Vergeben, vergessen... denk doch mal positiv!
Ich bekam heute auf Facebook ein Bild in meine Timeline hereingeströmt, das eigentlich ein Text war. Jemand hatte die Laune, ein bischen Allgemeinplätze schwafeln zu wollen und nun wird das Bild herumgeteilt.
Zitat aus dem Text:
"Gewidmet an Alle, die ein hartes Jahr hinter sich haben... Bewahre, was du hast... Vergiß, was dir wehtat... Kämpfe, für das was du willst... Schätze, was du hast... Vergib denen, die dir weh taten und genieße die, die dich lieben..." (Grammatik- und Interpunktionsfehler waren so).
Der kurze Text geht dann sinngemäss weiter, dass das Leben doch zu kurz sei um sich mit den schmerzvollen Momenten abzugeben, man solle doch für das Gute dankbar sein, sich von dem weniger guten lösen und einen Neubeginn machen.
Was der Autor dieser Zeilen leider vergisst: Leiden verschwindet nicht, wenn man aufgefordert wird, es zu vergessen.
Und es kommt für mich einer Selbstentwertung gleich, wenn ich denen, die mir "wehtaten" aus dem blauen Dunst heraus vergeben soll. Wer neulich meinen Text über Mobbing gelesen hat, kann sich vielleicht zusammenreimen, wie toll es ist, wenn Menschen, die "ein hartes Jahr hinter sich haben", vielleicht schikaniert worden sind, vielleicht gemobbt worden sind, und denen in diesem Zuge ihnen ihr Schmerz abgesprochen worden ist und die Verletzungen unsichtbar gemacht worden sind, sich dann anhören müssen, sie sollten es vergessen. Und den Täter_innen (ich benutze jetzt mal das Wort) sollten sie vergeben.
Vergeben und Vergessen kann nur dann geschehen (ohne das man sich selbst damit der Unsichtbarmachung der Geschehnisse unterwirft und damit sich selbst Gewalt antut), wenn vorher Anerkennung und Erinnerung stattgefunden hat. Ich glaube, viele Menschen könnten vergeben und wollen es auch. Ich bin sehr versöhnlich und verzeihe gerne. Was ich nicht tue, ist vergeben und vergessen, wenn der Vorfall, den ich vergeben und vergessen "soll", nicht anerkannt, totgeschwiegen, klein gemacht wurde oder meine Gefühle abgewiegelt wurden.
In diesem Fall ist das Vergeben und Vergessen eine Unterwerfung, ein klein beigeben.
Unrecht und Verletzungen, die unter den Teppich gekehrt wurden und wo die Betreffenden dann später angewanzt kommen, und so tun, als wäre alles in bester Ordnung und nie wäre je ein Wässerchen getrübt worden, stellen an mich eine große Herausforderung: Soll ich mit schweigen, gut Wetter machen, das Spiel mitspielen, als sei nichts passiert? Oder soll ich, nachdem ich ja sehe, die Personen möchten sich wieder in ein freundliches Verhältnis zu mir setzen, die Anerkennung und Erinnerung einfordern, deren Verweigerung mir unterm Strich mehr graue Haare gemacht hat als der Vorfall selbst?
Meistens ergibt es sich so, dass ich das Einfordern sein lasse. In den allermeisten Fällen hat sich das Verhältnis zu den Personen, die mich nicht nur verletzten, sondern die es hinterher auch nicht für nötig hielten, in eine Klärung und Versöhnung Zeit zu investieren, gewandelt. Meistens sind diese Menschen nicht mehr Teil meines Lebens, und es ist schlicht nicht wichtig genug, die Arbeit verspätet noch reinzustecken. Ich bin es in dem Fall nicht, die das Prädikat "zu unwichtig" verleiht, das "zu unwichtig" Siegel wurde dem Konflikt in dem Moment aufgedrückt, als es der anderen Person nicht wichtig genug war, über ihren Schatten zu springen und zu sagen: Sorry, war Kacke.
Als ein Mensch, der im Leben öfter mal erfahren hat, wie es ist, wenn einem die eigene Wahrnehmung, der eigene Schmerz abgesprochen wird, und die eigene Stimme zum verstummen gebracht wird, regelmässig abgewiegelt wird, während einem die eigenen Verfehlungen mit der Goldwaage und erbarmungsloser Unverzeihlichkeit aufs Brot geschmiert werden, bin ich auf diese Schlußstrich-Mentalität sehr, sehr schlecht zu sprechen.
Und nach dem einleitenden Satz "Gewidmet an alle, die ein hartes Jahr hinter sich haben" eine solche Abwiegelei und Aufforderung zum Vergeben und Vergessen zu lesen, da geht mir das Messer im Sack auf, echt.
Erinnerung an den eigenen Schmerz kann dann, wenn Andere diesen unsichtbar machen und herunterspielen, sehr empowernd sein. Anerkennung dessen, was geschehen ist, kann in einer Situation, wo es denen, die Scheiss gebaut haben, auf ein Totschweigen ankommt, sehr kraftvoll und stärkend sein.
Obwohl ich es nie gemacht habe - aber an dieser Stelle fällt mir ein Text ein, auch von Steinmädchen, zum Thema Selbstverletzung, in dem sie schreibt, dass es an selbstverletzenden Verhalten auch etwas gibt, was einem Menschen nützt, was nicht immer nur krank sein muss, sondern sogar eine Stärke sein kann. Das ist genau der Punkt "Empowerment durch Beschäftigung mit dem eigenen Schmerz".
Oft argumentieren Leute damit, dass Vergeben und Vergessen gar nicht den anderen nützen soll, sondern einem selbst. Man soll es um seiner selbst willen tun. Es würde einem selbst gut tun, wenn man vergibt, das würde eine dann erst befreien von dem Ballast, und dann könne man erst einen neuen Anfang machen.
Ich weiss nicht, woher das kommt, aber nach meinen Erfahrungen stimmt das schlicht nicht. Es tut mir nicht gut, zu vergeben und zu vergessen. Denn es ist nicht nur das klein beigeben, das ich oben schrieb. Es ist auch ein sich selbst nicht ernst nehmen, ein sich selbst abwerten, es bedeutet, schlecht für sich selbst sorgen.
Sagst du deiner besten Freundin, die ein hartes Jahr hinter sich hatte: "Vergiss doch endlich mal das, was schlecht war. Du musst den Leuten vergeben, die dir weh taten, sei doch mal positiv und machs im nächsten Jahr besser." Nein? Weil es arrogant und bevormundend ist, weil es ihr vorschreibt, wie sie sich zu fühlen hat, weil du lieber, wenn sie dir von dem, was schlecht war, erzählt, es anerkennst, Verständnis hast, und sie trösten willst? Schön, finde ich genau richtig. Geteiltes Leid ist halbes Leid, heisst es so schön - und das finde ich sehr wahr.
Aber wieso mit sich selbst nicht genauso liebevoll umgehen?
Eine andere Sache ist dieses notorische "positiv denken sollen". Sieh doch mal das Schöne! Sei doch mal positiv!
Als ob eine solche Aufforderung je etwas anderes bewirkt hätte als das genaue Gegenteil. Meiner Erfahrung nach kann man 2jährige Kinder noch ganz gut von einem Schmerz ablenken, indem man vor ihnen mit einem bunten Spielzeug herumwedelt. Aber irgendwann hat sich das damit. Dann klappt das nicht mehr. Ich erlebe es so, dass gerade das sich selber anerkennen und das Schmerzvolle ernst nehmen dazu befähigt, auch das Schöne sehen und wertschätzen zu können. Weil das "Schöne sehen" dann nicht ein überzuckern dessen ist, was vorher unter den Teppich gekehrt worden ist.
Deshalb: Anerkennung und Erinnerung statt Vergeben und Vergessen.
Kleine Relativierung am Schluss: Ich bin nicht radikal für ein stetes Erinnern und Anerkennen. Ich finde, das "unter den Teppich kehren und vergessen können" hat manchmal Vorteile, und es gibt Situationen, wo es super ist, diese Fähigkeit zu haben. In der Situation zum Beispiel, wo man eindeutig keine Chance auf Anerkennung/Gerechtigkeit/Versöhnung bekommen wird, mit den betreffenden Personen aber weiterhin, jedenfalls eine Zeit lang, regelmässig umgehen muss. Dann kann man das schon mal unter den Teppich kehren und sich eine gewisse gute Laune bewahren. Ich muss mich zum Glück auch nicht andauernd in meinem Schmerz wälzen. Ich kann durchaus auch mal an was Schönes denken, den ganzen Mist ignorieren, die Schlechtigkeit der Welt ausblenden - und das ist auch gut so! (Besonders die Schlechtigkeit der Welt, die gehört, finde ich, regelmässig ignoriert, ausgeblendet, unter den Teppich gekehrt und dann zu guter Musik obendrauf rumgetanzt).
Manchmal, selten, habe ich das auch schon erlebt, dass eine Freundin mich verletzt, es gab nie eine Aussprache und trotzdem wächst irgendwann Gras drüber und man verträgt sich wieder gut. Ich mag Pauschalaussagen nicht und ich mag es nicht, wenn man laienpsychologisch was in die Gegend posaunt und so tut, als sei das in jedem Fall so. Manchmal ist die Zeit und die eigene Erfahrung auch zu begrenzt, um das bis ins Detail differenzieren zu können.
Deshalb ist dieses Posting mit der entsprechenden Relativierung und einem Körnchen Salz zu geniessen.
Zitat aus dem Text:
"Gewidmet an Alle, die ein hartes Jahr hinter sich haben... Bewahre, was du hast... Vergiß, was dir wehtat... Kämpfe, für das was du willst... Schätze, was du hast... Vergib denen, die dir weh taten und genieße die, die dich lieben..." (Grammatik- und Interpunktionsfehler waren so).
Der kurze Text geht dann sinngemäss weiter, dass das Leben doch zu kurz sei um sich mit den schmerzvollen Momenten abzugeben, man solle doch für das Gute dankbar sein, sich von dem weniger guten lösen und einen Neubeginn machen.
Was der Autor dieser Zeilen leider vergisst: Leiden verschwindet nicht, wenn man aufgefordert wird, es zu vergessen.
Und es kommt für mich einer Selbstentwertung gleich, wenn ich denen, die mir "wehtaten" aus dem blauen Dunst heraus vergeben soll. Wer neulich meinen Text über Mobbing gelesen hat, kann sich vielleicht zusammenreimen, wie toll es ist, wenn Menschen, die "ein hartes Jahr hinter sich haben", vielleicht schikaniert worden sind, vielleicht gemobbt worden sind, und denen in diesem Zuge ihnen ihr Schmerz abgesprochen worden ist und die Verletzungen unsichtbar gemacht worden sind, sich dann anhören müssen, sie sollten es vergessen. Und den Täter_innen (ich benutze jetzt mal das Wort) sollten sie vergeben.
Vergeben und Vergessen kann nur dann geschehen (ohne das man sich selbst damit der Unsichtbarmachung der Geschehnisse unterwirft und damit sich selbst Gewalt antut), wenn vorher Anerkennung und Erinnerung stattgefunden hat. Ich glaube, viele Menschen könnten vergeben und wollen es auch. Ich bin sehr versöhnlich und verzeihe gerne. Was ich nicht tue, ist vergeben und vergessen, wenn der Vorfall, den ich vergeben und vergessen "soll", nicht anerkannt, totgeschwiegen, klein gemacht wurde oder meine Gefühle abgewiegelt wurden.
In diesem Fall ist das Vergeben und Vergessen eine Unterwerfung, ein klein beigeben.
Unrecht und Verletzungen, die unter den Teppich gekehrt wurden und wo die Betreffenden dann später angewanzt kommen, und so tun, als wäre alles in bester Ordnung und nie wäre je ein Wässerchen getrübt worden, stellen an mich eine große Herausforderung: Soll ich mit schweigen, gut Wetter machen, das Spiel mitspielen, als sei nichts passiert? Oder soll ich, nachdem ich ja sehe, die Personen möchten sich wieder in ein freundliches Verhältnis zu mir setzen, die Anerkennung und Erinnerung einfordern, deren Verweigerung mir unterm Strich mehr graue Haare gemacht hat als der Vorfall selbst?
Meistens ergibt es sich so, dass ich das Einfordern sein lasse. In den allermeisten Fällen hat sich das Verhältnis zu den Personen, die mich nicht nur verletzten, sondern die es hinterher auch nicht für nötig hielten, in eine Klärung und Versöhnung Zeit zu investieren, gewandelt. Meistens sind diese Menschen nicht mehr Teil meines Lebens, und es ist schlicht nicht wichtig genug, die Arbeit verspätet noch reinzustecken. Ich bin es in dem Fall nicht, die das Prädikat "zu unwichtig" verleiht, das "zu unwichtig" Siegel wurde dem Konflikt in dem Moment aufgedrückt, als es der anderen Person nicht wichtig genug war, über ihren Schatten zu springen und zu sagen: Sorry, war Kacke.
Als ein Mensch, der im Leben öfter mal erfahren hat, wie es ist, wenn einem die eigene Wahrnehmung, der eigene Schmerz abgesprochen wird, und die eigene Stimme zum verstummen gebracht wird, regelmässig abgewiegelt wird, während einem die eigenen Verfehlungen mit der Goldwaage und erbarmungsloser Unverzeihlichkeit aufs Brot geschmiert werden, bin ich auf diese Schlußstrich-Mentalität sehr, sehr schlecht zu sprechen.
Und nach dem einleitenden Satz "Gewidmet an alle, die ein hartes Jahr hinter sich haben" eine solche Abwiegelei und Aufforderung zum Vergeben und Vergessen zu lesen, da geht mir das Messer im Sack auf, echt.
Erinnerung an den eigenen Schmerz kann dann, wenn Andere diesen unsichtbar machen und herunterspielen, sehr empowernd sein. Anerkennung dessen, was geschehen ist, kann in einer Situation, wo es denen, die Scheiss gebaut haben, auf ein Totschweigen ankommt, sehr kraftvoll und stärkend sein.
Obwohl ich es nie gemacht habe - aber an dieser Stelle fällt mir ein Text ein, auch von Steinmädchen, zum Thema Selbstverletzung, in dem sie schreibt, dass es an selbstverletzenden Verhalten auch etwas gibt, was einem Menschen nützt, was nicht immer nur krank sein muss, sondern sogar eine Stärke sein kann. Das ist genau der Punkt "Empowerment durch Beschäftigung mit dem eigenen Schmerz".
Oft argumentieren Leute damit, dass Vergeben und Vergessen gar nicht den anderen nützen soll, sondern einem selbst. Man soll es um seiner selbst willen tun. Es würde einem selbst gut tun, wenn man vergibt, das würde eine dann erst befreien von dem Ballast, und dann könne man erst einen neuen Anfang machen.
Ich weiss nicht, woher das kommt, aber nach meinen Erfahrungen stimmt das schlicht nicht. Es tut mir nicht gut, zu vergeben und zu vergessen. Denn es ist nicht nur das klein beigeben, das ich oben schrieb. Es ist auch ein sich selbst nicht ernst nehmen, ein sich selbst abwerten, es bedeutet, schlecht für sich selbst sorgen.
Sagst du deiner besten Freundin, die ein hartes Jahr hinter sich hatte: "Vergiss doch endlich mal das, was schlecht war. Du musst den Leuten vergeben, die dir weh taten, sei doch mal positiv und machs im nächsten Jahr besser." Nein? Weil es arrogant und bevormundend ist, weil es ihr vorschreibt, wie sie sich zu fühlen hat, weil du lieber, wenn sie dir von dem, was schlecht war, erzählt, es anerkennst, Verständnis hast, und sie trösten willst? Schön, finde ich genau richtig. Geteiltes Leid ist halbes Leid, heisst es so schön - und das finde ich sehr wahr.
Aber wieso mit sich selbst nicht genauso liebevoll umgehen?
Eine andere Sache ist dieses notorische "positiv denken sollen". Sieh doch mal das Schöne! Sei doch mal positiv!
Als ob eine solche Aufforderung je etwas anderes bewirkt hätte als das genaue Gegenteil. Meiner Erfahrung nach kann man 2jährige Kinder noch ganz gut von einem Schmerz ablenken, indem man vor ihnen mit einem bunten Spielzeug herumwedelt. Aber irgendwann hat sich das damit. Dann klappt das nicht mehr. Ich erlebe es so, dass gerade das sich selber anerkennen und das Schmerzvolle ernst nehmen dazu befähigt, auch das Schöne sehen und wertschätzen zu können. Weil das "Schöne sehen" dann nicht ein überzuckern dessen ist, was vorher unter den Teppich gekehrt worden ist.
Deshalb: Anerkennung und Erinnerung statt Vergeben und Vergessen.
Kleine Relativierung am Schluss: Ich bin nicht radikal für ein stetes Erinnern und Anerkennen. Ich finde, das "unter den Teppich kehren und vergessen können" hat manchmal Vorteile, und es gibt Situationen, wo es super ist, diese Fähigkeit zu haben. In der Situation zum Beispiel, wo man eindeutig keine Chance auf Anerkennung/Gerechtigkeit/Versöhnung bekommen wird, mit den betreffenden Personen aber weiterhin, jedenfalls eine Zeit lang, regelmässig umgehen muss. Dann kann man das schon mal unter den Teppich kehren und sich eine gewisse gute Laune bewahren. Ich muss mich zum Glück auch nicht andauernd in meinem Schmerz wälzen. Ich kann durchaus auch mal an was Schönes denken, den ganzen Mist ignorieren, die Schlechtigkeit der Welt ausblenden - und das ist auch gut so! (Besonders die Schlechtigkeit der Welt, die gehört, finde ich, regelmässig ignoriert, ausgeblendet, unter den Teppich gekehrt und dann zu guter Musik obendrauf rumgetanzt).
Manchmal, selten, habe ich das auch schon erlebt, dass eine Freundin mich verletzt, es gab nie eine Aussprache und trotzdem wächst irgendwann Gras drüber und man verträgt sich wieder gut. Ich mag Pauschalaussagen nicht und ich mag es nicht, wenn man laienpsychologisch was in die Gegend posaunt und so tut, als sei das in jedem Fall so. Manchmal ist die Zeit und die eigene Erfahrung auch zu begrenzt, um das bis ins Detail differenzieren zu können.
Deshalb ist dieses Posting mit der entsprechenden Relativierung und einem Körnchen Salz zu geniessen.
distelfliege - 18. Dez, 18:26


Erinnern, will ich mich gar nicht, ich würde vieles darum geben vergessen zu können, weil erinnern weh tut, hilflos macht, auch wenn es "nur" Erinnerungen sind, doch sie fühlen sich real an. Vergessen wäre da so toll, wie mit einem Radiergummi Bleistiftstriche wegzuradieren.
Klar weiß ich dass das nicht geht und ich will es auch nicht wirklich, denn ich könnte ja den Teil nicht neu überschreiben und hätte dann dort einen blinden Fleck wo ich mich wieder nach Erinnerung sehnen würde, doch das was abgeschlossen ist, das möchte ich verschließen, jedenfalls die Emotionen dazu, und ich gehe davon aus, dass das gemeint ist .. zumindest verstehe ich es so.
Vergeben: Es gibt in meinem Leben Vieles was passiert ist, doch ich habe den Tätern schon längst vergeben, soll ich meine, ohnehin derzeit schwache Energie auch noch denen schicken? Wem ich nicht vergeben will, dass ist auch was ganz anderes ... sind die die wegguckten, egal jetzt in welcher Situation.
Anerkennung: Absolutes Ja von mir, Anerkennung für das was geschafft wurde, fürs überleben, für jeden noch so kleinen Erfolg, Anerkennung dafür der Mensch geworden zu sein, der wir heute sind.
Erinnerung: auch ein Ja, entgegen zu dem von eben ... Erinnerung an schöne Stunden, Momente,
Da ich dich ein wenig zu kennen denke, kann ich dein Posting gut verstehen, wie in vielen anderen Bereichen auch sind wir halt verschieden.
Liebe Grüße
Esme
Was ich schreibe, das bezieht sich auf so allgemeinübliche "normale" Erinnerungen, und ich glaube, mit Erinnerungen, die eine gewisse Härte übersteigen, namentlich diese, die sich real anfühlen und einen zurückkatapultieren, mit denen ist das wieder eine ganz andere Geschichte.
Zum "den Tätern Energie schicken", das bleibt natürlich nicht aus, aber ich habe festgestellt, auch ohne diesen esoterischen Vergebenszwang ebbt das ab. Also, je mehr Gras darüber wächst, die Zeit erledigt es von allein, (hier gehts wiederum nur um die allgemeinen, nicht traumatischen, Erinnerungen) und ich denke sowieso immer seltener an die Menschen, die mir weh taten. Unabhängig davon, ob ich vergebe oder nicht.
Was natürlich traurig ist, und was ich vielleicht nie verstehen werde, ist, wie man den Tätern vergeben kann, aber denen, die zugesehen haben, nicht. Falls du dazu Gedanken hast, oder das mal rausfindest... vielleicht hängt das damit zusammen, dass man das erstere wirklich mal tun muss, sonst tut's zu sehr weh, und das letztere, also den "Zuschauenden" zu vergeben, ist vielleicht vergleichbar mit dem, was ich schrieb... diese Abneigung, den Mobber*innen zu vergeben.. ?
liebe Grüsse an dich! Danke für deine Offenheit und Mut.
*knuddeling*