Heute waren wir wieder joggen, und ich fand es echt anders als die ersten drei Mal. Ich bin eine Runde (da gibt es so einen Rundweg von 820 m Länge) ohne Pause durchgelaufen, das hatte ich davor nie geschafft.
Danach ging es mir wirklich gut, also sehr angenehm schlapp aber auch voll relaxed und irgendwie schön leicht und fluffig. Sport ist, schrieb ich schon mal, eben langweilig und doof, aber hinterher gehts wirklich totaaaaaal gut.
Mein Kerl und "personal Trainer" läuft übrigens nächsten Monat einen 10-km-Lauf mit und möchte Spenden für Amnesty dadurch sammeln. Ich mach dafür jetzt Werbung, wer spenden möchte, kann dort lang:
Man kommt da auf so ein Formular, wo man direkt wie im Online-Shop was überweisen kann. Das reingelaufene Geld soll die Ai-Gruppe
1310 mit Schwerpunkt Belarus und Todesstrafe unterstützen.
Ich hab mir dann die Haare gewaschen, und weil wir noch keine Heizung anhaben, ist das mit dem nassen Haar herumzusitzen ein wenig fröstelig. Ich hab schon einmal geföhnt, und jetzt geh ich gleich nochmal föhnen, hmpf, das wird alles sowas von gar nichts nützen. Die Haare werden irgendwann morgen im Laufe des Tages trocken sein... aber das war ja klar. Dreadlocks eben.
Die Teesaison ist jetzt wieder sowas von eröffnet... ich habe gestern zwei Kannen (2 Liter passen rein) Tee gekocht, und vorgestern drei. Dieser Zitrone-Pfeffer-Rooibusch-Tee vom Lidl ist echt sehr lecker! Und die komischen pyramidenförmigen Plastikteebeutel sind angeblich kompostierbar.
Da ich in den letzten Tagen wieder viel zur Todesstrafe gelesen habe, habe ich mir gedacht, ich könnte doch mal schauen, was seit meiner letzten intensiveren Beschäftigung mit dem Thema, 2005, so vorangegangen ist.
Abgeschafft haben folgende Länder die Todesstrafe:
Albanien (2007), Argentinien (2008), Burundi (2009), Cook Islands (2007), Mexiko (2005), Philippinen (2006), Ruanda (2007), Usbekistan (2008).
Da sind natürlich einige dabei, die ohnehin die Todesstrafe lange nicht angewandt haben, und den Anachronismus irgendwann aus der Verfassung gestrichen haben. Aber auf den Philippinen sind z.b. bis 2000 regelmässig Exekutionen durchgeführt worden, und in Usbekistan ebenfalls bis 2006.
Im Herbst 2006
hatte ich noch über die letzten Henker Europas gebloggt, Usbekistan und Belarus.
Länder, die die Todesstrafe für gewöhnliche Straftaten abgeschafft haben:
Kirgisien und Kasachstan (beide 2007)
Die Daten sind von
Amnesty.
Dezember 2007 hat sich die UNO auf ein weltweites Hinrichtungsmoratorium geeinigt. Das heisst, dass die UN Vollversammlung es toll fände, wenn keinerlei Hinrichtungen mehr stattfinden würden. Bindend ist das allerdings für keinen der Mitgliedsstaaten. Es hat eher Symbolwert.
Und es hat für mich auch noch Anekdotenwert, dass nach diesem Moratorium Kirchenvertreter ein Abtreibungsmoratorium forderten, so nach dem Motto: "Och, wenn sie schon gegen Hinrichtungen sind, dann können wir mal eben schön trittbrettfahren." Dass eine ungewollt schwangere Frau kein Staatsapparat ist, dem als Alternative zum Töten Gefängnisstrafen zur Verfügung stehen, ist den Leuten halt auch egal.
Die Statistiken, die eine Schweizer AI-Gruppe netterweise
gut zusammengefasst hat, waren:
" Die Zahl der Hinrichtungen auf der ganzen Welt ist von 2148 im Jahr 2005 auf 1591 im Jahr 2006 zurückgegangen."
2008 waren es schon wieder mind. 2,390 Hinrichtungen, und 2009 sind es leider noch mehr geworden. Fazit ist, dass immer weniger Staaten immer mehr Menschen exekutieren.
Beim Suchen nach Statistiken und Zahlen bin ich auch auf einen
Artikel des Blogs "USA erklärt" zur Todesstrafe in den USA aus dem Jahr 2006 gestossen. Ich muss zugeben, dass mich der Artikel an sich abstösst, zu sehr finde ich, wird krampfhaft drauf geachtet, ja nicht zu irgendwelchen Menschenrechtler-Gutmenschen gerechnet zu werden.
Zitat #1: " Wenden wir uns stattdessen dem zweiten Punkt zu: Warum haben diese 38 Bundesstaaten die Todesstrafe? Auch das ist einfach: Weil die Mehrheit der dortigen Bevölkerung sie haben will und die USA eine Demokratie sind. "
Ach, so einfach? In Deutschland war bis in die 70er Jahre die Mehrheit der Bevölkerung, laut Umfragen von diesem Allensbach-Institut, für die Todesstrafe. Das kippte irgendwann erst um, und seitdem ist die Mehrheit bis heute gegen die Todesstrafe. Das meinte ein Ai-Todesstrafen-Experte in seinem Referat auf einer Veranstaltung, wo ich vor kurzem war. Also, ich denke durchaus, dass die Todesstrafe "von oben" abgeschafft werden kann, auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung noch nach dem Henkerstrick schreit. Der amerikanische Supreme Court hat schon ein paarmal Hinrichtungsstopps verhängt, ohne dass es gleich nen Aufstand gab.
Zitat #2 aus dem o.g. Artikel: "Zum Beispiel werden die Bürger von Wisconsin im November per Referendum gefragt, ob sie nach 153 Jahren ohne Hinrichtung die Todesstrafe einführen wollen. In New Mexico ist es Medien zufolge der Druck der Bevölkerung, der eine Abschaffung undenkbar macht – der Gouverneur gilt übrigens als Präsidentschaftskandidat. "
Wie schnell doch die Zeit vergeht... nicht wahr: 2006 noch als "undenkbar" bezeichnet, 2009
schafft New Mexico die Todesstrafe ab.
Der USAerklärt-Artikel versteigt sich dann noch in irgendwelche in meinen Augen absurden Zahlenjonglagen zum Thema Rassismus und Todesstrafe, die imho selbst rassistisch sind. Boah ne, zuklicken... keinen Bock drauf.
Wieso ist es eigentlich so out, ein "Gutmensch" zu sein? Wieso muss man, um den Gutmenschengeruch abzuschütteln, ins andere Extrem kippen, und mit konservativen Law-and-Order-Positionen liebäugeln und Rassismuskritik lächerlich machen? Naja gut, lassen wir das. Ich finde das abstossend.
Wenn mich das zum Gutmenschen macht, bin ich sehr gerne einer.
Man kann natürlich drüber diskutieren, ob das demokratisch ist, wenn die Todesstrafe von oben abgeschafft wird, obwohl die Bevölkerung mehrheitlich dafür ist, sie beizubehalten. Ich habe gestern einen Artikel gelesen, über die Henker in Huntsville, Texas. Einer von denen sagte sinngemäss, "Wenn die Geschworenen meinen Job machen müssten, gäbe es viel weniger Todesurteile". Ich denke, als Umfrageteilnehmer geifert es sich leicht dahin, "Alle an die Wand" oder "Hinrichten, Kopf ab!" zu sagen. Man muss es ja nicht selbst machen.
Zudem: Die Verfassung der meisten demokratischen Staaten legt gewisse Grenzen fest, innerhalb derer die Bürger sich zu bewegen haben. Wenn eine Partei auf einmal auf die Idee käme, sie wollten die Sklavenhaltung wieder einführen, ginge das aufgrund der Verfassung ja auch nicht. Pech gehabt! Es gibt immer Grenzen dessen, was der Mehrheit gerade beliebt. Sklaverei, Rassentrennung, Todesstrafe, kann man theoretisch alles in einer Demokratie praktizieren, alles schon vorgekommen. Und, ist es deshalb gut und wünschenswert? Ein schulterzuckendes "Hey, das ist halt Demokratie! Was willst du denn?" finde ich deshalb noch lang nicht angebracht. Meiner Meinung nach ist es voll okay, zu sagen: Todesstrafe, Apartheid, Frauen- und Menschenhandel, und was es da noch alles gibt: sorry, das geht aufgrund der Verfassung nicht, Pech gehabt.
Aber wenn ihr mich fragt, ist die kritische Masse so langsam erreicht:
Umfrageergebnisse zur Todesstrafe in den USA.
Immer mehr Länder schaffen die Todesstrafe ab, immer mehr Menschen finden sie doof - irgendwann werden die letzten Henkerländer auch merken, dass nicht das Gutmenschentum "out" ist, sondern das Hinrichten.
Anmerkung: Ich habe fälschlicherweise den Artikel zur Todesstrafe in den USA dem "Lawblog" attributiert, ich weiss nicht mehr, wieso - aber das war falsch. Der Artikel steht auf dem Blog "USA erklärt" unter
http://usaerklaert.wordpress.com.