Polit-Schwafel

Samstag, 11. Oktober 2008

Bild zu gestern nachgereicht

Hier ist jetzt das schöne Pild von dem schönen Transpi, was wir gemalt haben, ich und meine Mama. (die hier grad zu Besuch bei mir ist)

transpi

Die Mahnwache war nett und das Wetter war vor allem angenehm, auch wenn vor der weißruss. Botschaft hier kaum was los ist, sie liegt einfach in einer ruhigen Ecke..

Freitag, 10. Oktober 2008

Internationaler Tag gegen die Todesstrafe

Das ist heute, der 10.10.
Die Webseite von Amnesty widmet sich auch diesem Thema.
Ich habe heute keine Zeit, da ich arbeiten muss, aber ich hab für meine ai-gruppe (der ich wegen Zeitmangels jetzt genau ein Jahr ferngeblieben bin) noch ein kleines Transparent gemalt und fahre das gleich zu der Mahnwache wo es dann andere hochhalten dürfen, während ich in Brotteigen wühle *chch*

Ich frag mich grad, ob ich meine eeeeeedle Kamera mitnehmen soll, damits evtl. auch schöne Bilder für die Homepage der Gruppe 1310 gibt.

Tjo, und ausserdem, also das kleine junge ai-Grüppchen sucht auch noch Fördermitglieder, damit es nicht soviel auf der Strasse sammeln gehen muss, um den Gruppenetat zu bestreiten, und mehr Aktiönchen in der Zeit machen kann :-)
Wenn wer zuviel Kohle hat, oder ein Herz für die Weißrusslandgruppe offenbaren möchte, oder beides, wendet euch doch direkt an die Gruppe!

Dienstag, 9. September 2008

Best things aren't free 2

Bei Ryuu habe ich über Best things aren't free etwas gelesen.
Ryuu hat sich eine Komplementär-Aktion ausgedacht, nämlich "Dinge, die's wert sind". Dabei gehts um 10 Dinge, die man sich geleistet hat, egal wie teuer sie waren, und die man völlig ohne Reue wegen der Ausgabe besitzt und wertschätzt.

Mir wär dazu noch eingefallen, eine zweite Aktion zu machen:
"Ich bin arm. Du etwa nicht?"
Also so eine Armuts-Offensive-Aktion, wo man über Dinge berichtet, die einen als "armen Schlucker" outen, z.b. der uralte Schrottcomputer, das rostige Rad, der Kühlschrank voller Aldi-Produkte, obwohl man eigentlich lieber Öko hätte.

Weil wenn man arm ist, dann geht damit immer so eine entwürdigende Verschämtheit einher, als ob man sich schämen müsste, weil man es nicht so dicke hat, als ob das ein Grund wäre, sich zu schämen. Weil man vll. ein schäbiges Rad oder Auto fährt, weil man schäbige, alte Dinge benutzen muss, oder weil man beim Kartonstapeldiscounter einkaufen muß und sich den politisch korrekten Bioladen nicht leisten kann.

Für mich persönlich wäre es schwierig, bei "ich bin arm. Du etwa nicht?" mitzumachen. Weil obwohl ich eigentlich immer recht wenig Einkommen hatte, war ich nie arm. Ich war immer reich. Mir war immer wichtiger, daß ich mehr Zeit habe, als man hat, wenn man 40 Stunden arbeiten geht. Zeit haben war mir immer am wichtigsten. Ich war ein paar Jahre "Gammlerin" und mir wars quasi nie langweilig.
Irgendwie besteht mein Reichtum zur einen Hälfte aus Dingen, die man gar nicht bezahlen oder kaufen könnte, selbst wenn mans wollte, und zur anderen Hälfte aus Geld, das ich - was andere Leute vll. als geizig ansehen würden - nicht für Drogen, Kino oder Konzerte oder Entertainment ausgebe, weil mich das im Grunde einfach nicht interessiert. Wenn mich doch mal was interessiert, was etwas kostet, dann kann ich mir das in der Regel leisten - Luxus pur in dieser Zeit. In gewissen Grenzen natürlich, alles kann ich mir auch nicht leisten.

Mein Glück ist z.b. auch daß ich relativ kurze Wege habe, die ich Radfahren kann und daß ich Radfahren liebe, daß ich nicht allzuviel Miete zahlen muß, daß ich mir meine Internetkosten mit jemandem teilen kann, und daß ich altes Zeugs und gefundenen Schrott liebe. Ich brauche keine repräsentative Kleidung tragen, weil ich trotz meiner abgerissenen Sachen nicht gefeuert werde. Wenn sowas selbstgewählt ist (auch wenn es bei minus 20 Grad arg ist, nachts mit dem Rad zu fahren) dann ist das für mich keine Armut, sondern Lifestyle.
Und das blöde daran ist, daß ich ja nicht zu wem anderen sagen kann: "Mach aus deiner Armut doch einen Kult/Stil/Mode." Das wäre zynisch, und es geht eben nur, wenn es bewusst selbst gewählt ist, und nicht per Zwang gelebt werden muss.

Und genau das ist das zynische Element bei "Best things are free" - man kann aus kostenlosen Genüssen nur dann einen Kult oder einen Lebensstil machen, wenn man die Möglichkeit hat, sich frei dafür zu entscheiden.

Montag, 21. Juli 2008

Mehr über: Kunst, Handarbeit und "3rd Wave feminism"

Ist auf Englisch, und man muss zwei Youtube-Videos gucken um zu verstehen worum es geht - ich schaue sehr ungern 20 Minuten am Stück Videos an. Aber diesmal hab ichs gemacht:

http://redefiningcraft.dennisstevens.net/?p=111

Artikel von 2007 von Dennis Stevens auf "Redefining Craft".

Was mir auffällt als Unterschied zwischen der Methode der Guerilla Girls und dem Aufstieg des "Do it Yourself-Movement" in Amerika - Letzteres ist zwar auch irgendwie cool, aber auch "brav und ungefährlich" in dem Sinne, als daß es halt fast NUR konstruktiv ist, a la "happy happy dudeldu, ich kann was selbst machen und kreativ sein" und nicht destruktiv a la "Ich bin gegen die Scheisse, die abgeht".
Bei den Guerilla Girls lag der Schwerpunkt zwar erst auf Destruktiv und Protest, aber die Form des Protestes war von Anfang an Kunst und damit in sich auch konstruktiv, und deshalb sind sie letzendlich auch selbst als Ausstellerinnen zur Biennale von Venedig eingeladen worden, nehme ich an.

Während ich also diesen Gegensatz konstruktiv-destruktiv sehe und beim DIY-Trend das destruktive Element vermisse, sieht Dennis Stevens auch den Gegensatz zu Professionalismus als KünstlerIn und dem Element des "Jede/r kann Kunst machen." In Bezug auf den Profi-Künstler-Status und alles, was das mit sich bringt, ist die DIY Bewegung (Do-it-Yourself) in sich ein kritisches Element, und das finde ich toll. In diesem Zusammenhang ist z.b. auch gehäkelter rosa Kitsch eindeutig Drag und ein politisches Statement gegen das kulturell verordnete Niveau dessen, was "Kunst" zu sein hat und dessen, welcher Medien sich KüstlerInnen zu bedienen haben, und dessen, was Künstlerinnen im Leben anzustreben haben, wie sie sich zu präsentieren haben - das ist beileibe nicht "JEDER kann kreativ sein" - sondern "ICH bin supercool und die Masse der Menschen sind Loser"...

Eine Wanderung durch das ethnologische Museum in Berlin vor 3 oder 4 Jahren brachte mich mal auf den Gedanken, daß die Alltagsgegenstände von sogenannten "Naturvölkern" die vor 100 Jahren diesen durch Kolonialisten entrissen wurden, eine ganz krasse Ästhetik haben:
Sie sind wahnsinnig komplex gearbeitet und zeugen von hochentwickelter Handwerkskunst und bedienen sich aber gleichzeitig hoher Abstraktion und ganz einfacher Designs. Ich habe mich gefragt, wie es sein muss, mit wenigen, aber auf höchstem Niveau von Handwerkskunst und Design hergestellten Dingen zu leben. Und ich merke jetzt, daß die sogenannte "Lo-Fi-Kultur" diese Werte zwar gerne vertreten würde, daß aber oft genug schnell zusammengenähte und -gestrickte Ramschsachen dabei rauskommen, die noch viele Meilen entfernt sind vom Niveau der jahrhundertealten handwerklich hergestellten Alltagsgegenstände vorindustrieller Kulturen.

Und ich denke, im Zuge des kapitalistischen Ausverkaufs der DIY-Bewegung, der auf Portalen wie Etsy und Dawanda längst im Gange ist, wo durch die Hintertüre aus der "Anti-Sweatshop" Bewegung wieder neue private Sweatshops entstehen - wird die DIY Bewegung dieses vorindustrielle Niveau von Machart und Design auch niemals nur annähernd erreichen. Weil letztendlich ist das zeitaufwändiger als man denkt und für einen Einzelnen nicht leistbar. Und es ist auch von einer kleinen Firma, die sich letztendlich an Profit orientieren MUSS, nicht leistbar. Es wäre leistbar von mehreren Menschen, die dem Prozess des Handwerklichen mehr Bedeutung zumessen als "nur" Protest, das müsste man mit quasi religiöser Hingabe machen - hm... und dazu fehlt einfach die Zeit und die zwischenmenschlichen Strukturen, also soziale Strukturen.

Und - um eben dieses Niveau zu erreichen, müssten wir noch VIEL weiter weg von dem "egomanischen professionellen Künstler" hin zu gemeinschaftlichen Formen des Kunstschaffens. Ich denke, das wird so nicht passieren. Weil sobald die "Handarbeits"Bewegung aufgesaugt wird von der Kunstszene, ist auch irgendwann Schluß mit dem "Das kann jeder, lasst uns Zusammen.." und es geht wieder los mit "Ich bin Künstlerin und mein Gestricktes ist cool und die Masse, das sind eben Loser".

Sonntag, 20. Juli 2008

Cool und feminin Teil 2 - feminin und reaktionär.

Nachdem es gestern mal wieder eine längere Chatdiskussion gab über den Stil, der auf manchen Handarbeits-Weblogs ausgedrückt wird, werde ich mir mal wieder ein paar Gedanken machen.
Und zwar hatte ich schon mal einen Eintrag über Cool und feminin geschrieben, von dem ich gerne zwei Dinge nochmal betonen möchte:

1. Es ist uncool, wenn eine Entzweiung entlang der feminin/nicht-feminin-Grenze unter Frauen stattfindet
2. Unter dem Gesichtspunkt "alles ist Drag" ist feminin-verspieltes "Meeeetchen"-Zeug cool.

Das war damals allerdings ein eher kurz und einseitig geratenes Statement. Ist "verspieltes Mädchenzeug" tatsächlich immer cool?
Was ist, wenn durchgängig ein rosa-Bonbon-Püppchen-Bild gezeichnet wird, als Selbstbild einer erwachsenen, gestandenen Frau? Was sagt das aus über eine Frau? Und führt "süss sein" zu Respekt? Ist "süß sein" nicht vielmehr eine Einladung, die Frau zu verniedlichen, klein zu machen und ersetzt "süß" nicht "etwas können"?
Wenn wir mal den Tatsachen ins Auge sehen, ist in diesem unserem Lande (Deutschland) Nähen, Stricken und Häkeln - also häusliche Handarbeit - etwas, auf das man herunterschaut. Es hat kein Prestige.
Auf süße, niedliche Dinge schaut man auch herunter und findet sie allenfalls tätschelnswert.
Das noch in Kombination zu aktuellen Trends von neuer, cooler Häuslichkeit, back to herkömmliche Geschlechterrollen, Eva Herman, Rollback, Feminismus-was ist das-bestimmt son verklemmtes Emanzenzeug - eine bedenkliche Mischung irgendwo.

Ich kann an dieser Stelle nur auf das Statement der Nomadin verweisen, das sie als Kommentar zu "cool und feminin" verfasst hat, und ich werde das mal in voller Länge zitieren:

Ich finde diese ständige Abgrenzung zwischen Frauen, die klassisch feminines Zeug mögen und denen, die Geschlechtsstereotypen karikieren oder auflösen wollen auch blöd.
Ich trage gerne Röcke, hohe Schuhe und der Schule auch manchmal den strengen Lehrerinnen-Tussi-Look. Mir gefällt das und letzteres hat einfach auch eine ganz andere Wirkung als das Blümchenkleid und die flachen Sandalen. Für maskuliniere Kleidung fehlt mir der Körperbau, ich trag höchstens mal recht selten einen Anzug mit Krawatte als ironisches Statement.
Ich mag typisch weibliche Kleidung einfach. Daraus lässt sich aber noch gar nix über meine politische und gesellschaftliche Einstellung ableiten. Demnach kann ich mich dir nur anschließen. :)
Darüber hinaus würdeich aber noch hinzufügen, dass jedes stereotype Kopieren von Klischees m.E. langweilig ist, besonders, wenn es um selbstgemachtes Zeug geht. ich mag es, wenn Sachen einen Stilbruch oder ein ironisches Moment beinhalten, das den Betrachter irritiert.



Es enthält zwei Dinge, die ich wichtig finde:
Zum einen ist "femininer Stil" eine Frage des persönlichen Geschmacks und als solches genauso zu akzeptieren und zu respektieren wie jede andere Stilwahl auch.
Zum anderen sagt die Nomadin, daß es etwas anderes ist, wenn man Stilbrüche und ironische Momente einbaut, und eben nicht nur Klischees kopiert.
Insofern sehe ich eine zuckerlrosa Blümchenwelt, in der alles fein, süß und lieblich ist, wo sich Frauen "little Girl" nennen und so weiter, also die Selbstbarbiesierung (Wortkreation abgeleitet von Barbie) durchaus als ein Problem! Ohne damit jegliche feminine Stilistik abwerten zu wollen oder in die Trennungsfalle zu tappen.

Ich würde mir allerdings wünschen, daß bei Mancher mehr der Stilbrüche und Ironien im Spiel wären, sonst besteht in der Handarbeits-Szene wirklich die Gefahr, daß Meßlatten für Weiblichkeit/Mütterlichkeit entstehen, und Frauenbilder vermittelt werden, die (O-Ton einer Mitchatterin) "schweinereaktionär" sind. Der sprichwörtliche Apfelkuchen einer Eva Herman in Wort und Bild.

Die Lösung heisst ganz klar: Macht mehr drag!
Wenn ihr schon Theater spielt, dann spielt es bewusst. Und nicht den Witz vergessen *g*
Was spiele ich hier eigentlich?

Montag, 7. Juli 2008

Öko und sozial oder net?

Nach einer Diskussion kürzlich, ob Lichtblick ein böses Unternehmen sei, wo nicht drin ist, was draufsteht, rückt solch ein Artikel das Verhältnis wieder gerade:

Ikea für die Welt

Kann ja wohl nicht wahr sein, daß sich zertifizierte Ökofirmen wegen ein paar Promille aus Not zugekauftem Graustrom endlos rechtfertigen müssen, während Multis wie Ikea mit einem durch wenig bis nichts begründeten Öko+Sozial-Image hausieren gehen und damit ungestört durchkommen.

Und trotzdem kauf ich Ikea-Zeugs. Zu den Gründenl: Es kann nicht sein, daß ich über mein Konsumverhalten die Welt retten soll, wenn mein Konsumverhalten durch mein Budget begrenzt ist, und damit nicht die "freie Wahl" besteht, die ich dazu aber bräuchte. Und mein Budget zu erhöhen, also mehr Geld zu scheffeln, nur noch arbeiten gehen anstatt ein Leben für mich zu haben, Lohnsklaverei quasi - na ob das mal menschenwürdig und sozial ist?

Aber mein Punkt ist eben: Es gibt Firmen, Ikea ist sicher eine große, Lush* z.b. eine weniger große (trotzdem groß genug und international) die sich so ein Hip-cool-öko-sozial-Image zulegen und damit massig Geld verdienen, während traditionelle, soziale Bio-Unternehmen wahnsinnig mißtrauisch beäugt werden, der Bioboom, jaja, da wird schon nicht alles koscher sein, etc - und wegen ein paar Promille konventionell wird ein Bohei gemacht.
Wenn andere vll. nur ein paar Promille öko sind, das macht dann nix. Die versprechen ja nix, das ist ja "nur" ein Image.. oder was?
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß "echt Bio" eben teuer ist und damit ist es auch supertoll, wenn es Ausreden gibt, wieso es "sowieso Verarsche" ist, während Ikea und Co. eben spottbillig sind und man da nicht so genau hinschaut, weil man möchte eben günstiges Zeug haben und sich dabei möglichst nicht auch noch wie eine VerbrecherIn fühlen.

Leut, hört endlich auf, euch wegen eurer Armut (jaja, das böse Wort!!) zu schämen und euch vorzumachen, daß ihr mit verändertem Konsumverhalten die Welt retten könnt - was dazu führt, daß ihr mit eurem begrenzten bischen Geld irgendwas sucht, was öko, sozial und dazu noch billig ist. Sowas gibt es nicht! Eine ökologische Revolution geht so nicht, ohne soziale Gerechtigkeit.

* Wobei Lush wahnsinnig teuer ist. Ohne Zertifiziert Bio zu sein. Seife ausm Bioladen ist günstiger.

Dienstag, 17. Juni 2008

Layoutüberlegungen

Mich nervts schon länger an, daß Fotos in der Beitragsspalte nicht breiter als 400 px sein können. Ipernity und Flickr bieten mir aber nur 500px "Bloggrösse" an.
Also habe ich gerade überlegt, ob ich nicht grundsätzlich völlig umgestalte und ein breiteres Layout verwende. Und dann das Ganze klassisch-minimalistisch.

Wie z.b. das da: http://vaude.twoday.net/

Edit nach 20 Uhr (endlich): So lass ich das erstmal!

Montag, 16. Juni 2008

Gesucht: Craft- & Quiltblogs

Ich hätte Lust, in meiner Seitenleiste noch mehr Craft+QuiltBlogs zu verlinken. Allerdings fällt es mir schwer, da ich selbst nicht oft welche entdecke, die die folgenden Kriterien erfüllen:
- Wenig, kaum oder gar kein AMC oder ATC - Content sollten sie haben (Also diese selbst gestalteten Postkarten).
- Überhaupt sollte der "Handarbeit/Werkel-Content" über dem reinen "Kunst-Content" - also jetz "Kunst" ohne praktischen Nutzen (Postkarten, Bilder, sowat halt) überwiegen.
- keine Slide-Shows, Musikplayer, jegliches bewegte, tönende, flashige Multimedia-Zeugs.
Wer ein schönes Blog dieser Art kennt oder selbst hat, möge mir das melden. *g*

Sonntag, 1. Juni 2008

Erziehungsfrei?

Ich habe auf dem Unerzogen Weblog (Der Link führt direkt zum Eintrag) ein Video angeschaut, wo ein Typ ein paar Dinge aufzählt, die Kinder machen sollten, obwohl sie gefährlich sind.
Nunja. Sind die Leute in Amiland vielleicht etwas sicherheitsbedachter (äh, wieso eigentlich) als die Hiesigen oder sind wir jetzt auch schon so weit, daß Kinder "gar nix mehr dürfen"?

Zuerst mal ein allgemeines... äh... Ablästern? Über Erziehungsfrei und so.

Mir kommt sowieso das Erziehungsfrei-Weblog vor, wie wenn da Methoden Kinder großzukriegen, die es schon - naja, also schon zu meiner Kindheit auf alle Fälle - lange gab, ganz furchtbar neu und revolutionär wären.
Was dann leider zur Folge hat, daß einige Erziehungsfrei-Anhänger meinen, alle, die nicht die neue erziehungsfreie Erziehung *hüstel* praktizieren, sind automatisch "Alt-Erziehungsgeschädigte" und gehören "zum Feind", der "alten, bösen Zeit" oder so. Also, wir würden furchtbar anders denken und so. Nachdem ich vor einigen Wochen im Mag.net erhebliche Schwierigkeiten hatte, über das Thema zu quatschen, einfach, weil viele Dinge, die "Erziehungsfrei" sein sollen, einfach Selbstverständlichkeiten für mich sind (aber glaubt mir das vll. wer?), treibts mich ab und zu gedanklich um.

Für mich isses doch ne Selbstverständlichkeit, daß ich Kinder nicht aus Bequemlichkeit anlüge, und ich bin selbst auch nicht aus Bequemlichkeit angelogen worden.
Für mich ist es auch ne Selbstverständlichkeit, daß man z.b. nicht einfach irgendwelche Regeln und Drills erfindet, weil man sich irgendwie besser fühlt wenn man der Boss vom Bootcamp ist. Ich wäre doch viel zu faul, mehr Regeln auszuhandeln und mich um ihre Einhaltung zu kümmern, als absolut notwendig.
Einige Dinge, die z.b. die "Unerzogen"-Bloggerin an Regeln für "Draussen" beispielsweise vermittelt, musste ich nie befolgen, weil es meinen Eltern schlicht nicht als Skandal erschien, wenn Kinder im Restaurant die Ellenbogen auf den Tisch stützen. Es wird dadurch doch auch niemand geschädigt, wenn man das tut.

Als Beispiel wurde da gesagt, daß Kinder ja ausserhalb der erziehungsfreien "heilen Welt" anecken könnten, wenn sie sich nicht konventionell benehmen. Ich habe das so gelernt, daß man, wenn man das in Kauf nehmen will, auch anecken kann. Zum Beispiel rannte ich als Kind mit Vorliebe mit zerrissenen, geflickten, möglichst heruntergekommenen Sachen herum. Das war einfach Teil meines Fantasiewelt-Szenarios, so rumzulaufen. Da war es halt einfach wichtiger, daß das Fantasiewelt-Szenario auch mit entsprechender Kostümierung umgesetzt wurde, als was Nachbar XY über die Sauberkeit von meiner Kleidung für eine Meinung sich anmasste. Was geht das den überhaupt an? Gar nichts geht's ihn an.

Naja, vielleicht muss man als geoutete "Erziehungsfrei-Eltern" am eigenen Kind der skeptischen Außenwelt beweisen, daß sich erziehungsfreie Kinder tadellos benehmen - oder was weiß ich.

Und natürlich ist das für ein Kind nicht immer schön, wenn man aneckt oder wenn die eigenen Vorlieben und der eigene kindliche "Lifestyle" bei anderen nicht gut ankommt. Klar ist das blöd, wenn man nicht zur Klassenkameradin nach Hause darf, weil man "kein Umgang für die Tochter" ist. Aber ehrlich mal, die "Assi-Kinder" machen doch eh die tolleren Sachen. Und damit kommen wir zur Gefährlichkeit *gggg*

Meine SpielkameradInnen haben Messer gehabt, Bögen gebaut, sind im Wald rumgerannt und haben halbe Salti ins 2 Meter tiefer liegende Heu geschlagen, leider nicht nur, weil ihre Eltern so cool waren, sondern z.t. einfach aus Verwahrlosung. Und der Kerl aus dem Video hat recht: Kinder sind jung, und Verletzungen heilen schneller. Bei mir wars eben so, daß wir gefährliche Sachen durften, und in Umgang mit Feuerzeugen, Messern, Werkzeugen und so weiter eben eingeweiht wurden von den Eltern.
Bei den "Spiessern" war das alles ein Brei, also alles Verwahrlosung.

Aber toller, als den ganzen Tag zuhause mit Barbies spielen oder TV zu gucken wars schon.

Überhaupt haben meine Eltern uns einiges möglich gemacht. Wir sind mal im Wald gewesen (also nur wir Kinder) und haben davon geträumt, im Wald im Zelt zu übernachten. Ich weiß gar nicht, wie alt ich da war. Vielleicht 10 oder 11. Meine Freundin auch, mein Bruder vll. 9? Wir hatten alles soweit geplant, den Platz, das Zelt, die Vorräte, und wir wollten mit dem ganzen Pack dorthin laufen und das Zelt aufbauen usw.
Meine Eltern fanden es zunächst okay, aber die Eltern meiner Freundin fanden es zu gefährlich. Die Enttäuschung war riesengross. Es endete dann letztlich damit, daß meine Eltern die Eltern meiner Freundin davon überzeugten, den Plan umzusetzen, aber etwas sicherer. Sie haben eine kleine Waldhütte gemietet, und Funkgeräte gekauft, die diese Distanz, immerhin ein paar km, überbrücken konnten. Da die Hütte nicht mehr zu Fuss erreichbar war, mussten wir uns hinfahren lassen - was wir eigentlich nicht vorgehabt hatten, aber vor Einbruch der Dunkelheit schoben die Eltern dann tatsächlich ab und wir kamen dann wirklich zu unserer "allein im Wald übernachten" Aktion. Ich war schon als Kind schrecklich "Old-School" mässig unterwegs und fand die Hütte anstatt dem Zelt und die Funkgerät-Hasselei natürlich viel zu zivilisiert. Ausserdem stank es mir, daß ich nicht auf meinen eigenen Füssen zu dem Platz gelangen konnte.
Aber der Punkt bei der Geschichte ist, daß meine Eltern sich wirklich mit der Ersatz-Orga große Mühe gaben, nachdem sie unseren Kinder-Plan ablehnen mussten. Also Hütte mieten, die Funkgeräte, und dann die ganze Nacht in Wechselschicht Funkwache halten - Hut ab.

Diese Sache mit "Die Bedürfnisse der Kinder haben gleiche Berechtigung", und diese ganzen Erziehungsfrei-Ideen - das ist für mich wirklich nicht so neu. Ich will ja nicht behaupten, daß die meisten Gören zu meiner Zeit so erzogen waren wie ich, die haben halt den ganzen Kram heimlich machen müssen - ihre Bedürfnisse und Ideen ausleben. Aber sooo neu ist das nicht. Dadurch, daß die Kinder, die nichts durften, mit welchen wie mir auch keinen Umgang pflegen durften, kannte ich halt entweder nur "verwahrloste" Kinder oder Kinder, die eben auch mehr Freiheiten hatten.

Bei Krätzä fand ich folgendes:
"In der Praxis bedeutet Erziehung oft, daß Kinder zu einer vom Erzieher ausgesuchten Zeit schlafen gehen müssen, sich möglicherweise mit bestimmten Freunden nicht treffen dürfen, Danke und Bitte sagen müssen, nur nach Aufforderung sprechen dürfen, zur Oma zum Besuch mitgehen müssen; sie müssen mit den Eltern zusammen essen oder dürfen es aus erzieherischen Gründen nicht, sie müssen ihr Zimmer nach den Vorstellungen der Eltern einrichten lassen, sich kämmen, sich nach dem Geschmack der Eltern anziehen und sich so benehmen, wie die Eltern es sich wünschen und so, daß sie damit vor Verwandten und Bekannten angeben können (Statussymbol braves Kind). Diese Aufzählung ließe sich beliebig weiterführen. Entscheidend ist nicht, ob diese Handlungen sinnvoll sind, sondern daß dem Kind keine andere Wahl gelassen wird. Von gleichberechtigten Erwachsenen verlangt man all dies nicht, und kommt auch kaum auf die Idee, es zu verlangen."

Hatte ich alles nicht. Mir kommt das super veraltet vor. Ich kann mir sowas gar nicht wirklich vorstellen. Ich musste manchmal früher ins Bett als ich wollte, aber nicht weil jetzt so und soviel Uhr ist, sondern weil am nächsten Tag z.b. früh Schule war und mit nur ganz wenigen Stunden Schlaf ist das natürlich blöd. Das ergibt sich so.
"Zu Besuch mitgehen müssen" - naja, doch, das schon, aber wenn die zu Besuchenden ewig weit weg wohnen und das zum Tagestrip ausartet, und die Kinder zu klein sind um alleine daheim zu bleiben, gehts halt nicht anders. Im Kinderzimmer durften wir die Wände mit Fingerfarben bemalen so hoch die Hände reichten, und die meiste Zeit konnte man auf dem Boden vor lauter Bauklötze und Lego kaum gehen. Manchmal war das auch sinnvoll. Ich mein, wenn man den ganzen Tag an einem Bauwerk baut, dann ist es doch auch blöd, wenn das direkt nach Fertigstellung oder in der Schlußphase abgerissen werden muss, um "aufzuräumen". Das mit dem Anziehen, hab ich ja schon geschrieben, ich hatte als Kind den "abgerissenen Stil" und das war auch ok so.
Da ich oft mit sog. "Assi-Kindern" rumhing, bekam ich auch einmal den Umgang mit einer Freundin verboten, naja, aus Sorge eben. Dieses Umgangsverbot ließ sich nur wenige Stunden aufrecht erhalten. Dann hatte ich das in Frage gestellt, dagegen argumentiert und es wurde zurückgezogen.

Apropos Bauklötze... ich erinnere mich an den Tag, als meine Mutter vom Sägewerk "Reste" kostenlos oder billig bekam, zum Anheizen. Das waren Buchenholzreste. Und zwar alle genau gleich groß. Es waren Bauklötzchenelemente! Und davon vll. eine Tonne. Die wurden in die Garage gekippt. Knietief stand man da drin! Geil!! Wir haben Stunden verbracht uns die tollsten rauszusuchen und unser Bauklotzvorrat verfünffachte sich. Irgendwann bekamen wir allerdings einen Riegel vorgeschoben - gut, die ganze Tonne Bauklötze hätte auch einfach nicht reingepasst ins Kinderzimmer. Es hieß dann jedenfalls nicht "Das sind keine Klötze, sondern Abfallholz, damit spielt man nicht".

Trotzdem sind Eltern nie perfekt und im Zusammenleben gibt es immer Konflikte, die ausgetragen werden, und das zum Teil - wenn einem die Sache wichtig ist und man charakterlich so "gestrickt" ist, grade in unserer "Egogesellschaft" - auch manipulativ.
Aber ich denke mal, als Kind merkt man das schon, wenn der Grundtenor respektvolle Förderung ist, und nicht manipulatives Hinbiegen. Dann kann man als Kind auch Schwächen der Eltern ab, wenn die Grundhaltung eben passt.
Vor einigen Jahren machten meine Mutter und ich aus Spaß einen Brigitte-Psychotest, der wirklich Seitenlang und knifflig war, um zu ermitteln, welcher Muttertypus man selbst ist. Was soll ich sagen? Ich dachte, ich bin bestimmt durch meinen durch Erfahrung völlig unbeleckten Idealismus und weil ich eben nicht in der Situation einer Mutter bin, sondern ganz frei ankreuzen kann, die Super-Talentscout-Förder-Kumpelmutter. Ha, denkste... ich hatte mehr Prozente bei der überbehütenden Aufdringlichkeitsmutter und weniger bei der Talentscoutmutter und der Kumpelmutter. Meine Mutter hatte ein astreines Ergebnis. *gg*
Schweinerei!

Aber nochmal kurz zum Manipulativen. Wir hatten ja keine Glotze als ich aufgewachsen bin. Ich stelle mir das schwierig vor, wenn man sich zuhause respektvoll begegnen möchte und _sozial_ zusammen leben will, wenn man solche Dinge im TV vermittelt bekommt wie diese:

* Es klingelt an der Tür, die Hauptperson des kurzen Spots freut sich, daß Freunde zu Besuch kommen. Die Hauptperson öffnet die Tür und tatsächlich, die erwarteten Freunde sind da! In der Hand haben sie eine Packung Pralinen. Die Hauptperson reißt ihnen die Packung Pralinen aus der Hand, knallt ihnen die Tür vor der Nase zu und frisst die Pralinen alleine auf.

* An einem Hubschrauber hängt ein Mann, der eine Frau von einem brennenden Hochhausdach o.Ä. rettet. Als er sie gerade in den Hubschrauber befördern will, bekommt er per SMS die Information, daß sie ihn betrogen hat. Ohne die Information zu verifizieren, ändert er sein Vorhaben und lässt die Frau in den Tod stürzen. Die ZuschauerInnen sollen denken: Immer gut informiert, dank SMS!

Tolle Werte, die da vermittelt werden, das ist etwa das Verhalten von Junkies, die aus Angst vor dem Entzug nur noch an ihren Stoff (das beworbene Produkt) und nicht mehr an sich und die anderen Menschen denken können.

So... weiter ins Nähstudio *gg*

Samstag, 31. Mai 2008

Cool und Feminin

Einige nähen ja eine schicke Umhängetasche mit "femininem" Schnitt und bei Anja kams zu einem kleinen Mißverständnis - weil "feminin" nicht jederfraus Stil ist.
"Feminin" - Weibchenklischee, Tussig, doof - muss das denn sein?
Also, ich denke nicht. Es gab und gibt sehr coole feminine "Styles", z.b. Rrriot Grrls, Drag Queens, Diven...
Wenn wir uns an der "herkömmlichen Abgrenzung" entlang entzweien lassen, wären wir doch blöd. Also daß die coolen, Tornister-tragenden Tomboys die Tollen sind und die Rüschentaschen-Romantik-Glamour-Frauen die uncoolen - das darf nicht sein! Nein nein, ich will nicht cool sein auf Kosten meiner Schwestern! Keineswegs!
Also, Gretelies-Taschen-Trägerinnen: Schleppt doch bitte eure Rüschenbeutel und Yoyo-Dekorationen mit dem größtmöglichen Stolz herum und laßt euch "feminine Styles" nicht madig machen!
Ich bin doch auch stolz drauf, eine nähmaschinensüchtige Quilttante zu sein, was zu einem "Coolen Mackerimage" auch nicht passt.
Eidechse hat mal gemeint, es ist eh ALLES Drag.
Das hat mit Wohlgefühl, Fantasie und politischem Statement zu tun, das ist Spielerei und "poetischer Stilterrorismus".

Übrigens, ich geh jetzt eine Tasche nähen *g* aber keine Gretelies-Tasche, die wird eine grössere Version meiner zu klein geratenen 1. Umhängetasche, und sie wird wahnsinnig opulent-verspielt, und feminin in der Stoffwahl und gleichzeitig brachial-robust im Schnitt, mit Karabinerhaken und Tragegurt. Was wiederum ganz gut zu mir passt. Wäre doch langweilig, wenn alle uniformiert rumlaufen würden..

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anarchistel

Die Freien Religionen bieten vielleicht ein paar der einzig möglichen spirituellen Alternativen zu den televangelischen Sturmtruppen & den dummköpfigen Kristall-Channellers (von den etablierten Religionen ganz zu schweigen) & werden daher wichtiger & wichtiger, vitaler & vitaler in einer Zukunft, in der die Forderung nach der Eruption des Wunderbaren in das Gewohnte zur lautesten, schärfsten & tumultuösesten aller politischen Forderungen werden wird - eine Zukunft, die (einen Moment, ich muß einen Blick auf meine Uhr werfen) ... 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 ... JETZT beginnt!

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