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Polit-Schwafel

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Laufen!

Heute war ich nach dem Wochenend-Kurzurlaub wieder laufen. Die Pause war schon gut. Es lief heute besser denn je! Ich bin eine komplette Runde gelaufen, dann nochmal fast eine komplette und eine halbe, insgesamt 15 Minuten mit nur zwei "Gehpausen"!
Jetzt kam ich eben vom Duschen und fühle mich wirklich wohl. So, wie das sein soll!

Zum Thema Laufen... ich mache einfach frech nochmal Werbung für meinen Allerwertesten, bzw. meine bessere Hälfte *g*
Der läuft einen 10km Lauf für Amnesty International, und IHR könnt die SponsorInnen sein. Bisher sind schon 40 Euro zusammen! Ein Klick auf das Banner und man kommt zur Lauf-Projektseite bei "Amnesty in Bewegung", wo man so ähnlich wie in einem Online-Shop seine SponsorInnensumme überweisen kann. Wer will nochmal, wer hat noch nicht.. *g*
Es können auch nur 3 oder 5 Euro sein, aber gern auch 10 oder 20 (für meine reichen LeserInnen) ;-))

Ach ja, und man kann dort anonym spenden, aber dann würde er sich freuen über ne verstohlene Mail an BjoernA (at) t-online (punkt) de wo ihm das heimlich zugeflüstert wird wer ihn sponsert. Und ich richt schon mal ein Danke aus an die edlen anonymen SponsorInnen die bisher was an Amnesty überwiesen haben!

Hier nun das Banner zum anklicken:

amnesty in bewegung

Das erjoggte Geld fördert direkt die Gruppe Amnesty 1310 in Berlin, der ich mich vor einigen Jahren angeschlossen habe. Die Gruppe arbeitet zum Thema Belarus und Todesstrafe, und ist eine sehr kleine Ai-Gruppe in Berlin-Mitte.
Überhaupt find ich das echt gut, dass ich aufgrund des Themas Todesstrafe vor 3 Jahren, das sich irgendwie auch in diesem Blog niederschlug, zu der Gruppe gegangen bin und trotz einigen Auszeiten dort immer mal wieder aktiv sein kann.
Letztes Jahr haben wir zum Tag der Menschenrechte am 10.12. einen Briefmarathon gemacht, das heisst, wir haben den ganzen Tag öffentlich (in einem Café) Briefe geschrieben um Menschenrechtsverletzungen zu stoppen, nach Japan, USA, Iran, DR Kongo, und Mexiko, glaub ich. Dieses Jahr gibts das wieder, und ich werde mir gleich schon mal frei nehmen dafür.
:-)

Dienstag, 27. Oktober 2009

Wallraff macht ein komisches Gefühl

Nachdem sich in letzter Zeit die Meldungen im TV häuften, dass Günter Wallraff mal wieder eine Enthüllungsreportage/Undercover-Aktion als angepinselter Schwarzer absolviert hat, muss ich ja hier mal sagen, dass ich beim Ansehen dieser Berichte ein ganz komisches Gefühl hatte. Wie Wallraff schwarz angemalt wird, war zu sehen, wie er eine Karnevals-Afro-Perücke aufkriegt... ich weiss nicht.
Mir war das peinlich, mir sowas als Weiße anzusehen. "Boah, da muss ich mich als Weiße ja vor Schwarzen schämen" dacht ich mir so.
Was sagen eigentlich Stimmen aus der afrodeutschen Community zum Thema Günnis neuer Film?

Wallraff als Undercover-Schwarzer auf black.in.nrw Blog

"Ein angemalter Weißer ist kein Schwarzer"; Interview mit der Autorin Noah Sow

Deutsche Welle über den Film - darunter ist ein Audio-Interview mit einem afrodeutschen Politologen, Kani Tuyala, über den Wallraff--film anklickbar.

Es gibt da also schon verschiedene Stimmen dazu, was ich auch besser gefunden hätte, wäre, wenn Wallraff einen echten Schwarzen mit versteckter Kamera begleitet hätte, also seinen Prominentenstatus eingesetzt hätte, damit Erfahrungen von Schwarzen mehr Öffentlichkeit bekommen, ohne sich selber dabei zwangsläufig in den Einzelkämpfer-Heldentums-Mittelpunkt stellen zu müssen...

Dienstag, 20. Oktober 2009

Todesstrafe revisited: mal wieder ne Tirade

Heute waren wir wieder joggen, und ich fand es echt anders als die ersten drei Mal. Ich bin eine Runde (da gibt es so einen Rundweg von 820 m Länge) ohne Pause durchgelaufen, das hatte ich davor nie geschafft.
Danach ging es mir wirklich gut, also sehr angenehm schlapp aber auch voll relaxed und irgendwie schön leicht und fluffig. Sport ist, schrieb ich schon mal, eben langweilig und doof, aber hinterher gehts wirklich totaaaaaal gut.

Mein Kerl und "personal Trainer" läuft übrigens nächsten Monat einen 10-km-Lauf mit und möchte Spenden für Amnesty dadurch sammeln. Ich mach dafür jetzt Werbung, wer spenden möchte, kann dort lang:

amnesty in bewegung

Man kommt da auf so ein Formular, wo man direkt wie im Online-Shop was überweisen kann. Das reingelaufene Geld soll die Ai-Gruppe 1310 mit Schwerpunkt Belarus und Todesstrafe unterstützen.

Ich hab mir dann die Haare gewaschen, und weil wir noch keine Heizung anhaben, ist das mit dem nassen Haar herumzusitzen ein wenig fröstelig. Ich hab schon einmal geföhnt, und jetzt geh ich gleich nochmal föhnen, hmpf, das wird alles sowas von gar nichts nützen. Die Haare werden irgendwann morgen im Laufe des Tages trocken sein... aber das war ja klar. Dreadlocks eben.

Die Teesaison ist jetzt wieder sowas von eröffnet... ich habe gestern zwei Kannen (2 Liter passen rein) Tee gekocht, und vorgestern drei. Dieser Zitrone-Pfeffer-Rooibusch-Tee vom Lidl ist echt sehr lecker! Und die komischen pyramidenförmigen Plastikteebeutel sind angeblich kompostierbar.

Da ich in den letzten Tagen wieder viel zur Todesstrafe gelesen habe, habe ich mir gedacht, ich könnte doch mal schauen, was seit meiner letzten intensiveren Beschäftigung mit dem Thema, 2005, so vorangegangen ist.

Abgeschafft haben folgende Länder die Todesstrafe:
Albanien (2007), Argentinien (2008), Burundi (2009), Cook Islands (2007), Mexiko (2005), Philippinen (2006), Ruanda (2007), Usbekistan (2008).
Da sind natürlich einige dabei, die ohnehin die Todesstrafe lange nicht angewandt haben, und den Anachronismus irgendwann aus der Verfassung gestrichen haben. Aber auf den Philippinen sind z.b. bis 2000 regelmässig Exekutionen durchgeführt worden, und in Usbekistan ebenfalls bis 2006.
Im Herbst 2006 hatte ich noch über die letzten Henker Europas gebloggt, Usbekistan und Belarus.

Länder, die die Todesstrafe für gewöhnliche Straftaten abgeschafft haben:
Kirgisien und Kasachstan (beide 2007)

Die Daten sind von Amnesty.

Dezember 2007 hat sich die UNO auf ein weltweites Hinrichtungsmoratorium geeinigt. Das heisst, dass die UN Vollversammlung es toll fände, wenn keinerlei Hinrichtungen mehr stattfinden würden. Bindend ist das allerdings für keinen der Mitgliedsstaaten. Es hat eher Symbolwert.
Und es hat für mich auch noch Anekdotenwert, dass nach diesem Moratorium Kirchenvertreter ein Abtreibungsmoratorium forderten, so nach dem Motto: "Och, wenn sie schon gegen Hinrichtungen sind, dann können wir mal eben schön trittbrettfahren." Dass eine ungewollt schwangere Frau kein Staatsapparat ist, dem als Alternative zum Töten Gefängnisstrafen zur Verfügung stehen, ist den Leuten halt auch egal.

Die Statistiken, die eine Schweizer AI-Gruppe netterweise gut zusammengefasst hat, waren:
" Die Zahl der Hinrichtungen auf der ganzen Welt ist von 2148 im Jahr 2005 auf 1591 im Jahr 2006 zurückgegangen."
2008 waren es schon wieder mind. 2,390 Hinrichtungen, und 2009 sind es leider noch mehr geworden. Fazit ist, dass immer weniger Staaten immer mehr Menschen exekutieren.

Beim Suchen nach Statistiken und Zahlen bin ich auch auf einen Artikel des Blogs "USA erklärt" zur Todesstrafe in den USA aus dem Jahr 2006 gestossen. Ich muss zugeben, dass mich der Artikel an sich abstösst, zu sehr finde ich, wird krampfhaft drauf geachtet, ja nicht zu irgendwelchen Menschenrechtler-Gutmenschen gerechnet zu werden.
Zitat #1: " Wenden wir uns stattdessen dem zweiten Punkt zu: Warum haben diese 38 Bundesstaaten die Todesstrafe? Auch das ist einfach: Weil die Mehrheit der dortigen Bevölkerung sie haben will und die USA eine Demokratie sind. "
Ach, so einfach? In Deutschland war bis in die 70er Jahre die Mehrheit der Bevölkerung, laut Umfragen von diesem Allensbach-Institut, für die Todesstrafe. Das kippte irgendwann erst um, und seitdem ist die Mehrheit bis heute gegen die Todesstrafe. Das meinte ein Ai-Todesstrafen-Experte in seinem Referat auf einer Veranstaltung, wo ich vor kurzem war. Also, ich denke durchaus, dass die Todesstrafe "von oben" abgeschafft werden kann, auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung noch nach dem Henkerstrick schreit. Der amerikanische Supreme Court hat schon ein paarmal Hinrichtungsstopps verhängt, ohne dass es gleich nen Aufstand gab.
Zitat #2 aus dem o.g. Artikel: "Zum Beispiel werden die Bürger von Wisconsin im November per Referendum gefragt, ob sie nach 153 Jahren ohne Hinrichtung die Todesstrafe einführen wollen. In New Mexico ist es Medien zufolge der Druck der Bevölkerung, der eine Abschaffung undenkbar macht – der Gouverneur gilt übrigens als Präsidentschaftskandidat. "
Wie schnell doch die Zeit vergeht... nicht wahr: 2006 noch als "undenkbar" bezeichnet, 2009 schafft New Mexico die Todesstrafe ab.
Der USAerklärt-Artikel versteigt sich dann noch in irgendwelche in meinen Augen absurden Zahlenjonglagen zum Thema Rassismus und Todesstrafe, die imho selbst rassistisch sind. Boah ne, zuklicken... keinen Bock drauf.
Wieso ist es eigentlich so out, ein "Gutmensch" zu sein? Wieso muss man, um den Gutmenschengeruch abzuschütteln, ins andere Extrem kippen, und mit konservativen Law-and-Order-Positionen liebäugeln und Rassismuskritik lächerlich machen? Naja gut, lassen wir das. Ich finde das abstossend.
Wenn mich das zum Gutmenschen macht, bin ich sehr gerne einer.

Man kann natürlich drüber diskutieren, ob das demokratisch ist, wenn die Todesstrafe von oben abgeschafft wird, obwohl die Bevölkerung mehrheitlich dafür ist, sie beizubehalten. Ich habe gestern einen Artikel gelesen, über die Henker in Huntsville, Texas. Einer von denen sagte sinngemäss, "Wenn die Geschworenen meinen Job machen müssten, gäbe es viel weniger Todesurteile". Ich denke, als Umfrageteilnehmer geifert es sich leicht dahin, "Alle an die Wand" oder "Hinrichten, Kopf ab!" zu sagen. Man muss es ja nicht selbst machen.

Zudem: Die Verfassung der meisten demokratischen Staaten legt gewisse Grenzen fest, innerhalb derer die Bürger sich zu bewegen haben. Wenn eine Partei auf einmal auf die Idee käme, sie wollten die Sklavenhaltung wieder einführen, ginge das aufgrund der Verfassung ja auch nicht. Pech gehabt! Es gibt immer Grenzen dessen, was der Mehrheit gerade beliebt. Sklaverei, Rassentrennung, Todesstrafe, kann man theoretisch alles in einer Demokratie praktizieren, alles schon vorgekommen. Und, ist es deshalb gut und wünschenswert? Ein schulterzuckendes "Hey, das ist halt Demokratie! Was willst du denn?" finde ich deshalb noch lang nicht angebracht. Meiner Meinung nach ist es voll okay, zu sagen: Todesstrafe, Apartheid, Frauen- und Menschenhandel, und was es da noch alles gibt: sorry, das geht aufgrund der Verfassung nicht, Pech gehabt.

Aber wenn ihr mich fragt, ist die kritische Masse so langsam erreicht:
Umfrageergebnisse zur Todesstrafe in den USA.
Immer mehr Länder schaffen die Todesstrafe ab, immer mehr Menschen finden sie doof - irgendwann werden die letzten Henkerländer auch merken, dass nicht das Gutmenschentum "out" ist, sondern das Hinrichten.

Anmerkung: Ich habe fälschlicherweise den Artikel zur Todesstrafe in den USA dem "Lawblog" attributiert, ich weiss nicht mehr, wieso - aber das war falsch. Der Artikel steht auf dem Blog "USA erklärt" unter http://usaerklaert.wordpress.com.

Sonntag, 28. Juni 2009

neues headerbild

Bei mir ist wieder ein neues Bild oben eingezogen. Ich war nämlich eine Woche in Südfrankreich (durch einen äusserst glücklichen Zufall musste ich dafür gar nix bezahlen) auf einem Treffen von KleinbäuerInnen, BäckerInnen, Leuten die mit landwirtschaftlicher Wissenschaft und Journalismus befasst sind und wir ham uns alle wunderbar ausgetauscht. Es hat so Spass gemacht und tat so gut zu sehen, dass das, was man so macht, einen Sinn ergibt und dass es viele internationale Netzwerkchen gibt, und man nicht allein ist :-)

Das ganze war ein Treffen von Réseau semences paysannes. Ich glaube, ich habe dadurch richtig Bock bekommen, mich ein wenig mehr mit dem Thema (Anti-)Globalisierung zu beschäftigen und ausserdem mag ich weiter in Kontakt bleiben mit diesen BäuerInnen/BäckerInnen aus anderen Ländern.

Und ich hoffe, dass sich das hin und wieder thematisch auch in diesem Blog niederschlagen wird.

thesky

Donnerstag, 29. Januar 2009

"Hier hat jeder eine andere Rechtsauffassung"

jobcenter

Stilblüten aus dem Jobcenter (Eingangszone):
Kundin: Ich habe seit 1,5 Monaten kein Geld bekommen und kann meine Wohnung nicht heizen, Mietschulden habe ich auch schon, warum kommt von Ihnen nichts?

Sachbearbeiterin M: Das war nicht so vorgesehen. *sucht die Schuld bei Kundin* Also laut diesem Vermerk hätten sie längst dies und das abgeben müssen.

Kundin: Der Sowieso hat mir aber extra gesagt ohne dieses und jenes Papier bräuchte ich gar nicht zu kommen und das abgeben, das würde eh nicht bearbeitet.

Sachbearbeiterin M: Das haben Sie dann eben falsch verstanden.

Kundin: Ich habe aber dreimal nachgefragt und sicher friert man nicht zum Spass in der eigenen Wohnung.

Sachbearbeiterin M: Das müssen Sie trotzdem falsch verstanden haben, weil eben der Sowieso nicht 100 Leuten das richtig sagt und ihnen sagt er das dann auf einmal anders.

Kundin: Ja und was jetzt?

Sachbearbeiterin M: Weil Sie *schiebt die Schuld auf Kundin* das nun nicht bis Mitte Januar abgegeben haben bekommen Sie gar kein Geld.

Kundin: *fällt aus allen Wolken* Aber wenn der Sowieso mir das sagt, daß ich das noch gar nicht abgeben kann!!

Sachbearbeiterin M: Wenn Sie das eben falsch verstanden haben...

Begleiterin der Kundin *schreibt mit*: Frau M, möchten Sie mein Protokoll mal überfliegen, um sicherzugehen daß wir uns jetzt richtig verstanden haben?

Sachbearbeiterin M. zur Begleiterin: *genervt* Was Sie schreiben, interessiert mich nicht!

Begleiterin der Kundin: Ich bin hier nicht um sie zu ärgern, liebe Frau M., sondern ich möchte nur vermeiden, dass weitere folgenschwere Missverständnisse entstehen. *schreibt auf, daß Frau M. den Inhalt des Gesprächsprotokolls nicht sehen möchte*

Sachbearbeiterin M: *etwas verunsichert, schwankt zwischen frechem von oben-herab-Behandeln und plötzlichen Anfällen von Mildtätigkeit* Ich schreibe jetzt das alles mal auf was wir besprochen haben und dann gehen Sie zur Leistungsabteilung, vielleicht haben die ja ein Einsehen und Sie bekommen doch noch das Geld, obwohl sie das hätten längst abgeben sollen *fängt an zu tippen*

Kundin und Begleiterin: *denken simultan sowas wie:* (Wieso lernen die hier nicht mal 10-Finger-System? Gehört das nicht zur den ganz grundlegenden Qualifikationen, wenn man den ganzen Tag an einer Computertastatur arbeitet?? Wenn ich das schreiben würde, wäre ich längst fertig. Wieviele Anschläge hat die in der Minute? 20? Wah.. .ich habe 200... )

Sachbearbeitern M: *reicht einen Laufzettel rüber, in dem der Fall natürlich streng aus ihrer sicht zusammengefasst wird* Damit gehen Sie jetzt in die Leistungsabteilung und werden dann gleich aufgerufen! *murmelt gönnerhaft in den eigenen Bart* Ich hoffe, die da oben können da einmal menschlich mit der Sache umgehen.

.....

Leistungsabteilung, Beamter E: *ignoriert völlig den Laufzettel, der von unten mitgereicht wurde und auf der Tischkante liegt* Was kann ich für Sie tun?

Kundin: Ich habe hier einen Antrag der angeblich verfallen ist, da ich ihn hätte früher abgeben sollen, und soll Ihnen jetzt meinen Fall schildern weil es in Ihrem Ermessen liegt dass ich doch noch Geld bekomme für die letzten Wochen. Ich hab nämlich noch nichts bekommen.

Beamter E (liest den Antrag): Ah, ich sehe, sie haben Anspruch seit Mitte Dezember.

Kundin: WAS? Die unten hat mir gesagt, das wäre verfallen weil ich zu spät..

Beamter E: Da haben sie die Frau M. aber falsch verstanden..

Begleiterin: *winkt mit Protokoll* Ich glaub nicht, ich habe das nämlich so mitgeschrieben, wie Frau M. das gesagt hat.

Beamter E: *kurz grübelnd* Es liegt einfach daran - dass hier jeder eine andere Rechtsauffassung hat.

ACH SOOOOOOOOOOOOOO!
"Sie haben das falsch verstanden" heisst auf deutsch bzw. im Klartext: "Es hat hier jeder ne andere Rechtsauffassung und wenn der Bearbeiter/BeamtIn/VermittlerIn XY das Gegenteil von dem sagt, was ich so sag, dann haben Sie/ bzw. hat die KundIn das halt falsch verstanden".
Also diese staatlichen äh... Unternehmen... haha, wie die mit ihren KundInnen umgehen dürfen... das hab ich aber anders gelernt, wie man mit Kundschaft umgeht... *lol*

Freitag, 23. Januar 2009

Israel-Palästina und Sockenmodel

sockenmodel
Heute - naja, gestern eigentlich, habe ich schon wieder 1 Paar Socken fertig gestrickt, die so ein lustiges Spiralenmuster am Schaft haben. Die Anleitung dafür hatte ich schon mal verlinkt, "Nixensocken" heisst das, ich bin jetzt zu faul, den Link rauszusuchen.
Auf dem Bild sieht man Herrn Distelfliege's elfenhafte Sockenmodelfüsse.
Ich mag die Farben - eigentlich wollte ich einen Rest Sockenwolle von einem anderen Paar verbrauchen und habe den mit drei verschiedenen einfarbigen Garnen kombiniert. Kommentar einer hier anonym Bleibenden: "grässlich bunt.."
Ich find auch...farblich auf den Spuren von Kaffe Fassett *hihi*

Bei Martin war heute (äh, auch gestern) ein cooler Beitrag über Antisemitismus beim Thema Gaza-Krieg.
Ich finde es immer wahnsinnig schwierig, was dazu zu sagen, weil ich schon seit einigen Jahren mich hin und wieder mal mit dem Thema Israel vs. Palästinenser und umgekehrt beschäftige, und man kann eigentlich immer nur vor Frust in die Tischkante beissen darüber, wie konsequent einfach Chancen um Chancen für ganz kleine Schritte Richtung Frieden nicht genutzt wurden oder werden konnten, und die Gewalt scheinbar nie ein Ende nehmen kann.

Ich war "früher" (sagen wir mal so Mitte-Ende der 90er) eher so drauf daß mein Herz für die armen Palästinenser die vom pösen Israel unterdrückt werden, während es heute so ist, daß wahnsinnig viele Informationen, die ich mir so zusammenklaubte, mir dieses naiv-einfache Bild genommen haben.

Ach ja, was war die Welt noch einfach, als auf einer feministischen Hexenmailingliste aus den USA Starhawk-Pamphlete die Runde machten, in denen sie gegen die israelische "Apartheid-Mauer" wetterte, diese Mauer, die Palästinenser in ein riesen "KZ" stecken würde... ich muss zugeben, so einfach war das damals auch nicht. Sondern vielmehr war das so, daß sich mir beim Lesen die Haare sträubten. Also, mir sträubten sich die Haare ob dieser sorglos-plakativen Ausdrucksweise, die Starhawk da so an den Tag legte.

In den letzten Jahren ist es glaub ich, aus der Mode gekommen, unter "Alternativen" in Deutschland (zumindest denen die ich so kenne) Israel mit Nazis zu vergleichen oder entsprechende Metaphern zu verwenden. Das wird rein formal vermieden. Inhaltlich gesehen hat sich nicht viel geändert, da gehts dann schon öfter mal befremdlich zu, wenn es um das Thema Israel-Palästina geht. Da hab ich auch das Gefühl, dass irgendwelche im deutschen kollektiven Unbewussten herumwabernde Probleme und Schuldkomplexe das Thema überladen.
Also wo man sich echt manchmal schon fragt, gehts noch? Vielleicht ist Israel und Palästina, Gaza und so weiter doch sooooo weit weg, daß irgendwie nix wichtiger erscheint als deutsche Befindlichkeiten. Auf der anderen Seite bringt es nichts, diese belastenden Komplexe, die einige mit sich rumtragen, einfach zu übergehen, so banal die im Vergleich zu "richtigen Problemen" vielleicht sind. Daran arbeiten - bin ich total dafür. Man hat soviel dadurch zu gewinnen.

Was mir auch gerne mal die Perspektive gerade rückt, ist ein Besuch auf den Seiten von IPCRI, weil dort die meisten Texte ausnahmsweise nicht ausschliesslich davon handeln, wer "Schuld hat" und wer "die Bösen" sind und wer "die Guten", sondern was man angesichts des Schlamassels in Bezug auf Frieden tun kann/sollte. Der Direktor von IPCRI meint: Nachdenken, was nach dem Krieg kommen soll, anstatt immer nur schnelle Krisenreaktionen zu produzieren. Auch auf mePeace fragt sich die Palästinenserin Hiba, was nach dem Krieg kommt.

Was mich auch traurig macht, ist dieses Rumlavieren ohne daß ich mir eine Meinung bilden könnte mit der ich auf die Strasse gehen könnte - vor einigen Wochen gab Lucia in ihrem Blog einen Aufruf zu einer Friedensdemo wegen des Gaza-Krieges weiter, und ich hatte absolut keine Lust, für den Frieden auf die Strasse zu gehen und mich dann mitten in "Intifada bis zum Sieg" brüllenden Hassfratzen wiederzufinden. Dann bin ich halt zuhause geblieben, fragt sich auch, ob das jetzt stattdessen die Lösung war. Natürlich nicht.

Sonntag, 14. Dezember 2008

20th Century Fox findet: Ausländer müssen draussen bleiben

Heute bin ich durch Zufall auf eine Sache gestossen, die hoffentlich nicht Schule macht:
Ich war auf der Webseite des Kinofilms "Thank you for Smoking" und klickte mich da weiter zur Webseite "Academy of Tobacco Studies" - eine fiktive Institution aus dem Film. Nun muss man auf der Seite eine Art Altersfreischaltung mitmachen, um sie lesen zu können. Es steht dort:

Unsere Seiten besuchen darf jeder, der volljährig ist und in Deutschland wohnt.

Aha. Ok, bin ich. Volljährig. Und wohne auch in Deutschland. Weiter steht da:

Bitte geben Sie zur Überprüfung des Alters jetzt die auf Ihrem deutschen
Personalausweis angegebenen Zeichenfolgen in die Felder ein:*


WAS???? Frechheit - also wieso sollte ich mich da mit meiner echten Perso-Nummer outen - und wenn ich das wollen würde, könnte ich das nicht, weil ich als Ausländerin in Deutschland gar keinen deutschen Personalausweis habe!
Ausländer raus? Danke sehr.
Allerdings bin ich eh kein Filmfreak und würde mir den Film wahrscheinlich sowieso nicht ansehen... witzigerweise gibt es diese Seite nur für .de, die englischsprachige Webseite hat keinen Link zu irgendeiner "Academy" parat..

Samstag, 6. Dezember 2008

Amnesty Briefaktion

Heute hat die Ai-Gruppe, wo ich gerne mal die Mitläuferin spiele, mit nicht unerheblichem Einsatz meiner Person einen netten Briefschreibe-Marathon aufs Parkett gelegt.
Ich habe alleine ca. 20 handschriftliche Briefe geschrieben, Urgent Actions, Petitionen, Briefe gegen das Vergessen... es war wirklich cool.
Also der König von Saudi-Arabien hat vielleicht eine lange Adresse. Allein die zu schreiben dauert ja schon 10 Minuten. Der Justizminister des Iran hat aber noch eine längere Adresse. Man will ja meinen, daß das gar keine Adresse ist. Sondern eine Art Wegbeschreibung - "South of dingenskirchen... und dann fährst du da und da lang.. dann rechts." *gg*

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Freitag, 21. November 2008

Heimfahrt + Lush *g*

Auf meiner Heimfahrt von der Arbeit seh ich immer wieder die komischsten Dinge. An der Warschauer Brücke war heute eine Ansammlung von Menschen, die sehr gespannt einem von ihnen zuhörten, der sie von einem Stromkasten aus vollpredigte. Der Prediger stand auf dem Stromkasten und hatte rote, stachelige Haare. Bis auf das Äussere sah das aus wie "Life of Brian" - diese Tempelmauer, wo die ganzen Propheten Blödsinn labern.

Auf der Friedrichshainer Seite der Brücke ist ein Baum. Unter diesem Baum haben das ganze Jahr über 2-3 Leute gelebt. Sie haben da gesessen, gebettelt und nachts unter dem Baum geschlafen. Seit etwa eineinhalb Wochen sind sie weg, es kamen auch jetzt regnerische Tage und kalt ist es auch geworden. Aber den ganzen Oktober und auch den Anfang vom November haben die noch unter diesem Baum gelebt.

Gestern nacht haben wir noch über das Thema "Lush" gechattet, also sagen wir mal ziemlich heftig diskutiert. Obwohl ich eigentlich denke, so eine Kosmetik-Kette hats eigentlich gar nicht verdient, daß man ihnen soviel Aufmerksamkeit widmet, ist es doch spannend. Ich glaube, an Lush scheiden sich die Geister, weil sie ein sehr gutes Marketing-Konzept haben, das Lush quasi wie ein Lebensgefühl und wie eine Art Religion vermarktet. Sehr viel hat das mit Identifikation mit einem "neuen, coolen Glitzer-Öko-aktiv+gesund-Lebensgefühl" zu tun und mit dem Gefühl, "Teil davon zu sein", wenn man die Produkte kauft. Lush tut so, als wäre der Konsum von Lushprodukten kein Konsum, als wäre Lush kein kapitalistischer Laden, als wären ihre Sachen irgendwie Bio.... zwar wirbt die deutsche Seite nicht mehr mit Bio, aber die englische Seite (UK) wirbt nach wie vor mit "organic".
Letztendlich blättern die Leut Unsummen hin für 100 gramm Seife, oder irgendein Geschmadder für die Haut und die Haare, wobei im Bioladen von bio-zertifizierten Firmen hergestellte Produkte z.T. nur die Hälfte kosten, bilden Fanclubs, nennen sich gar "Lushies" (wie sich andere Trekkies nennen) und identifizieren sich auch sonst ziemlich stark mit der Firma, die ihre Körperpflegesachen herstellt. Das ist einfach ein gesellschaftliches Phänomen, das ich faszinierend finde.
Ich persönlich habe keine Badewanne, daher fällt schon mal 1/3 der Lush-Produkte für mich aus, und für die Anwendung von Geschmodder für alle möglichen Körperzonen habe ich weder die Zeit noch hätte ich dazu Lust. Aber diese irren Seifen die die so verkaufen, bzw. die Art, wie sie angeboten und im Laden ausgestellt werden, fand ich immer genial. Bringt bloss nicht soviel, wenn die Seife aus dem Laden entfernt wurde und zuhause im Bad herumliegt, wo sie bald unansehnlich wird. Und der Duft entpuppt sich dann abseits vom buntglitzernd-Esswarenartigen Lush-Display als zweitklassig oder als zu aufdringlich, als daß man das sauteure Zeug mehr als fünfmal benutzen möchte.
Aber ich muss schon sagen, dieses Marketing-Konzept weckt bei mir Kauflust sondergleichen, obwohl ich mich für Kosmetik nicht die Bohne interessiere. Es weckt bei mir Kauflust, obwohl ich mehrfach bemerkt habe, daß die Sachen bei mir zuhause nicht mal halb soviel hermachen wie in ihrer "Angebotsumgebung". Und obwohl ich weiß, dass Lush ein "Bio-Fake" ist und obwohl ich sowas blöd finde. Da kann der Kopf sonstwie noch alles besser wissen, emotional greift die Masche bei mir auf jeden Fall. Beängstigend, oder?
Also wenn man einem Marketing-Konzept auf den Leim geht, während man genau weiß, daß man gerade einem genialen Marketing-Konzept auf den Leim geht.
Meine Abhilfe, wenn ich (was eh nur alle Jahre mal vorkommt) doch mal in einen Lush-Laden reingerate, sieht quasi so aus, daß ich mich dort diesem Anregungs-Flash hingebe, alles angrabble und dann ohne was zu kaufen rausgehe, in den nächsten gutsortierten Bioladen oder Naturkosmetikladen, und mir da was kaufe, was wirklich bio ist, was wirklich die Qualität der Zutaten hat, was wirklich so riecht daß es mir nicht nach dreimal riechen zum Hals raushängt, und was zudem nur halb soviel kostet. Das befriedigt die Lust nach dem Einkaufserlebnis UND das Bedürfnis nach was lecker-luxuriösem zur Körperpflege, das man zuhause nicht genervt irgendwann in den Müll wirft sondern das man auch gut findet bis es alle ist.

Das ist natürlich alles Geschmackssache. Meine Erfahrung ist halt, daß diese Bio-Sachen auf den ersten Blick einen weder im Aussehen noch im Duft erschlagen. Aber auf den zweiten und dritten Blick sind die dann das wirkliche Erlebnis. Die Lush-Honig-Seife riecht z.b. total stark nach Honig und Vanille, und die Gedanken schreien: GEIL!! KAUFEN!! Zuhause schreien die Gedanken irgendwann: Hoffentlich ist sie bald alle, damit endlich der penetrante Honiggeruch verschwindet!! Die Bioladen-Honigseife dagegen... da finde ich es schade, wenn die alle wird.

Naja, so mein Fazit... zum Schluss: Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Lush-Produkten stimmt für mich absolut gar nicht. Aber dieses Fake-Natur-Frische-Öko-Marketingkonzept ist schon genial, muss man mal neidlos gestehen.

Sonntag, 16. November 2008

Eine Email für Darfur schreiben

Letztens folgte ich ja auf Thujas Blog einem Link zu so einem Verschwörungstheoretiker-Interview zum Thema Obama + Hintermänner. Da wurde auch erwähnt, daß Obama sich u.a. auf den Sudan konzentrieren würde, um Russland und China in Sachen Öl Konkurrenz zu machen oder eben, chinesische Öllieferungen aus dem Sudan zu stoppen. Als Aufhänger soll Darfur dienen.

Nun sind diese Verschwörungsleute immer so schrecklich unkonstruktiv. Sie machen mords Panik, hetzen die Leut eigentlich nur gegen imaginäre oder reale Mächte auf, gegen die "man sowieso nix machen kann" und bewirken damit, daß man sich einfach nur scheisse, schwach und panisch fühlt und die Schuld dann demjenigen gibt, den die Verschwörungsfuzzis einem dafür servieren.

Eine viel konstruktivere Möglichkeit, mit dem Thema umzugehen, ist, sich den Darfur-Konflikt mal näher anzusehen. Seit 2004 sind in Darfur von den UN autorisiert, Friedenstruppen der afrikanischen Union stationiert. Ihre Kräfte reichten allerdings bei weitem nicht aus, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Deshalb wurde im Sommer letzten Jahres (2007) nach langem Drängen der afrikanischen Union endlich eine Verstärkung der Friedenstruppen durch UN-Blauhelme bewilligt. Jetzt isses aber so, daß nur ein Bruchteil der bewilligten Truppenstärke tatsächlich in Darfur ist, und daß unterm Strich, die Truppen der AU und UN zusammengezählt, nicht viel mehr Friedenstruppen in Darfur sind als vorher auch.
Wenn man also nicht möchte, daß jemand wegen Öl und China, oder sonstwas, in Darfur reinmarschiert, (wenn man überhaupt Willens ist, das erstmal für wahrscheinlich zu halten), dann ist es doch logischerweise die beste Idee, humanitäre NGO's jetzt zu unterstützen, sowie sich dafür einzusetzen, daß die UN endlich die eh schon bewilligten Leute nach Darfur schickt.
Dazu gibt es eine Webseite von AI, www.eyesondarfur.org, wo man eine vorformulierte Protestmail an sudanesische Regierungsvertreter schicken kann und sich über Darfur informieren.

Ja, mal ehrlich, diese panikmachenden, unkonstruktiven, nervenden Verschwörungsfuzzis, denen könnte sowas doch zur Abwechslung auch mal einfallen, die verkaufen doch so viele Bücher.

Nachtrag: Hier gibts ein Mailformular wo man die UN auffordern kann, die Friedenstruppen für Darfur ohne weitere Verzögerungen auf ihre geplante Stärke aufzustocken: Call on UN Security Council presidents to get UNAMID on the Ground in Darfur

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anarchistel

Die Freien Religionen bieten vielleicht ein paar der einzig möglichen spirituellen Alternativen zu den televangelischen Sturmtruppen & den dummköpfigen Kristall-Channellers (von den etablierten Religionen ganz zu schweigen) & werden daher wichtiger & wichtiger, vitaler & vitaler in einer Zukunft, in der die Forderung nach der Eruption des Wunderbaren in das Gewohnte zur lautesten, schärfsten & tumultuösesten aller politischen Forderungen werden wird - eine Zukunft, die (einen Moment, ich muß einen Blick auf meine Uhr werfen) ... 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 ... JETZT beginnt!

Hakim Bey

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