Polit-Schwafel

Sonntag, 16. November 2008

Eine Email für Darfur schreiben

Letztens folgte ich ja auf Thujas Blog einem Link zu so einem Verschwörungstheoretiker-Interview zum Thema Obama + Hintermänner. Da wurde auch erwähnt, daß Obama sich u.a. auf den Sudan konzentrieren würde, um Russland und China in Sachen Öl Konkurrenz zu machen oder eben, chinesische Öllieferungen aus dem Sudan zu stoppen. Als Aufhänger soll Darfur dienen.

Nun sind diese Verschwörungsleute immer so schrecklich unkonstruktiv. Sie machen mords Panik, hetzen die Leut eigentlich nur gegen imaginäre oder reale Mächte auf, gegen die "man sowieso nix machen kann" und bewirken damit, daß man sich einfach nur scheisse, schwach und panisch fühlt und die Schuld dann demjenigen gibt, den die Verschwörungsfuzzis einem dafür servieren.

Eine viel konstruktivere Möglichkeit, mit dem Thema umzugehen, ist, sich den Darfur-Konflikt mal näher anzusehen. Seit 2004 sind in Darfur von den UN autorisiert, Friedenstruppen der afrikanischen Union stationiert. Ihre Kräfte reichten allerdings bei weitem nicht aus, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Deshalb wurde im Sommer letzten Jahres (2007) nach langem Drängen der afrikanischen Union endlich eine Verstärkung der Friedenstruppen durch UN-Blauhelme bewilligt. Jetzt isses aber so, daß nur ein Bruchteil der bewilligten Truppenstärke tatsächlich in Darfur ist, und daß unterm Strich, die Truppen der AU und UN zusammengezählt, nicht viel mehr Friedenstruppen in Darfur sind als vorher auch.
Wenn man also nicht möchte, daß jemand wegen Öl und China, oder sonstwas, in Darfur reinmarschiert, (wenn man überhaupt Willens ist, das erstmal für wahrscheinlich zu halten), dann ist es doch logischerweise die beste Idee, humanitäre NGO's jetzt zu unterstützen, sowie sich dafür einzusetzen, daß die UN endlich die eh schon bewilligten Leute nach Darfur schickt.
Dazu gibt es eine Webseite von AI, www.eyesondarfur.org, wo man eine vorformulierte Protestmail an sudanesische Regierungsvertreter schicken kann und sich über Darfur informieren.

Ja, mal ehrlich, diese panikmachenden, unkonstruktiven, nervenden Verschwörungsfuzzis, denen könnte sowas doch zur Abwechslung auch mal einfallen, die verkaufen doch so viele Bücher.

Nachtrag: Hier gibts ein Mailformular wo man die UN auffordern kann, die Friedenstruppen für Darfur ohne weitere Verzögerungen auf ihre geplante Stärke aufzustocken: Call on UN Security Council presidents to get UNAMID on the Ground in Darfur

Freitag, 17. Oktober 2008

Mein armes Leben (M.a.L.) 2: Willkommen in der UrlaubsStadt!

Ich finde ja Städte ungemein schön - diese Quirligkeit und Buntheit, und auch die krassen Gegensätze, die Städte so offenbaren.

fenster
Alt und Modern: Hochhäuser durch ein Fenster des S.Bahnhofes "Hackescher Markt" in Berlin.

Was ich allerdings mal nicht so toll fand, war ein Besuch in Amsterdam, der eine Woche dauerte, und eigentlich ein Urlaub sein sollte. Zunächst mal, sind die meisten anderen Städte - im Vergleich zu Berlin - unglaublich teuer. Ein Döner für 4 Euro, oder ging das noch weiter oben los?
Es war mir in der Innenstadt von Amsterdam fast nicht möglich, aufs Klo zu gehen, ohne jedesmal Geld dafür zu bezahlen oder mich in einem Cafe hinzusetzen und etwas zu konsumieren. Es gab auch so gut wie keine Ecken, wo man ins Gebüsch hätte gehen können. Pissoirs gab es nur für Männer.
Also, Essen gehen zu teuer. Aufs Klo gehen kostet überall Geld.
Auch alles andere war relativ teuer, so daß ich mich von meinem Urlaubsziel, dessen Preisklasse ich wohl überschätzt hatte, ziemlich zurückgewiesen fühlte, auf einmal war mir die Stadt zu schick. Urlaub ist halt teuer, und ich könnte wenn ich so arg Wert drauf legen würde, mir das schon leisten, dafür müsste ich dann halt auf andere Dinge verzichten, die mir wichtiger sind als sich im Urlaub alles leisten zu können.
Zumal es mir wirklich bloss um Grundbedürfnisse geht, wenn Museen Eintritt kosten, ist mir das ja noch verständlich, und das geb ich ja auch ohne mich zu ärgern aus. Wenn aber allein schon der Urlaub, also Essen, Unterkunft, Klo, Fahrkarten - das Geld auffrisst, das man hätte für Museen ausgeben wollen, hmtja... nä... ungeil ist das.

In Zukunft werde ich wohl Städte von der Urlaubszielliste streichen - ausser, ich kenne dort jemanden und kann dort auf Besuch vorbei kommen. Auf dem Land kann man von A nach B trampen, man kann sich im Gebüsch erleichtern und man kann die Landschaft kostenlos geniessen.
Und ich fühle mich einfach willkommener und wohler, wenn ich nicht dauernd das Gefühl habe, ich muss mich in einen Ort erst "einkaufen" bis er sich mir erschliesst.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

M.A.L. - Blog action day zum Thema Armut, ganz persönlich.

Was ist "M.A.L."? das ist abgekürzt von Ryuu's Idee der Aktion "mein armes Leben". Wir hatten diese Idee anlässlich einer Diskussion zur Aktion "Best things are free".

Es geht darum, das Private politisch zu machen, und dazu zu stehen, daß man halt einkommensmässig gesehen arm ist.
Es geht NICHT darum, zu jammern oder Armut als etwas anzusehen, was selbstverschuldet ist, oder wo man sich doch einfach gut fühlen könnte damit und es aufwerten und dann wäre es ja kein Problem mehr.
Sondern darum, daß dieses verschämte Schweigen dazu, weil man eben ein geringes Einkommen hat, und deshalb nicht auf sonstwie großem Fuß leben kann, sich umwandelt in ein sich-sichtbar machen und durchaus ein "na und?"

Armut ist, laut EU-Definition, wenn man weniger als 60% des durchschnittlichen Einkommens des Landes hat. Was ist eigentlich dieses ominöse Durchschnittseinkommen? Ich weiss es auch nicht, aber die seriöseste Zahl, die ich halbwegs finden konnte, ist vom statistischen Bundesamt und von 2005. Eine aktuellere Zahl finde ich grade nicht - da ist das Durchschnittseinkommen pro "Verbrauchereinheit" - äh, also irgendwie pro Nase, so hab ich das verstanden - im Jahr 22700 Euro.
Doch, das ist schon pro Nase. Wikipedia hilft mal wieder weiter.
Beispiel: In einer fünfköpfigen Familie erzielt die Ehefrau 5000 Euro Einkommen, der Ehemann arbeitet nicht, zwei Kinder sind 6 bzw. 8 Jahre alt, ein weiteres 15. Das Nettoäquivalenzeinkommen beträgt 5000/(1 + 0,5 + 0,5 + 0,3 + 0,3) = 1923 EUR.
Also, dieses Netto-Äquivalenz-einkommen ist dann pro Monat 1891 Euro. Im Schnitt. Davon 60% genommen:
1135 Euro im Monat. Das ist dann (2005) die Armutsgrenze.
Also, wer weniger hat, im Monat, ist arm.

Es handelt sich dabei, auch laut Wikipedia, um Relative Armut - weil diese relativ zum Durchschnitt berechnet wird.

Jetzt müsst ich glatt mal überlegen, ob ich überhaupt arm bin.
Müsst ich dann das Einkommen von mir und meinem Allerwertesten zusammenrechnen und durch 1,5 teilen, weil man durch z.b. einen gemeinsam genutzen Haushalt so allerhand weniger ausgeben muss. rechnet man jede weitere erwachsene Person ja mal 0,5... also als halbe Person, nicht als ganze Person. Jo, also *überschlag* - wir liegen eindeutig weit drunter, unter den 60%, also sind wir arm.

Nicht daß ich mich arm fühlen würde - ich finde schon, daß ich ein irre tolles Leben habe, wo ich auch sehr glücklich mit allem bin. Aber arm sein - bei aller Liebe zum mehr-Zeit-haben und keine 40-Stunden-Woche haben - heißt halt auch, daß man auf vieles, was anderen normal erscheint, verzichten muss.

Also z.b. ein Auto zu haben ist da nicht drin - weil das nicht nur stinkt, sondern auch sehr viel Geld kostet, das dann anderweitig fehlen würde. Da wir kein Auto haben, fehlt es wenigstens nicht anderweitig. Hätten wir eins, würden wir das Geld fürs Auto wohl ganz schön zusammenkratzen müssen. Auch eine Monatskarte für die Öffis würde zu Buche schlagen.. daher..:
Mein Verkehrsmittel:
schaefersee
Hab ich mir vor ca. 10 Jahren für damals 200 DM gebraucht gekauft, und seitdem bin ich fast täglich mit dem Rad unterwegs. Es hält sich wirklich gut und wurde auch noch nicht geklaut! :-)

Was auch meist nicht drin ist, ist eine Zentralheizungswohnung. Diese kosten nämlich mehr als Ofenheizung. Wir haben ja das Glück, daß wir in Mieter-Selbsthilfe-Sanierung mit unserem Haus in so ein Förderprogramm reinkamen, und als diejenigen, die damals mit aufm Bau gearbeitet haben, und zwar für lau, gelle, müssen wir nicht soviel Miete zahlen, bzw. zahlen für Zentralheizungs-Wohnung (noch) ebensoviel wie für eine gleich grosse Ofenheizungswohnung. Für alle anderen bedeutet niedriges Einkommen in Berlin: Kohlen schleppen und Ofen heizen.

Was Ryuu auch schon erwähnte, war der berühmte Computer, der schon völlig veraltet ist, mit von der Partie. Vor diesem supi kleinen Mac (für 480 Euro), den ich jetzt nutze, hatte ich einen alten Compi vom Lidl, 1999 erworben oder 1998, der wirklich lange durchgehalten hat. Lüfter ratterte wie ein Traktor, zum Hochfahren brauchte er 10 Minuten, bei myvideo gibts entweder nur Bild oder nur Ton - youtube geht mit langer Verzögerung, myspace lässt alles abstürzen: Zu alt selbst zum surfen im Internet. Wegen noch anderen Ausgaben ließ die Computer-Erneuerung meine "Hohe Kante" sozusagen auf Null schrumpfen, da auch der Monitor zeitgleich kaputt ging und ein neuer her musste.
Wenn die Waschmaschine auch noch hinüber gewesen wäre, wär das bissel schlecht gewesen. ;-)

Ich glaube, das klingt für euch alle fürchterlich normal und ich denke, viele von euch kennen das vom eigenen Alltag und "was soll daran arm sein"?

Eigentlich bin ich ja auch froh, daß ich die ganzen Sachen nicht am Hacken habe, mit dem Reiche so beschäftigt sind: man muss Statussymbole anhäufen, pflegen und zur Schau stellen, sich Alarmanlagen kaufen und sich hinter Mauern und Zäunen und in speziellen Vierteln verschanzen - unschön.

Bei unsereins ist es ja z.b. völlig normal, und gar nicht anrüchtig, wenn das Geschirr nicht zusammenpasst und vom Flohmarkt zusammengewürfelt ist.

glaeserwanne
Motz-Trödelladen, Berlin-Friedrichstrasse: 1 Glas/Plastikbecher für 30 Cent.

Ich würde schon sagen, daß Armut (also Leben mit relativ niedrigem Einkommen) für mich die meiste Zeit keine Einschränkung, sondern eben mein Lifestyle ist. Für meinen Partner sieht das schon wieder anders aus, für ihn ist es eine Einschränkung, bzw. es ist einfach nicht der Lebensstil, den er wählen würde, wenn er auch die Wahl hätte, mehr Geld zu haben. Den Unterschied ob das selbst gewählt ist, oder ob es einschränkt, kann man ganz gut an unseren Kontoständen ablesen. Bei mir ist meistens genug drauf, um zur Not eine neue Waschmaschine, oder einen neuen Monitor, oder eben eine unvorhergesehene grössere Anschaffung machen zu können. Das bedeutet eigentlich nix anderes, als daß ich mit dem wenigen Geld, das ich nach Hause bringe, genug Geld habe, so daß sich sogar noch etwas anstauen kann.
Der Umkehrschluss geht natürlich nicht, daß also jeder, der vll. 4000 Euro im Monat hat und das alles ausgibt oder Schulden macht, in Armut leben würde. *gg* Aber ich würde mal sagen, wenn mir jemand sagt, er wäre auch arm und käme so super klar und das wäre alles so prima und selbstgewählt und toll - daß mich dann schon interessieren würde, was am Monatsende auf dem seinen Konto ist. Weil Geldsorgen sind voll ungeil und das kann doch niemandem Spaß machen???

Ich hatte schon das Glück, daß ich nur selten wirklich jeden Euro (oder früher DM) drei mal umdrehen musste. Und wenn, dann hab ich das ziemlich sportlich gesehen, also wirklich superstreng ein Haushaltsbuch geführt, ausgerechnet, wieviel Geld ich am Tag für Essen und alles ausgeben kann, und vorher natürlich brav noch was abgezogen falls irgendwas unvorhergesehenes fällig wird. Und dann auch wirklich versucht, jeden Tag noch einen Euro weniger auszugeben als veranschlagt. Das war auch nur deshalb nicht schrecklich und deprimierend, weil ich mit der Strategie halbwegs bald wieder auf ein kleines Polster kam und etwas entspannter sein konnte. Ich glaube, ich wäre ne gute "Schulden-Nanny" - es gibt da ja diese Sendung, wo so ein Schuldnerberater Leuts aus den roten Zahlen führt *g* - zumindest für mich selbst.

Als wir mal im Urlaub waren, verlor ich mein Portemonnaie, und wir hatten auf einmal nur noch halb soviel Geld wie vorher (also den Inhalt des Portemonnaies meines Freundes). Ich habe damals die Finanzministerin gespielt und ein sehr strenges Regime eingeführt, auch ausgerechnet, was man am Tag an Geld hat, und dann Unternehmungen geplant, die nichts oder wenig kosten dürfen. Das war also quasi jeden Tag die Nummer: An den Strassenrand stellen, zu einem Ausflugsziel trampen, mit vorher geschmierten Broten als Proviant, dort in der Natur rumwandern und abends zurücktrampen. Morgens zu Fuss eine halbe Stunde zum "Netto" zum Lebensmitteleinkaufen laufen, weil alle anderen Läden (Dänemark!) viel zu teuer waren, und eine halbe Stunde zurück laufen zum Zeltplatz. Und wenn beim Essen kaufen es gelang, etwas, das satt macht, zu kaufen, das unter dem Tagesbudget liegt, dann konnte man nach 2-3 solchen Tagen Eintrittskarten ins Museum kaufen, oder unterwegs einen geräucherten Hering vom Fischstand essen.
Der Urlaub war schon trotzdem schön, aber keine Fahrräder ausleihen können, keine Bustickets, das war schon zeitweilig voll anstrengend.

Bei aller Sportlichkeit und "brich den Spar-Rekord" - Wohlstand ist einfach gemütlich und super angenehm, und ohne gehts auf die Dauer eben nicht.
Obwohl ich das Glück habe, dank meiner eben so gepolten Interessenlage, trotz relativer Armut in Wohlstand zu leben, und Wohlstand meint hier etwas gefühltes - werde ich die Aktion "Mein armes Leben" von ryuu mitmachen, weil ichs einfach eine gute Sache finde. Und der Blog Action day 2008 zum Thema Armut ist eine ganz feine Gelegenheit, um damit anzufangen.

Samstag, 11. Oktober 2008

Bild zu gestern nachgereicht

Hier ist jetzt das schöne Pild von dem schönen Transpi, was wir gemalt haben, ich und meine Mama. (die hier grad zu Besuch bei mir ist)

transpi

Die Mahnwache war nett und das Wetter war vor allem angenehm, auch wenn vor der weißruss. Botschaft hier kaum was los ist, sie liegt einfach in einer ruhigen Ecke..

Freitag, 10. Oktober 2008

Internationaler Tag gegen die Todesstrafe

Das ist heute, der 10.10.
Die Webseite von Amnesty widmet sich auch diesem Thema.
Ich habe heute keine Zeit, da ich arbeiten muss, aber ich hab für meine ai-gruppe (der ich wegen Zeitmangels jetzt genau ein Jahr ferngeblieben bin) noch ein kleines Transparent gemalt und fahre das gleich zu der Mahnwache wo es dann andere hochhalten dürfen, während ich in Brotteigen wühle *chch*

Ich frag mich grad, ob ich meine eeeeeedle Kamera mitnehmen soll, damits evtl. auch schöne Bilder für die Homepage der Gruppe 1310 gibt.

Tjo, und ausserdem, also das kleine junge ai-Grüppchen sucht auch noch Fördermitglieder, damit es nicht soviel auf der Strasse sammeln gehen muss, um den Gruppenetat zu bestreiten, und mehr Aktiönchen in der Zeit machen kann :-)
Wenn wer zuviel Kohle hat, oder ein Herz für die Weißrusslandgruppe offenbaren möchte, oder beides, wendet euch doch direkt an die Gruppe!

Dienstag, 9. September 2008

Best things aren't free 2

Bei Ryuu habe ich über Best things aren't free etwas gelesen.
Ryuu hat sich eine Komplementär-Aktion ausgedacht, nämlich "Dinge, die's wert sind". Dabei gehts um 10 Dinge, die man sich geleistet hat, egal wie teuer sie waren, und die man völlig ohne Reue wegen der Ausgabe besitzt und wertschätzt.

Mir wär dazu noch eingefallen, eine zweite Aktion zu machen:
"Ich bin arm. Du etwa nicht?"
Also so eine Armuts-Offensive-Aktion, wo man über Dinge berichtet, die einen als "armen Schlucker" outen, z.b. der uralte Schrottcomputer, das rostige Rad, der Kühlschrank voller Aldi-Produkte, obwohl man eigentlich lieber Öko hätte.

Weil wenn man arm ist, dann geht damit immer so eine entwürdigende Verschämtheit einher, als ob man sich schämen müsste, weil man es nicht so dicke hat, als ob das ein Grund wäre, sich zu schämen. Weil man vll. ein schäbiges Rad oder Auto fährt, weil man schäbige, alte Dinge benutzen muss, oder weil man beim Kartonstapeldiscounter einkaufen muß und sich den politisch korrekten Bioladen nicht leisten kann.

Für mich persönlich wäre es schwierig, bei "ich bin arm. Du etwa nicht?" mitzumachen. Weil obwohl ich eigentlich immer recht wenig Einkommen hatte, war ich nie arm. Ich war immer reich. Mir war immer wichtiger, daß ich mehr Zeit habe, als man hat, wenn man 40 Stunden arbeiten geht. Zeit haben war mir immer am wichtigsten. Ich war ein paar Jahre "Gammlerin" und mir wars quasi nie langweilig.
Irgendwie besteht mein Reichtum zur einen Hälfte aus Dingen, die man gar nicht bezahlen oder kaufen könnte, selbst wenn mans wollte, und zur anderen Hälfte aus Geld, das ich - was andere Leute vll. als geizig ansehen würden - nicht für Drogen, Kino oder Konzerte oder Entertainment ausgebe, weil mich das im Grunde einfach nicht interessiert. Wenn mich doch mal was interessiert, was etwas kostet, dann kann ich mir das in der Regel leisten - Luxus pur in dieser Zeit. In gewissen Grenzen natürlich, alles kann ich mir auch nicht leisten.

Mein Glück ist z.b. auch daß ich relativ kurze Wege habe, die ich Radfahren kann und daß ich Radfahren liebe, daß ich nicht allzuviel Miete zahlen muß, daß ich mir meine Internetkosten mit jemandem teilen kann, und daß ich altes Zeugs und gefundenen Schrott liebe. Ich brauche keine repräsentative Kleidung tragen, weil ich trotz meiner abgerissenen Sachen nicht gefeuert werde. Wenn sowas selbstgewählt ist (auch wenn es bei minus 20 Grad arg ist, nachts mit dem Rad zu fahren) dann ist das für mich keine Armut, sondern Lifestyle.
Und das blöde daran ist, daß ich ja nicht zu wem anderen sagen kann: "Mach aus deiner Armut doch einen Kult/Stil/Mode." Das wäre zynisch, und es geht eben nur, wenn es bewusst selbst gewählt ist, und nicht per Zwang gelebt werden muss.

Und genau das ist das zynische Element bei "Best things are free" - man kann aus kostenlosen Genüssen nur dann einen Kult oder einen Lebensstil machen, wenn man die Möglichkeit hat, sich frei dafür zu entscheiden.

Montag, 21. Juli 2008

Mehr über: Kunst, Handarbeit und "3rd Wave feminism"

Ist auf Englisch, und man muss zwei Youtube-Videos gucken um zu verstehen worum es geht - ich schaue sehr ungern 20 Minuten am Stück Videos an. Aber diesmal hab ichs gemacht:

http://redefiningcraft.dennisstevens.net/?p=111

Artikel von 2007 von Dennis Stevens auf "Redefining Craft".

Was mir auffällt als Unterschied zwischen der Methode der Guerilla Girls und dem Aufstieg des "Do it Yourself-Movement" in Amerika - Letzteres ist zwar auch irgendwie cool, aber auch "brav und ungefährlich" in dem Sinne, als daß es halt fast NUR konstruktiv ist, a la "happy happy dudeldu, ich kann was selbst machen und kreativ sein" und nicht destruktiv a la "Ich bin gegen die Scheisse, die abgeht".
Bei den Guerilla Girls lag der Schwerpunkt zwar erst auf Destruktiv und Protest, aber die Form des Protestes war von Anfang an Kunst und damit in sich auch konstruktiv, und deshalb sind sie letzendlich auch selbst als Ausstellerinnen zur Biennale von Venedig eingeladen worden, nehme ich an.

Während ich also diesen Gegensatz konstruktiv-destruktiv sehe und beim DIY-Trend das destruktive Element vermisse, sieht Dennis Stevens auch den Gegensatz zu Professionalismus als KünstlerIn und dem Element des "Jede/r kann Kunst machen." In Bezug auf den Profi-Künstler-Status und alles, was das mit sich bringt, ist die DIY Bewegung (Do-it-Yourself) in sich ein kritisches Element, und das finde ich toll. In diesem Zusammenhang ist z.b. auch gehäkelter rosa Kitsch eindeutig Drag und ein politisches Statement gegen das kulturell verordnete Niveau dessen, was "Kunst" zu sein hat und dessen, welcher Medien sich KüstlerInnen zu bedienen haben, und dessen, was Künstlerinnen im Leben anzustreben haben, wie sie sich zu präsentieren haben - das ist beileibe nicht "JEDER kann kreativ sein" - sondern "ICH bin supercool und die Masse der Menschen sind Loser"...

Eine Wanderung durch das ethnologische Museum in Berlin vor 3 oder 4 Jahren brachte mich mal auf den Gedanken, daß die Alltagsgegenstände von sogenannten "Naturvölkern" die vor 100 Jahren diesen durch Kolonialisten entrissen wurden, eine ganz krasse Ästhetik haben:
Sie sind wahnsinnig komplex gearbeitet und zeugen von hochentwickelter Handwerkskunst und bedienen sich aber gleichzeitig hoher Abstraktion und ganz einfacher Designs. Ich habe mich gefragt, wie es sein muss, mit wenigen, aber auf höchstem Niveau von Handwerkskunst und Design hergestellten Dingen zu leben. Und ich merke jetzt, daß die sogenannte "Lo-Fi-Kultur" diese Werte zwar gerne vertreten würde, daß aber oft genug schnell zusammengenähte und -gestrickte Ramschsachen dabei rauskommen, die noch viele Meilen entfernt sind vom Niveau der jahrhundertealten handwerklich hergestellten Alltagsgegenstände vorindustrieller Kulturen.

Und ich denke, im Zuge des kapitalistischen Ausverkaufs der DIY-Bewegung, der auf Portalen wie Etsy und Dawanda längst im Gange ist, wo durch die Hintertüre aus der "Anti-Sweatshop" Bewegung wieder neue private Sweatshops entstehen - wird die DIY Bewegung dieses vorindustrielle Niveau von Machart und Design auch niemals nur annähernd erreichen. Weil letztendlich ist das zeitaufwändiger als man denkt und für einen Einzelnen nicht leistbar. Und es ist auch von einer kleinen Firma, die sich letztendlich an Profit orientieren MUSS, nicht leistbar. Es wäre leistbar von mehreren Menschen, die dem Prozess des Handwerklichen mehr Bedeutung zumessen als "nur" Protest, das müsste man mit quasi religiöser Hingabe machen - hm... und dazu fehlt einfach die Zeit und die zwischenmenschlichen Strukturen, also soziale Strukturen.

Und - um eben dieses Niveau zu erreichen, müssten wir noch VIEL weiter weg von dem "egomanischen professionellen Künstler" hin zu gemeinschaftlichen Formen des Kunstschaffens. Ich denke, das wird so nicht passieren. Weil sobald die "Handarbeits"Bewegung aufgesaugt wird von der Kunstszene, ist auch irgendwann Schluß mit dem "Das kann jeder, lasst uns Zusammen.." und es geht wieder los mit "Ich bin Künstlerin und mein Gestricktes ist cool und die Masse, das sind eben Loser".

Sonntag, 20. Juli 2008

Cool und feminin Teil 2 - feminin und reaktionär.

Nachdem es gestern mal wieder eine längere Chatdiskussion gab über den Stil, der auf manchen Handarbeits-Weblogs ausgedrückt wird, werde ich mir mal wieder ein paar Gedanken machen.
Und zwar hatte ich schon mal einen Eintrag über Cool und feminin geschrieben, von dem ich gerne zwei Dinge nochmal betonen möchte:

1. Es ist uncool, wenn eine Entzweiung entlang der feminin/nicht-feminin-Grenze unter Frauen stattfindet
2. Unter dem Gesichtspunkt "alles ist Drag" ist feminin-verspieltes "Meeeetchen"-Zeug cool.

Das war damals allerdings ein eher kurz und einseitig geratenes Statement. Ist "verspieltes Mädchenzeug" tatsächlich immer cool?
Was ist, wenn durchgängig ein rosa-Bonbon-Püppchen-Bild gezeichnet wird, als Selbstbild einer erwachsenen, gestandenen Frau? Was sagt das aus über eine Frau? Und führt "süss sein" zu Respekt? Ist "süß sein" nicht vielmehr eine Einladung, die Frau zu verniedlichen, klein zu machen und ersetzt "süß" nicht "etwas können"?
Wenn wir mal den Tatsachen ins Auge sehen, ist in diesem unserem Lande (Deutschland) Nähen, Stricken und Häkeln - also häusliche Handarbeit - etwas, auf das man herunterschaut. Es hat kein Prestige.
Auf süße, niedliche Dinge schaut man auch herunter und findet sie allenfalls tätschelnswert.
Das noch in Kombination zu aktuellen Trends von neuer, cooler Häuslichkeit, back to herkömmliche Geschlechterrollen, Eva Herman, Rollback, Feminismus-was ist das-bestimmt son verklemmtes Emanzenzeug - eine bedenkliche Mischung irgendwo.

Ich kann an dieser Stelle nur auf das Statement der Nomadin verweisen, das sie als Kommentar zu "cool und feminin" verfasst hat, und ich werde das mal in voller Länge zitieren:

Ich finde diese ständige Abgrenzung zwischen Frauen, die klassisch feminines Zeug mögen und denen, die Geschlechtsstereotypen karikieren oder auflösen wollen auch blöd.
Ich trage gerne Röcke, hohe Schuhe und der Schule auch manchmal den strengen Lehrerinnen-Tussi-Look. Mir gefällt das und letzteres hat einfach auch eine ganz andere Wirkung als das Blümchenkleid und die flachen Sandalen. Für maskuliniere Kleidung fehlt mir der Körperbau, ich trag höchstens mal recht selten einen Anzug mit Krawatte als ironisches Statement.
Ich mag typisch weibliche Kleidung einfach. Daraus lässt sich aber noch gar nix über meine politische und gesellschaftliche Einstellung ableiten. Demnach kann ich mich dir nur anschließen. :)
Darüber hinaus würdeich aber noch hinzufügen, dass jedes stereotype Kopieren von Klischees m.E. langweilig ist, besonders, wenn es um selbstgemachtes Zeug geht. ich mag es, wenn Sachen einen Stilbruch oder ein ironisches Moment beinhalten, das den Betrachter irritiert.



Es enthält zwei Dinge, die ich wichtig finde:
Zum einen ist "femininer Stil" eine Frage des persönlichen Geschmacks und als solches genauso zu akzeptieren und zu respektieren wie jede andere Stilwahl auch.
Zum anderen sagt die Nomadin, daß es etwas anderes ist, wenn man Stilbrüche und ironische Momente einbaut, und eben nicht nur Klischees kopiert.
Insofern sehe ich eine zuckerlrosa Blümchenwelt, in der alles fein, süß und lieblich ist, wo sich Frauen "little Girl" nennen und so weiter, also die Selbstbarbiesierung (Wortkreation abgeleitet von Barbie) durchaus als ein Problem! Ohne damit jegliche feminine Stilistik abwerten zu wollen oder in die Trennungsfalle zu tappen.

Ich würde mir allerdings wünschen, daß bei Mancher mehr der Stilbrüche und Ironien im Spiel wären, sonst besteht in der Handarbeits-Szene wirklich die Gefahr, daß Meßlatten für Weiblichkeit/Mütterlichkeit entstehen, und Frauenbilder vermittelt werden, die (O-Ton einer Mitchatterin) "schweinereaktionär" sind. Der sprichwörtliche Apfelkuchen einer Eva Herman in Wort und Bild.

Die Lösung heisst ganz klar: Macht mehr drag!
Wenn ihr schon Theater spielt, dann spielt es bewusst. Und nicht den Witz vergessen *g*
Was spiele ich hier eigentlich?

Montag, 7. Juli 2008

Öko und sozial oder net?

Nach einer Diskussion kürzlich, ob Lichtblick ein böses Unternehmen sei, wo nicht drin ist, was draufsteht, rückt solch ein Artikel das Verhältnis wieder gerade:

Ikea für die Welt

Kann ja wohl nicht wahr sein, daß sich zertifizierte Ökofirmen wegen ein paar Promille aus Not zugekauftem Graustrom endlos rechtfertigen müssen, während Multis wie Ikea mit einem durch wenig bis nichts begründeten Öko+Sozial-Image hausieren gehen und damit ungestört durchkommen.

Und trotzdem kauf ich Ikea-Zeugs. Zu den Gründenl: Es kann nicht sein, daß ich über mein Konsumverhalten die Welt retten soll, wenn mein Konsumverhalten durch mein Budget begrenzt ist, und damit nicht die "freie Wahl" besteht, die ich dazu aber bräuchte. Und mein Budget zu erhöhen, also mehr Geld zu scheffeln, nur noch arbeiten gehen anstatt ein Leben für mich zu haben, Lohnsklaverei quasi - na ob das mal menschenwürdig und sozial ist?

Aber mein Punkt ist eben: Es gibt Firmen, Ikea ist sicher eine große, Lush* z.b. eine weniger große (trotzdem groß genug und international) die sich so ein Hip-cool-öko-sozial-Image zulegen und damit massig Geld verdienen, während traditionelle, soziale Bio-Unternehmen wahnsinnig mißtrauisch beäugt werden, der Bioboom, jaja, da wird schon nicht alles koscher sein, etc - und wegen ein paar Promille konventionell wird ein Bohei gemacht.
Wenn andere vll. nur ein paar Promille öko sind, das macht dann nix. Die versprechen ja nix, das ist ja "nur" ein Image.. oder was?
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß "echt Bio" eben teuer ist und damit ist es auch supertoll, wenn es Ausreden gibt, wieso es "sowieso Verarsche" ist, während Ikea und Co. eben spottbillig sind und man da nicht so genau hinschaut, weil man möchte eben günstiges Zeug haben und sich dabei möglichst nicht auch noch wie eine VerbrecherIn fühlen.

Leut, hört endlich auf, euch wegen eurer Armut (jaja, das böse Wort!!) zu schämen und euch vorzumachen, daß ihr mit verändertem Konsumverhalten die Welt retten könnt - was dazu führt, daß ihr mit eurem begrenzten bischen Geld irgendwas sucht, was öko, sozial und dazu noch billig ist. Sowas gibt es nicht! Eine ökologische Revolution geht so nicht, ohne soziale Gerechtigkeit.

* Wobei Lush wahnsinnig teuer ist. Ohne Zertifiziert Bio zu sein. Seife ausm Bioladen ist günstiger.

Dienstag, 17. Juni 2008

Layoutüberlegungen

Mich nervts schon länger an, daß Fotos in der Beitragsspalte nicht breiter als 400 px sein können. Ipernity und Flickr bieten mir aber nur 500px "Bloggrösse" an.
Also habe ich gerade überlegt, ob ich nicht grundsätzlich völlig umgestalte und ein breiteres Layout verwende. Und dann das Ganze klassisch-minimalistisch.

Wie z.b. das da: http://vaude.twoday.net/

Edit nach 20 Uhr (endlich): So lass ich das erstmal!

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anarchistel

Die Freien Religionen bieten vielleicht ein paar der einzig möglichen spirituellen Alternativen zu den televangelischen Sturmtruppen & den dummköpfigen Kristall-Channellers (von den etablierten Religionen ganz zu schweigen) & werden daher wichtiger & wichtiger, vitaler & vitaler in einer Zukunft, in der die Forderung nach der Eruption des Wunderbaren in das Gewohnte zur lautesten, schärfsten & tumultuösesten aller politischen Forderungen werden wird - eine Zukunft, die (einen Moment, ich muß einen Blick auf meine Uhr werfen) ... 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 ... JETZT beginnt!

Hakim Bey

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