Nachdem es gestern mal wieder eine längere Chatdiskussion gab über den Stil, der auf manchen Handarbeits-Weblogs ausgedrückt wird, werde ich mir mal wieder ein paar Gedanken machen.
Und zwar hatte ich schon mal einen Eintrag über
Cool und feminin geschrieben, von dem ich gerne zwei Dinge nochmal betonen möchte:
1. Es ist uncool, wenn eine Entzweiung entlang der feminin/nicht-feminin-Grenze unter Frauen stattfindet
2. Unter dem Gesichtspunkt "alles ist Drag" ist feminin-verspieltes "Meeeetchen"-Zeug cool.
Das war damals allerdings ein eher kurz und einseitig geratenes Statement. Ist "verspieltes Mädchenzeug" tatsächlich immer cool?
Was ist, wenn durchgängig ein rosa-Bonbon-Püppchen-Bild gezeichnet wird, als Selbstbild einer erwachsenen, gestandenen Frau? Was sagt das aus über eine Frau? Und führt "süss sein" zu Respekt? Ist "süß sein" nicht vielmehr eine Einladung, die Frau zu verniedlichen, klein zu machen und ersetzt "süß" nicht "etwas können"?
Wenn wir mal den Tatsachen ins Auge sehen, ist in diesem unserem Lande (Deutschland) Nähen, Stricken und Häkeln - also häusliche Handarbeit - etwas, auf das man herunterschaut. Es hat kein Prestige.
Auf süße, niedliche Dinge schaut man auch herunter und findet sie allenfalls tätschelnswert.
Das noch in Kombination zu aktuellen Trends von neuer, cooler Häuslichkeit, back to herkömmliche Geschlechterrollen, Eva Herman, Rollback, Feminismus-was ist das-bestimmt son verklemmtes Emanzenzeug - eine bedenkliche Mischung irgendwo.
Ich kann an dieser Stelle nur auf das Statement der
Nomadin verweisen, das sie als Kommentar zu "cool und feminin" verfasst hat, und ich werde das mal in voller Länge zitieren:
Ich finde diese ständige Abgrenzung zwischen Frauen, die klassisch feminines Zeug mögen und denen, die Geschlechtsstereotypen karikieren oder auflösen wollen auch blöd.
Ich trage gerne Röcke, hohe Schuhe und der Schule auch manchmal den strengen Lehrerinnen-Tussi-Look. Mir gefällt das und letzteres hat einfach auch eine ganz andere Wirkung als das Blümchenkleid und die flachen Sandalen. Für maskuliniere Kleidung fehlt mir der Körperbau, ich trag höchstens mal recht selten einen Anzug mit Krawatte als ironisches Statement.
Ich mag typisch weibliche Kleidung einfach. Daraus lässt sich aber noch gar nix über meine politische und gesellschaftliche Einstellung ableiten. Demnach kann ich mich dir nur anschließen. :)
Darüber hinaus würdeich aber noch hinzufügen, dass jedes stereotype Kopieren von Klischees m.E. langweilig ist, besonders, wenn es um selbstgemachtes Zeug geht. ich mag es, wenn Sachen einen Stilbruch oder ein ironisches Moment beinhalten, das den Betrachter irritiert.
Es enthält zwei Dinge, die ich wichtig finde:
Zum einen ist "femininer Stil" eine Frage des persönlichen Geschmacks und als solches genauso zu akzeptieren und zu respektieren wie jede andere Stilwahl auch.
Zum anderen sagt die Nomadin, daß es etwas anderes ist, wenn man Stilbrüche und ironische Momente einbaut, und eben nicht nur Klischees kopiert.
Insofern sehe ich eine zuckerlrosa Blümchenwelt, in der alles fein, süß und lieblich ist, wo sich Frauen "little Girl" nennen und so weiter, also die Selbstbarbiesierung (Wortkreation abgeleitet von Barbie) durchaus als ein Problem! Ohne damit jegliche feminine Stilistik abwerten zu wollen oder in die Trennungsfalle zu tappen.
Ich würde mir allerdings wünschen, daß bei Mancher mehr der Stilbrüche und Ironien im Spiel wären, sonst besteht in der Handarbeits-Szene wirklich die Gefahr, daß Meßlatten für Weiblichkeit/Mütterlichkeit entstehen, und Frauenbilder vermittelt werden, die (O-Ton einer Mitchatterin) "schweinereaktionär" sind. Der sprichwörtliche Apfelkuchen einer Eva Herman in Wort und Bild.
Die Lösung heisst ganz klar: Macht mehr drag!
Wenn ihr schon Theater spielt, dann spielt es bewusst. Und nicht den Witz vergessen *g*
Was spiele ich hier eigentlich?