Gerade Dawanda/Anja ist nun so superkreativ und hat offensichtlich ja auch Erfolg mit ihren Sachen, dass man sie nun wahrhaftig nicht als Naehliesel etc. bezeichnen sollte, ueberhaupt, was soll die Abwerterei??? Ich wuensche die, dass du alle deine Sachen zu Hoechstpreisen verkaufen kannst! Wir anderen sind gespannt auf dein Erfolgsrezept, und erfreuen uns, u. a. auch am reinen "Schaffensprozess"... Ausserdem, vergiss bitte nicht, dass viele "Basteltrinen" auch Kinder haben und da sind die Praeferenzen einfach anders, wenn so ein Zwerg vom Sofa faellt, und/oder die groesseren ihre Probleme mit nach Hause bringen, sind die Superportale irgenwie doch schnell Nebensache!
Also, lass uns wissen wo du den Superreichen Kundenkreis gefunden hast, ich kenne viele Leute, die eher alternativ kaufen wollen, aber nicht soooo betucht sind, wir sind alle dankbar fuer deine Owlternative

trashqueen - 17. Feb, 00:15

Wow.

Krass, voll aggro, ey!
Tja, wieso auch Zustände hinterfragen, wenn man sich genauso gut in Rechtfertigungen suhlen kann? Macht auch viel mehr Spaß, und ist wesentlich weniger anstrengend.

Seine Werke unter Preis anbieten hat schon was von seelischem Ausverkauf. Ich habe derzeit auch ein Projekt am Laufen, das mir am Anfang unheimlich viel Spaß gemacht hat, so dass ich meine Dienstleistungen kostenlos angeboten habe. In sehr naher Zukunft (nämlich sobald ich wieder Aufträge annehme) werde ich das ändern. Es ist nämlich kein Spaß mehr, sondern Arbeit. Und ich finde, dass meine Arbeit gut ist, verdammt gut, und dass ich dafür auch ebenso gut bezahlt werden sollte.
Aber zu diesem Punkt muss man erst einmal kommen. Und das geht wohl kaum, wenn man sich ununterbrochen - seelisch wie monetär - unter Preis verkauft. Die Psychologie der Marktwirtschaft sagt, dass was nix kostet auch nix Wert sein kann. Und wenn man sich selbst derartig entwertet, bitteschön, hat man selbst so gewollt, man hätte ja nicht viereckig werden müssen!

Ich arbeite an meiner Marke. *fg*

TQ
distelfliege - 17. Feb, 08:28

Schlips zertreten?

...ich kenne keine "Dawanda/Anja". Ich kenn mehrere Anjas, aber keine "Dawanda/Anja".
Was ich meinte, war auch nicht, daß ein bestimmtes Portal nu schlecht wäre, sondern daß die dadurch entstandene Möglichkeit nicht genutzt wird.

>>Also, lass uns wissen wo du den Superreichen Kundenkreis gefunden hast, ich kenne viele Leute, die eher alternativ kaufen wollen, aber nicht soooo betucht sind

Wenn ich solche Leute kenne und mag, dann schenke ich ihnen gerne mal was Genähtes. Wenn ich solche Leute allerdings überhaupt nicht kenne, sie also lediglich als klickende User auf meiner Monitor-Oberfläche erscheinen würden, wieso sollte ich umsonst, oder für ein kleines Taschengeld für diese mir fremden Menschen was Nähen? Bin ich Jesus? Seit wann ist "alternativ kaufen" = "die Herstellerin bekommt einen Euro die Stunde und man fühlt sich noch als Wohltäter"? Sollen deiner Ansicht nach also "nicht so gut Betuchte" andere "nicht so gut Betuchten" ausbeuten, ändert das was, bringt das was?

>>Wem soll das nuetzen????

Na, den "Nählieseln" und "Basteltrinen" natürlich. Wenn mal ein Bewußtsein dafür geschaffen wird, daß solche Sachen auch was wert sind, dann kriegen sie vll. auch mehr Geld dafür.
LuciaS - 17. Feb, 10:43

find ich super

dann auch gleich noch so ein lehrbeispiel des beschriebenen denkens vorgeführt zu bekommen.
machts natürlich bei weitem anschaulicher und klarer.

sowas hät man sich schon inner schule gewünscht.
ryuu - 17. Feb, 13:04

Is ja gar nix neues, nech

- ich meine mich zu erinnern, daß Silvia Bovenschen in den 70ern oder 80ern mal was über "weibliche Kultur" geschrieben und genau dieses Phänomen, also daß die weibliche Handarbeit eigentlich Kunst sein könnte, aber zum Kunsthandwerklichen herabgestuft wird. Hatte irgendwie auch was mit "Gebrauchsgegenstand" zu tun. Hab den Text leider nicht mehr, aber so als Hinweis auf ne mögliche theoretische Unterfütterung des Ganzen :)

MMarheinecke - 18. Feb, 09:22

Mal aus männlicher Sicht dazugeseft ...

Dass diese Form der Selbstausbeutung sehr viel mit dem "weiblicher" Häckeltanten und Strickmomi-Selbstbild zu tun hat, erkennt man(n) schon daran, dass es entsprechende Portale bei eher "männlich" (oder wenigstens "beidgeschlechtlich") besetzten Kunsthandwerken (z. B. bei Hobbytischlern, Amateur-Buchbindern oder Modellbauern) völlig anders aussehen. Wenn dort überhaupt etwas zum Verkauf angeboten wird, dann zu einem realistischen Preis - oder gleich bei EBay. Jedenfalls würden "meine" Buchbinder selbst bei simplen Aktenmappen nie auf die Idee kommen, sich an der Preispolitik von Leitz oder Sonnecken zu orientieren. Dass es bei "Nadelarbeiten" wirklich an Hausfrauen-Klischees liegen muss, leite ich davon ab, dass fast alle Amateur-Buchbinder in "meiner" Gruppe Buchbinderinnen sind.

Noch was zum Thema "Klischee": weil ich durch Deine tollen Decken auf den Geschmack gekommen bin, habe ich mich mal in jenem Quilter-Laden umgesehen, den ich schon mal erwähnt hatte. Was ich da seitens der Verkäuferin erlebt habe, war nicht etwa Verwunderung, sondern glatte Ablehnung. Etwa in dem Sinne, dass Männer sowieso nicht mit Nadel und Faden umgehen könnten, von einer Nähmaschine gar nicht zu reden ...

trashqueen - 18. Feb, 11:36

Wow, du armer...

...ich finde ja echt fies, wie Männer belächelt und diskriminiert werden, die etwas für die "traditionell weiblichen" Handarbeiten übrig haben, geschweige denn sie selbst ausüben. Gerade gestern gab es eine Diskussion, bei der jemand von "Stricköhmchen" redete. Weil ich gern beide Geschlechter sprachlich gleich behandelt weiß, fügte ich "Strickopis" hinzu, und erntete verklärt-belustigte Gesichter. Sowas gäbe es nicht, kam der Einwand. Als ich sagte, das könnte daran liegen, dass die derzeitige Opi-Generation generell alles weibliche ablehnt, was man nicht nageln heiraten und beherrschen kann, ich das für die Zukunft aber ungern ausgeschlossen wüsste, erntete ich noch mehr erstörte Blicke.

Kinners... Ich finde, es ist Zeit für die Emanzipation des Mannes! Ran an die Bälger, die Nadeln und die Tränendrüse! Ich hab die nicht gepachtet! *ggg* Nee, mal ehrlich: So eine Verhaftung in maskulinen Stereotypen muss doch nicht sein...

*wink*
TQ
distelfliege - 18. Feb, 17:43

Das...

..finde ich wirklich eine absolut schwache Reaktion von der Verkäuferin im Quiltladen.
Die hat wohl noch nie was von Kaffe Fassett z.b. gehört oder von Ricky Tims, die beide sehr berühmte Quilter sind.
Lu Ping - 19. Feb, 14:05

Ui, hier muß ich auch mal meinen Senf zugeben, da mich das Thema in gewisser Weise betrifft, wenn auch in etwas anderer Richtung.
Die Sache mit den Dumpingpreisen piekt mich schon seit gewisser Zeit an. Es ist ja nicht nur auf den Bereich diverser Handarbeiten beschränkt, sondern umfaßt ja alles, was mit Kreativiät zu tun hat. Somit schlägt es auch in den Bereich "Malerei". Es ist so schon schwer, damit sein Brot zu verdienen, wenn jedoch allenthalben diverse Hobbymaler den Markt überschwemmen mit Schnäppchenangeboten, wo das höchste mal 50 Euro sind für ein 80 x 100 cm-Bild, kann ich nur noch die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Abgesehen vom Materialpreis, der schon viel höher liegt, muß man ja nun eigentlich auch die Arbeitsstunden mit draufschlagen. Und da meine ich nicht nur 1 Euro pro Stunde. Es wird für freiberufliche Künstler somit auch immer schwieriger, Preise in Kategorien ab 500 Euro aufwärts "zu rechtfertigen", denn "Frau Meier" bietet ihren Kram ja auch für viel weniger an (von den Techniken schweig ich mal ganz).
Ich finde es ehrlich toll, wenn Leute sich ausprobieren und künstlerisch aktiv sind. Wenn das jedoch damit einhergeht, alles nur noch zu Dumpingpreisen anzubieten und damit den Markt zu überschwemmen, so daß eine ehrliche Preisgestaltung kaum noch möglich ist, geht mir das Messer in der Tasche auf.
Ausreden wie: Na ja, ich hab ja nicht viel Geld ... blabla, finde ich ebenfalls echt daneben. Tja, muß ich sagen, Kunst ist nun mal ein Luxusgut. Es hat alles seinen Preis, und der liegt nicht bei 30 Euro. So einfach ist das. Ich sehe nicht ein, meine Bilder zu verramschen, nur um was loszuwerden. Für das Geld brauch ich keinen Pinsel in die Hand nehmen. Das nennt sich Verlustgeschäft.
Von daher wäre es mir sehr lieb, wenn in diversen Sparten mal endlich die Erkenntnis einzieht, daß es sehr wohl in Ordnung ist, einen anständigen Preis für das Erarbeitete zu verlangen.

distelfliege - 19. Feb, 14:35

Die Sache mit..

.."ich hab kein Geld" stimmt auch so nicht. Ich habe auch ein niedriges Einkommen, und trotzdem habe ich mir für 200 Euro eine Trommel "made in Berlin" gekauft, und für 150 Euro eine tönerne Altargöttin.
Und beides fand ich noch günstig.
Auch die Leute, die wenig Geld haben, können sich in diesem Land Luxus leisten. Woanders kostet z.b. eine Waschmaschine ein Jahreseinkommen! Und wenn man das mal so rechnet, dann kann man sich mit über eine gewisse Zeit Angespartem auch als WenigverdienerIn mal ausnahmsweise Kunst oder Kunsthandwerk leisten.

Das soll nicht heißen daß jeder der will auch das Geld hat, klarerweise haben es viele wirklich nicht. Und manchmal ist man halt wirklich sehr knapp. Trotzdem find ich es legitim, wenn man sich am Hartz4-Amt vorbei mal ein paar Kröten anspart und sich davon was Schönes für sich gönnt. Wenn es dann echt EINMAL machbar ist, dann sollte man es sich nicht rein deshalb verbieten, weil man "Luxus nicht darf" oder so... was leider auch geschieht...
schamanca - 19. Feb, 14:44

Vielleicht erstmal ein Coaching für Frauen "wie verkaufe... vermarkte ich mich richtig" Anscheinend haben es noch immer nicht alle gelernt, dass Handarbeit ihren Preis hat. Das ist am Bau, beim Sockenstricken, kochen ... etc. nicht anders. In Zeiten der Dumping- und Niedriglohn-Spirale schwer zu händeln.

Lu Ping - 19. Feb, 14:59

Hi Distel,

das mit dem Luxus sehe ich ja genauso. Es war eher so gemeint, daß es Dinge gibt, die man nicht dringend zum Überleben braucht wie Lebensmittel etc. pp. Wobei sich darüber auch streiten läßt. Fakt ist, daß solche Dinge kosten. Und Fakt ist auch, daß Geld für anderen Kram da ist. Da gebe ich Dir recht. Es ist nur oft auch die Frage, ob man will. Ich meine, ist doch klar, wenn man es für nix kriegt, nimmt man das lieber als das, was teuer ist. Oder?
Ich hab auch echt wenig Geld, doch gebe ich das wenige lieber für etwas aus, das gut gemacht ist und an dem ich lange Freude habe, als mich mit Billigmurks zu umgeben.
Das Verramschen führt weiter und weiter zu dieser Billigmentalität, dir mir zum Halse raushängt.
Oft steckt in vielem ja noch viel mehr Arbeit drin, als man zuerst sieht. Das sind ja ebenfalls Dinge, über die man sich selten nen Kopf macht. Ich krieg mein Leinen zum Malen jedenfalls nicht für 30 Euro.

Und überhaupt. Ich hab gerade den Faden verloren, im wahrsten Sinne des Wortes ;-)

distelfliege - 19. Feb, 16:20

Also...

..ich würde - um die Frage zu beantworten, ob man das nimmt, was man für nix kriegt - wenn es woanders teuer ist - klar tun das dann viele Leute. Bei mir isses aber so, daß ich auch ein wenig auf die "spirituellen Vibrationen" achten muss, grade wenn es ein individuell von Hand gemachtes Ding ist.

Was Malerleinen angeht, es gibt am Maybachufer-Wochenmarkt an der Brücke des Kottbusser Damms Freitags und Dienstags immer einen Stand, der Malerleinen hat, das habe ich allerdings noch nicht ausprobiert, die Baumwolle von dem ist aber ok.
Lu Ping - 19. Feb, 17:58

Ach, für mich ist das auch wichtig, daß es mich anspricht, da muß was drin sein, es muß sich gut anfühlen. Aber man kann das eben nicht auf jeden beziehen.
Es geht vor allem darum, nicht den kürzeren zu ziehen, wenn es um Preisgestaltung geht. Ich kenn das aus eigener Erfahrung. Hach, ist das vielleicht zu teuer? Kauft das dann überhaupt jemand? Aber danach sollte man nicht gehen. Man legt den Preis fest, und das kostet es dann auch. Hinterherschmeißen muß man wahrlich nichts. Wenn man das tut, dann hat man irgendwann auch das nötig Selbstbewußtsein und läßt sich nicht mehr so schnell davon abbringen.

Danke für den Tip mit dem Leinen. Muß ich mir direkt mal angucken (bei Gelegenheit). Hab nur gerade wieder ne riesige Rolle bekommen. Von daher ist es nicht so dringend. Aber ich werd sicherlich mal schauen, ob es zu gebrauchen ist, sprich: noch ganz steif.

;-)
WildWeib - 19. Feb, 15:20

Ich hab mal irgendwo gelesen, dass es auch ein Phänomen ist, dass "Gebrauchsgegenstände" grundsätzlich geringer bewertet werden als reine Luxusartikel. Ist ein Kunstwerk mehr oder weniger auch nützlich, drückt das oft den Preis, egal ob es sich um eine gequiltete Decke, handgetöpfertes und -bemaltes Geschirr oder Kleidung handelt. Paradoxerweise sind, so hieß es dort, die Leute eher bereit, für ein Kunstwerk hohe Preise zu zahlen, das ausschleßlich dekorativ ist und sonst keinen Nutzen hat, als für eins, das irgendwie auch alltäglich nutzbar und sinnvoll ist.

Hmm.... interessant. Ist ja eigentlich das selbe wie mit den menschlichen "Arbeitskräften". Das Model, das nett ausschaut, aber sonst nix macht, kassiert Gagen im vier- bis fünfstelligen Bereich pro Shooting; und die Putzfrau / die Bäckerin / der Müllmann??
Seltsame Gesellschaft.

Nuja, ich seh da den gleichen Handlungsbedarf wie Distel, dass die Frauen diese neuen Portale nutzen um ihre Sachen zu adäquaten Preisen zu verkaufen. Andernfalls könnte man ja auch weiterhin bei eBay verkaufen - wenn man Pech hat, für nen Euro. So wie ich das Konzept verstanden habe, sind Etsy, DaWanda & Co ja gerade als Alternative dazu entstanden.
Aber von nix kommt halt nix.

Lu Ping - 19. Feb, 18:01

Etsy find ich gar nicht so schlecht. Da ist nicht durchgehend der Billigsektor gefragt, sondern bspw. Bilder sind da preislich genau da, wo ich sie gern sehe. Nämlich schön weit oben im Preissektor, auch wenn es auch hier immer mal wieder die anderen Angebote gibt ;-) Aber die qualitativ hohen Gemälde sind da gut angelegt.
Ansonsten kann man wirklich gleich zu ebay gehen, ein Anfangsgebot von 1 Euro nehmen und dann fließbandmäßig irgendwelchen Müll fabrizieren, den man nicht mag und der einen unglücklich macht (zuviel Mühe sollte man da nicht reinstecken, was das angeht), nur um eigentlich nix rauszubekommen.
Nahtzugabe - 14. Apr, 14:42

Genau,

das macht mich auch immer fassungslos, zu welchen Preisen bei Dawanda angeboten wird. Dawanda könnte ein Kunsthandwerkermarkt im Internet sein, aber die meisten Nutzer haben wohl gar nicht den Anspruch, auch nur annähernd angemessen bezahlt zu werden.
Mir scheint, auch wenn man mal englischsprachige oder französische Blogs aus dem Bereich Patchwork/Nähen/Stricken/Basteln vergleicht, dass diese Geringschätzung gegenüber Handarbeiten als Beschäftigungstherapie für Hausfrauen auch eine "typisch deutsche" Sache ist. In der DIY-Bewegung wird das Einzigartige, Authentische gegenüber der Massenproduktion sehr betont, in Frankreich verwendet man die besten Materialien,wenn man sich schon die Mühe der Handarbeit macht. Dass diese Haltungen dann oft auch mit einem anderen Anspruch an das Design einhergehen, ist ja klar.
Danke für diesen Beitrag, es tut gut, sowas mal zu lesen.

Trackback URL:
http://distel.twoday.net/stories/4711449/modTrackback

Archiv

Februar 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
12
14
15
17
19
21
22
23
25
26
27
28
29
 
 
 

Aktuelle Beiträge

Das erinenrt mich...
..an Werkzeug, 10000 Jahre alt im Nationalmuseum in...
Amanleian - 25. Jul, 15:09
für den ausdruck...
für den ausdruck "coole sonne" werf ich dir eine...
queerbeet - 23. Jul, 14:26
ich find den aspekt spannend,...
ich find den aspekt spannend, dass es ja unzähliger...
queerbeet - 23. Jul, 14:10
*g* sachen gibts manchmal......
*g* sachen gibts manchmal... :)
zauberweib - 23. Jul, 13:08
BTAF 18: Begegnungen
Also, sind die nicht klasse? Diese alltäglichen...
distelfliege - 23. Jul, 11:50

die kleine Erinnerung

anarchistel

Die Freien Religionen bieten vielleicht ein paar der einzig möglichen spirituellen Alternativen zu den televangelischen Sturmtruppen & den dummköpfigen Kristall-Channellers (von den etablierten Religionen ganz zu schweigen) & werden daher wichtiger & wichtiger, vitaler & vitaler in einer Zukunft, in der die Forderung nach der Eruption des Wunderbaren in das Gewohnte zur lautesten, schärfsten & tumultuösesten aller politischen Forderungen werden wird - eine Zukunft, die (einen Moment, ich muß einen Blick auf meine Uhr werfen) ... 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 ... JETZT beginnt!

Hakim Bey

Quilting Bloggers Logo


Webring: Quiltfriends Blogs
Zurück || Weiter || Zufall || Alle || Ring beitreten

Marktbude

Suche

 

Flickr-Album

www.flickr.com
This is a Flickr badge showing public photos and videos from distelfliege. Make your own badge here.

Credits


Divination
Polit-Schwafel
Quilt & Textiles
Spielerei&Aktionismus
Spiri am Rande
Tagebuch
Traumbilder
Witzischkeit
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren