Die Story von Eleanor und den Seminolen
Ich schaue ja manchmal nachts "Quilters TV" an, um mir einfach paar Nähtechniken anzueignen, dort hab ich schon so manche Anregung gekriegt.
Nun fiel mir dabei eine Frau auf, die wirklich das Klischee der "Horror-Hausfrau" darstellt: Festgetackertes manisches Grinsen, dauernd halb gekreischtes "Isn't it cuuuuuuute!!" "That's sooooooooooooooo nice" und die obligatorische Dauerwelle - zum Totgruseln. Also vom Gucken her die Schlimmste von allen...
Gestern habe ich dann, weil ich echt nix besseres zu tun hatte, mal nach ihr gegooglet. Und was soll ich sagen, jetzt zieh ich vor der Frau den Hut.
Eleanor Burns, so heisst es, hat in den 70er Jahren viele der heute gängigen Nähtechniken für Patchwork, die ich heute täglich verwende, erfunden. Sie hat um Geld zu verdienen, angefangen, Quiltkurse zu geben, ohne je einen Quilt genäht zu haben, und brauchte Techniken die schneller gehen, eben weil sie sich die Dinge paralell zu ihren Kursen selbst beigebracht hat.
Als ihre Ehe in die Brüche ging 1979, und sie mit zwei Kindern allein dastand, hat sie sich mit den Quiltkursen auf die eigenen Beine gestellt.
Es gibt auch eine Legende, wie Eleanor Burns das Kettennähen erfand: Für ihre Kurse zog sie damals in den Hinterhöfen einer Bekleidungsfabrik die verschnittenen Stoffe aus den Abfallcontainern und da war ein viele Meter langes Band von Hosenbund in einer der Container, an dem in regelmässigen Abständen die Hosentaschen angenäht waren. Das brachte sie, der Legende nach, auf die Idee, dieses Prinzip für ihre Patchwork-Kurse anzuwenden.
Vorher haben die meisten Patchworkerinnen mit Pappschablonen jedes Stück einzeln angezeichnet und mit der Schere ausgeschnitten. Eleanor nähte dann Streifen zusammen, schnitt diese auseinander und nähte sie anders wieder zusammen und erzeugte damit viele traditionelle Quiltmuster in viel kürzerer Zeit, daher nannte sie ihre Methode "Quilt in a Day".
Heute ist Eleanor wahrscheinlich stinkereich, hat eine große Firma und mehrere Stoffkollektionen, und eine Nähmaschinenfirma hat sogar ein Eleanor-Burns-Sondermodell laufen.
Also quasi eine Geschichte Marke "American Dream".
Das Streifennähen war allerdings schon vor Eleanor Burns erfunden und gebräuchlich, in den Regionen in Florida, wo Seminolen leben. Die kamen Anfang des 20. Jahrhunderts wohl an Tretnähmaschinen ran, die wurden ihnen von irgendeinem Büro, die Details hab ich nicht im Kopp, ausgeteilt.
Dort entstand dann eine bestimmte Patchworktechnik die nicht wie die Technik von Eleanor Burns bekannte Muster nachahmte, sondern mit ganz eigenen Mustern und einem eigenen Stil verbunden war. Dieser Stil heisst mittlerweile "Seminole".
Übrigens sind die Seminolen ursprünglich kein einzelner Stamm gewesen, oder eine bestimmte Nation von amerikanischen Ureinwohnern. Sie bestanden überhaupt eigentlich nicht nur aus amerikanischen Ureinwohnern, sondern waren so ne Mischung aus Indianern und Afrikanern. Den Namen "Seminolen" bekamen sie von den damaligen Kolonisatoren Floridas, den Spaniern.
Die Seminolen waren aus der britischen Sklaverei geflüchtete und von Kriegen vertriebene Indianer aus dem Norden, hauptsächlich Creek, aber auch Leute anderer Völker, die am Anfang des 18. Jh nach Florida zogen.
In Florida selbst war von der ursprünglichen Bevölkerung, durch Krieg mit den Spaniern und Seuchen wie den Pocken, zu der Zeit so gut wie niemand mehr übrig. Historiker schätzen, daß es einmal zwischen 100000 und einer halben Million Ureinwohner in Florida gegeben hat, im 17. Jahrhundert waren 75% von ihnen ausgelöscht worden. Die Engländer brachen während dieses Jahrhunderts immer wieder nach Florida ein und versklavten die restliche ursprüngliche Bevölkerung. Weniger als 100 Menschen blieben von einer halben Million übrig.
Damit hatten sich die Spanier scheinbar selber ins eigene Fleisch geschnitten, und es war wirtschaftlich äusserst schlecht, wenn man zwar Land hat, aber wenig Leute, damit das Land bewirtschaftet wird. Europäische Siedler - wieso auch immer - wollten nicht genügend kommen, und deswegen versprach der olle spanische König 1693 allen ehemaligen Sklaven, die ordentliche Katholiken werden, zum Militärdienst gehen und das Land bebauen würden, die Freiheit.
Die Neuankömmlinge wurden Bauern und lebten in guter Nachbarschaft mit ehemaligen schwarzen geflohenen Sklaven, die sich auch da ansiedelten und "Black Seminoles" genannt wurden. Afrikanische und indianische Kultur vermischten sich zum Teil und es gab viele gemeinsame Dörfer.
Aber der Friede war nur von kurzer Dauer. Die Briten gewannen die de-Facto-Kontrolle über Florida in den 1760er Jahren. Wieder gabs Kämpfe zwischen ehemaligen versklavten Afrikanern und den Briten, und viele flohen weiter in Richtung Kuba und anderen spanischen Kolonien.
Währenddessen ging die Einwanderung von verjagten Indianern aus dem Norden weiter. Florida war dünn besiedelt, hatte fruchtbares Land, gehörte offiziell zu Spanien und de facto hausten da die Briten und hielten Sklaven, und es gelang den Seminolen - den afrikanischen und den amerikanischen, noch eine ganze Weile, ihre Ansiedlungen und ihre Freiheit gegen die Briten, und danach auch gegen die Weißen aus den neu entstandenen Vereinigten Staaten, zu verteidigen.
Bis zu den sogenannten Seminolenkriegen.
Mal sehen, also jetzt hab ich eh keine Zeit mehr, die Geschichte weiterzuerzählen, wie es den Seminolen erging.
http://www.slaveryinamerica.org/history/hs_es_seminole.htm
http://funandsun.com/1tocf/seminole/semhistory.html
Nun fiel mir dabei eine Frau auf, die wirklich das Klischee der "Horror-Hausfrau" darstellt: Festgetackertes manisches Grinsen, dauernd halb gekreischtes "Isn't it cuuuuuuute!!" "That's sooooooooooooooo nice" und die obligatorische Dauerwelle - zum Totgruseln. Also vom Gucken her die Schlimmste von allen...
Gestern habe ich dann, weil ich echt nix besseres zu tun hatte, mal nach ihr gegooglet. Und was soll ich sagen, jetzt zieh ich vor der Frau den Hut.
Eleanor Burns, so heisst es, hat in den 70er Jahren viele der heute gängigen Nähtechniken für Patchwork, die ich heute täglich verwende, erfunden. Sie hat um Geld zu verdienen, angefangen, Quiltkurse zu geben, ohne je einen Quilt genäht zu haben, und brauchte Techniken die schneller gehen, eben weil sie sich die Dinge paralell zu ihren Kursen selbst beigebracht hat.
Als ihre Ehe in die Brüche ging 1979, und sie mit zwei Kindern allein dastand, hat sie sich mit den Quiltkursen auf die eigenen Beine gestellt.
Es gibt auch eine Legende, wie Eleanor Burns das Kettennähen erfand: Für ihre Kurse zog sie damals in den Hinterhöfen einer Bekleidungsfabrik die verschnittenen Stoffe aus den Abfallcontainern und da war ein viele Meter langes Band von Hosenbund in einer der Container, an dem in regelmässigen Abständen die Hosentaschen angenäht waren. Das brachte sie, der Legende nach, auf die Idee, dieses Prinzip für ihre Patchwork-Kurse anzuwenden.
Vorher haben die meisten Patchworkerinnen mit Pappschablonen jedes Stück einzeln angezeichnet und mit der Schere ausgeschnitten. Eleanor nähte dann Streifen zusammen, schnitt diese auseinander und nähte sie anders wieder zusammen und erzeugte damit viele traditionelle Quiltmuster in viel kürzerer Zeit, daher nannte sie ihre Methode "Quilt in a Day".
Heute ist Eleanor wahrscheinlich stinkereich, hat eine große Firma und mehrere Stoffkollektionen, und eine Nähmaschinenfirma hat sogar ein Eleanor-Burns-Sondermodell laufen.
Also quasi eine Geschichte Marke "American Dream".
Das Streifennähen war allerdings schon vor Eleanor Burns erfunden und gebräuchlich, in den Regionen in Florida, wo Seminolen leben. Die kamen Anfang des 20. Jahrhunderts wohl an Tretnähmaschinen ran, die wurden ihnen von irgendeinem Büro, die Details hab ich nicht im Kopp, ausgeteilt.
Dort entstand dann eine bestimmte Patchworktechnik die nicht wie die Technik von Eleanor Burns bekannte Muster nachahmte, sondern mit ganz eigenen Mustern und einem eigenen Stil verbunden war. Dieser Stil heisst mittlerweile "Seminole".
Übrigens sind die Seminolen ursprünglich kein einzelner Stamm gewesen, oder eine bestimmte Nation von amerikanischen Ureinwohnern. Sie bestanden überhaupt eigentlich nicht nur aus amerikanischen Ureinwohnern, sondern waren so ne Mischung aus Indianern und Afrikanern. Den Namen "Seminolen" bekamen sie von den damaligen Kolonisatoren Floridas, den Spaniern.
Die Seminolen waren aus der britischen Sklaverei geflüchtete und von Kriegen vertriebene Indianer aus dem Norden, hauptsächlich Creek, aber auch Leute anderer Völker, die am Anfang des 18. Jh nach Florida zogen.
In Florida selbst war von der ursprünglichen Bevölkerung, durch Krieg mit den Spaniern und Seuchen wie den Pocken, zu der Zeit so gut wie niemand mehr übrig. Historiker schätzen, daß es einmal zwischen 100000 und einer halben Million Ureinwohner in Florida gegeben hat, im 17. Jahrhundert waren 75% von ihnen ausgelöscht worden. Die Engländer brachen während dieses Jahrhunderts immer wieder nach Florida ein und versklavten die restliche ursprüngliche Bevölkerung. Weniger als 100 Menschen blieben von einer halben Million übrig.
Damit hatten sich die Spanier scheinbar selber ins eigene Fleisch geschnitten, und es war wirtschaftlich äusserst schlecht, wenn man zwar Land hat, aber wenig Leute, damit das Land bewirtschaftet wird. Europäische Siedler - wieso auch immer - wollten nicht genügend kommen, und deswegen versprach der olle spanische König 1693 allen ehemaligen Sklaven, die ordentliche Katholiken werden, zum Militärdienst gehen und das Land bebauen würden, die Freiheit.
Die Neuankömmlinge wurden Bauern und lebten in guter Nachbarschaft mit ehemaligen schwarzen geflohenen Sklaven, die sich auch da ansiedelten und "Black Seminoles" genannt wurden. Afrikanische und indianische Kultur vermischten sich zum Teil und es gab viele gemeinsame Dörfer.
Aber der Friede war nur von kurzer Dauer. Die Briten gewannen die de-Facto-Kontrolle über Florida in den 1760er Jahren. Wieder gabs Kämpfe zwischen ehemaligen versklavten Afrikanern und den Briten, und viele flohen weiter in Richtung Kuba und anderen spanischen Kolonien.
Währenddessen ging die Einwanderung von verjagten Indianern aus dem Norden weiter. Florida war dünn besiedelt, hatte fruchtbares Land, gehörte offiziell zu Spanien und de facto hausten da die Briten und hielten Sklaven, und es gelang den Seminolen - den afrikanischen und den amerikanischen, noch eine ganze Weile, ihre Ansiedlungen und ihre Freiheit gegen die Briten, und danach auch gegen die Weißen aus den neu entstandenen Vereinigten Staaten, zu verteidigen.
Bis zu den sogenannten Seminolenkriegen.
Mal sehen, also jetzt hab ich eh keine Zeit mehr, die Geschichte weiterzuerzählen, wie es den Seminolen erging.
http://www.slaveryinamerica.org/history/hs_es_seminole.htm
http://funandsun.com/1tocf/seminole/semhistory.html
distelfliege - 9. Feb, 16:13


