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Irre!

..ich habe mich heute auf dem S-Bahnhof Papestrasse in Berlin verirrt. Ich kam da an und wollte raus. Der Bahnsteig war so breit wie andere Strassen lang sind. Ich dachte unwillkürlich an Albert Speer und "Germania" - nicht wegen dem Stil, sondern der Protzigkeit wegen.
Hiess es nicht mal bei modernen Architekten "die Form folgt der Funktion"??
Nun hier hinkt die Funktion meilenweit hinter Gigantomanie, Protzigkeit, Grössenwahn und Darstellungssucht hinterher. Die Fussgängerin fühlt sich im Stich gelassen, wird, um rauszukommen aus diesem Monstrum ein Stockwerk runter und dann wieder eine Ebene rauf und dann wieder eine Ebene nach unten geschickt, die Bahn meint, daß wenn man unendliche Treppenfluchten erklimmen muss um ihren Bahnsteig zu betreten, könne man erst erfassen welch eine Ehre es ist, S-Bahn fahren zu dürfen, und man weiss nie wo man rauskommt.
Wir haben die Bauarbeiter ab und zu nach dem Weg gefragt. Ich konnte es mir nicht verkneifen einen der Arbeiter zu fragen: "Sagen Sie, haben Sie den Architekten von diesem Ding da mal persönlich kennengelernt?"
Er: "Gott sei dank nicht"
- Lachen auf beiden Seiten -

Die sind schuld:
jsk Architekten
DB
Berkana - 18. Jan, 19:39

Verbindungen

Hmm., die verbinden über Lufträume ( steht da wortwörtlich) das eine Ende mit dem anderen, da musst also entweder ein Vogel sein um da hinzukommen, oder ein Maulwurf deiner Beschreibung zufolge.

In Münche ist es teilweise ja schon sehr verwirrend, vor allen Dingen am Hauptbahnhof, aber die scheien dasnoch zu übertreffen. Also wer Termine hat scheint gutberaten zu sein mindest eine halbe Stunde früher loszufahren oder einen Zug später zu nehmen beim umsteigen.

Also Berlinbesuch nur mit einem Einheimsichen aber selbst der wird da Probleme haben.


lg

Berkana

MMarheinecke - 18. Jan, 20:28

und das ist nur der Zweitgrößte!

Ich war längere Zeit nicht mehr in Berlin, und kenne den größten neuen Bahnhof, den "Lehrter Bahnhof", nur als Rohbau. Vermutlich ist der Bahnhof größer als die namensgebende niedersächsische Kleinstadt. (Der Name wird deshalb bestimmt auch noch in was Repräsentatives geändert, z. B. in "Berlin Metropolis Central").
Wie sieht denn der jetzt aus? Weil da irgendwie das Geld knapp wurde, habe ich irgendwo gelesen, dass die Bahn vom Konzept des künstlerisch durchgestalteten Monumentalbaus abgerückt ist - hin zum unkünstlerischen Monumentalbau. Aber Hauptsache GROSS!

Was den Bahnhof Papestrasse angeht: An dieser Stelle plante auch Albert Speer einen "repräsentativen" Bahnhof. Ich habe so den Verdacht, dass das Architekturbüro JSK einfach die alten Pläne ausgegraben und lediglich die obligatorischen Mamorsäulen und Adler mit Hakenkreuzen in den Klauen wegretuschiert hat.

Londo - 19. Jan, 10:46

Das kann andernorts auch passieren

Ich habe mich vor Jahren mal bös im kombinierten S- und U-Bahnhof Marienstraße in Stuttgart verirrt. Ich wollte zur S-Bahn, kam via Rolltreppe bei der U-Bahn raus, bin wieder hoch, andere Rolltreppe runter, wieder bei der U-Bahn rausgekommen, und nach ein paar vergeblichen Anläufen habe ich die S-Bahn tatsächlich noch gefunden.
Der S-Bahnhof Marienstraße ist übrigens angeblich der größte in Stuttgart. Auf jeden Fall sind die Bahnsteige ewig lang, so als ob er als ICE-Halt geplant worden wäre.

mdw - 19. Jan, 15:53

Stell Dir vor ...

... der Generalinspekteur der Bundeswehr besichtigt die Sanierung eines Truppenübungsplatzes für Panzer. Dabei kommt ihm die Idee, er könnte doch einen (!) weiteren Panzer kaufen, damit die obersten Generäle oder gar der Herr Verteidigungsminister auch mal mit so einem Ding rumballern können. Kostenpunkt etwa 3 Millionen Euro.

Dazu muss eine weitere Schießbahn in die zu sanierende Anlage integriert werden (Kostenpunkt für die eine Bahn etwa 5 Mil Euro). Die Änderung des Sanierungskonzeptes, der Umbau der Anlage kosten zusätzlich zu den schon vorhandenen Sanierungsausgaben noch mal 20 Milionen.

Macht 28 Millionen sinnlose Ausgaben, die Betriebs- und zusätzlichen Personalkosten nicht mitgerechnet. Das alles für einen Beschluss, der in drei Minuten aus einer Laune heraus gefasst wurde und nicht mal prestigewirksam ist.

Gibs nicht? Stimmt, die Geschichte ist ausgedacht. Warum? Weil die wahre Story nicht bei der Bundeswehr sondern bei einem Konzern mit Sitz im steinernen Herzen Berlins spielt.

Und weil sie zu erzählen nicht nur die Grenzen Deiner und meiner Rechtsschutzversicherung sprengt, sondern ein paar weiteren Leuten die wirtschaftliche Existenzgrundlage kosten würde.

Journlist (gewesen) sein in Brandenburg-Berlin ist manchmal was grusliges. Vor allem, wenn mensch noch mehr so Geschichten über fragwürdige Kompetenzen, bewußte Fehlentscheidungen, seltsame Planungen, Fehlkalkulationen etc. auf Lager hat. Alle den gleichen Laden betreffend.

Soviel Kohle wie allein in diesen beiden Bundesländern rausgeworfen wird, kann der Verein im gleichen Teil Deutschlands gar nicht wieder einfahren.

@ MMarheinecke Hauptbahnhof heißt das Ding heutzutage schnöde. Mit dem Zusatz Lehrter Bahnhof in der S-Bahn. Das mit dem "zweitgrößten" Bahnhof schreibt die Bahn, sagt aber nicht, nach welchem Kriterien sie das misst. Ich denk mal, Lichtenberg z.B. kann kapazitätsmäßig gut mit der neuen Papestraße mithalten, nur braucht den Bahnhof heute niemand mehr, weswegen dahin die Konkurrenten der DB abgeschoben werden.

MMarheinecke - 19. Jan, 17:25

Ah, Hauptbahnhof!

Ist ja auch irgendwie logisch ... auch wenn es in Berlin schon mal einen "Hauptbahnhof" gab, der vorher und später "Ostbahnhof" hieß, und so rein optisch im Vergleich zu Berlin-Lichtenberg mickrig wirkt. Wieso "baucht" keiner Lichtenberg mehr, da führen doch die ganzen Linien nach Osten längs?
(Ah, ich verstehe! Als Fernbahnhof "braucht" die DB Lichtenberg "nicht mehr" so, wie sie den zweitgrößten Bahnhof Hamburgs, Altona, "nicht mehr braucht", oder den Bahnhof Hamburg-Bergedorf, wo jetzt auch die meisten Fernzüge einfach durchfahren.)

Mit "zweitgrößter Bahnhof" meint die DB garantiert das Bauvolumen!

Ich habe noch mal zu Speers "Germania"-Planung nachgeschlagen und nachgesurft: Der Bahnhof "Südkreuz" (ex. Papestraße) liegt genau da, wo Speers "Südbahnhof" liegen sollte, und war auch genau so in zwei Ebenen geplant. Es war auch so eine Halle vorgesehen, nur in etwas anderem Stil - sie ähnelte in der Gestaltung in etwa dem nahegelegenen Flughafen Tempelhof. (Also eigentlich keine "extreme" Nazi-Architektur, sondern das, was in den 1930ern auch anderswo modern war.)
distelfliege - 19. Jan, 18:47

Interessant,

..daß Speer dort tatsächlich auch einen Bahnhof geplant hat. Ich wusste das nicht, fühlte mich aber angesichts der Dimensionen daran erinnert. Lehrter Bhf, bzw. Hauptbahnhof (der frühere Name des Ortes der jetzt Ostbahnhof heisst) - komm ich so gut wie nie vorbei. Habe den Neubau noch nie näher gesehen.

Wenn hinter der ganzen Umbenennerei in Berlin nicht die Verschwörung der Strassenschilder- und Stadtplanherstellerfirmen steckt! Ich lebe jetzt fast 11 Jahre hier und selbst in meiner engsten Nachbarschaft bin ich oft nicht up to date was jetzt genau wie heisst, seit wann und wie lange noch.

Was allerdings in Berlin ganz reizvoll ist ist die "Ladennamen-Archäologie" - Also viele Läden benennen sich ja nach dem Strassennamen. Z.b. heisst eine Kneipe in der Müllerstrasse oft "Müller Eck". In Berlin isses nun so daß oft die Geschäfte dann in der neu benannten Strasse mit ihrem alten Namen da sitzen unter dem sie bekannt sind - z.b. "Copy Clara" in der ehemaligen Clara-Zetkin-Strasse welche nun Dorotheenstrasse heisst weil der Bundestag keine Kommi-Adresse haben wollte.
Warum sind die Berliner geistig rege? Sie müssen ständig neue Ortsnamen lernen.. das hält fit *lol*

Zia - 19. Jan, 20:36

Was zur Hel...

...haben die gegen Clara Zetkin???
*sich nur immer wieder wundern kann, womit sich deutsche Politiker und Beamte den ganzen Tag zu beschäftigen scheinen*
- Straßenumbenennen - seeeeeehr wichtige Tätigkeit, - nein wirklich, - das bringt uns echt weiter.
Du meine Güte!
Zia
mdw - 20. Jan, 07:33

Als Diepgen zum 2.Mal Regi wurde, wollte er das Rote Rathaus umbenennen, bis ihm jemand mitteilte, dass es seinen Namen lediglich von der Farbe herleitet, schon vor 1949 so hieß und die Art von Namensgebung DDR-untypisch gewesen ist.
Dafür reißen sie den Palazzo Prozzo jetzt endgültig ab. Die Idee gehörte zunächst auch in Diegens Repertoire.

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