Die urbane Spinnstube, Episode 61: LOHAS, LOVOS und normative Kategorien
Ich habe heute Besuch und podcaste zusammen mit Alienne von Miss Rottenmeiers queerfeministischen Stricktreff! Wir reden über Fairisle Socken, Langsamkeit beim Stricken aus Gesundheitsgründen, die neue Kardiermaschine, LOHAS und LOVOS (Ökos und das "einfache Leben") und Heteronormativität bei RAvelry.

Hier geht es zum Download:

http://www.spiritvoices.de/pod/ep61.m4a

Wenn ihr die Datei als mp3 benötigt für euer Abspielgerät, könnt ihr die Adresse oben kopieren und hier im Online-Konverter eingeben. Dieser konvertiert sie direkt von meinem Webspace und bietet euch danach die Datei als mp3 zum Herunterladen an.
Zum Abonnieren habe ich diesen Feed:
http://feeds.feedburner.com/distel
Und direkt in iTunes zum abonnieren öffnen lässt sich der Feed mit diesem Link:
itpc://feeds.feedburner.com/distel
Housekeeping
Danke euch für die Kommentare zur letzten Folge! Und heute möchte ich mich bedanken bei ryuu, Sushan Sonne Mond, Jademondin und Gudrun (hast du ein Blog?) fürs flattren!
In der Podcastingwelt gibt es neue Folgen von Tini, Strickspleen und tadaaaa: Madison Layn!
Ich würde total gerne wieder was von FibrePiratess hören, aber ich glaube sie hat gerade viel zu tun.
Stricken
Alienne strickt Fair-Isle Socken mit dem Fornicating Deer Chart von Anne Rutten. Wir haben es hier mit einem paranormalen Maschenphänomen zu tun: 72 Maschen empfiehlt Stephanie van der Linden für Fairisle Socken für Gr. 39, Aliennes erste Fairisle Stulpen waren mit 72 Maschen viel zu klein, um Socken zu werden, und jetzt musste sie von 80 auf 68 Maschen runtergehen, damit die Socken nicht viel zu gross werden. Zwar ist die Wolle etwas dicker, aber so ganz klar ist das nicht, wieso die Maschenprobe so anders ist. Wir glauben: Alienne strickt viel lockerer als früher.
Ich glaube, Ben vom Knit Knit Cafe hat mal erzählt, dass er bei einem spannenden Psychothriller immer ein anderes, festeres Maschenbild bekommt. Weiß aber nicht mehr genau, wer das war.
Mein Thema ist "die neue Langsamkeit beim Stricken". Nach meiner Krankheitskrise an meinen Armen habe ich mein Leben etwas ausgewogener und mit weniger Stricken gestaltet, und es geht jetzt langsamer, aber dafür gehts und ist nachhaltig. Bei der Geschwindigkeit kriege ich zwar meinen Stash nicht verstrickt, aber das macht nix. Ich mag meinen Stash. Neulich habe ich ihn wieder rausgekramt:

Mein Garnstash wird eher grösser als kleiner, weil ich auch spinne, und nicht so schnell stricke, wie ich Garn dazuspinne. Dafür wird der Spinnfaserstash (nicht im Bild) nach und nach kleiner.
Spinnen
Meine Kardiermaschine ist dahaaaaa! Ich habe sie von Marianne aus Holland, die ganz klasse ist. Wir kardieren live und ihr könnt die Maschine hören. Sandy Ruwolt von Lana Passion mischt ihre tollen Batts auch auf einer Maschine mit einer groben Benadelung (halt Standard, nicht fein). Ich weiß über Benadelungen nichts, aber ich bin von der Maschine total begeistert. Wir reden von der tollen CforG R, die so super Videotutorials über das Kardieren gemacht hat. Alienne und ich haben ihre Tutorials schon vorher gekannt und fanden sie schon immer sehr schön.
urbane Selbstversorgung
Wir reden über ökologischen und nachhaltigen Konsum und die "Konsumentengruppe" LOHAS (Lifestyle of health and sustainability) und LOVOS (Lifestyle of voluntary simplicity).
Wikipedia: LOHAS
Wikipedia: LOVOS
Slow-Food-Bewegung
Mein Problem mit LOHAS ist: wenn das Mittel der Wahl, um mitzureden und politisch mitzuwirken ist, den Geldbeutel zu zücken, dann können Leute mit wenig Geld halt nicht mitreden und mitwirken.
Ich bin auch für Gesundheitsbewusstsein, aber ich schaffe es schlicht weder zeitlich noch finanziell, "auf meine Gesundheit zu achten" so im "bewussten" Sinne.. Alienne meint das kippt in ein Selbstoptimieren, Gesundheitsbewusstsein als sich selbst unter Druck setzen, statt Lebensqualität. Ich muss ja tatsächlich Yoga und Rückensport machen, um meinen Beruf machen zu können, weil ich so Schäden durch einseitige Belastungen auf der Arbeit vermeiden kann. (Oder abmildern).
Sich Sport und gute Ernährung im Low-Budget-Bereich selbst zu organisieren, finde ich auch zeitaufwändig und das klappt nicht alles so reibungslos, wenn auch ein Musikinstrument gelernt werden will und man auch den Stash irgendwann verstrickt haben möchte ;)
Man muss auch aufpassen, nicht arrogant zu sein oder mit dem Zeigefinger zu wedeln, dass andere Leute gefälligst nun auch "bewusster" leben sollten. Eine Facebookfreundin von mir meinte auch, dass es heutzutage eben für alles Produkte gibt, die nötig sind, um sich selbst auszudrücken, egal für welchen Ausdruck man sich entscheidet.
Zum LOVOS hatte ich mal in einer Ravelry Gruppe eine Streitdiskussion, die sich darum drehte, ob es nicht ganz schön privilegiert ist, wenn man sich zu einem einfachen, bescheidenen Leben entscheidet und auf seinen Job in der "Leistungsgesellschaft" verzichtet usw., während z.B. manche Menschen gar nicht freiwillig entscheiden können einfach zu leben, weil sie gar keine andere Wahl haben als einfach zu leben. Die Diskussion ging um das Buch "Radical Homemakers", fällt mir jetzt nachträglich ein. Was ist denn dann mit der Forderung des guten Lebens/Luxus für Alle? Alienne sagt, wenn man dann sagt "Ich lebe ja auch einfach, nun hört doch mal mit euren Forderungen auf" wendet sich dieses Konzept des einfachen Lebens auch gegen andere Leute.
Fazit ist: LOHAS und LOVOS sind eigentlich scheisse, aber es ist trotzdem gut, so zu leben. Ich würde sagen, es ist schon lohnend und toll ökologisch, nachhaltig und einfach zu leben, aber es ist halt nicht immer gut (je nach Kontext) das zu propagieren. Ich würde sagen, wenn man schon das Privileg hat, sich diese Lebensstile wählen zu können, finde ich es besser, man wählt diese, als dass man andere wählt - aber es is und bleibt halt ein Privileg.
Politschwafel
Ravelry hat uns vorgeführt, wie Heteronormativität funktioniert. Alienne hat das im Blog schon mal mit tollen Screenshots zusammengefasst und besprochen. Alienne meint, die Ravelrys sind jetzt nicht die bösen und wir sollen auch keinen Shitstorm machen, sondern es ist vielmehr interessant, wie sich beim Erstellen neuer Features und Katalogisierungen einfach das abbildet, was "normal" ist und wie "man" halt denkt, dass sich die Menschen nach ihren Interessen gut zurechtfinden würden. Die Tatsache dass diese Kategorie fehlt, wird noch verstärkt dass durch die Art wie die Kategorien strukturiert sind, es auch nirgendwo rein passt. Und man sieht daran wie Kategorien Bedeutung und Ausschlüsse produzieren. Alienne redet so toll in diesem Segment über queer und Ausschluss und ich blöke immer polemisch dazwischen ;)
Wir finden heraus, dass Sock Knitters Anonymous mehr als 16000 Mitglieder hat. Wow.
Dann reden wir noch über amerikanische Heiratsrituale und über das Stricken als verknüpft mit Familienleben, Reproduktion und Babysachen. Anlass dafür ist, dass es total viele Kinder, Heiraten, Schwangerschaft + Fruchtbarkeitskategorien in der "Family" Rubrik gibt.
Teechen:
Es gibt einen Roibusch mit Aroma, "kleine Träumerei". Einmal habe ich den Tee von Madi geschenkt bekommen, verbraucht und ihn mir jetzt nach langer Zeit endlich nachgekauft. Aber irgendwie hatte ich den anders in Erinnerung, er ist sehr lieblich und süsslich, und ich dachte, es wäre ein Kräutertee und kein Roibusch gewesen, aber das macht nix, trinkbar ist er.

Hier geht es zum Download:

http://www.spiritvoices.de/pod/ep61.m4a

Wenn ihr die Datei als mp3 benötigt für euer Abspielgerät, könnt ihr die Adresse oben kopieren und hier im Online-Konverter eingeben. Dieser konvertiert sie direkt von meinem Webspace und bietet euch danach die Datei als mp3 zum Herunterladen an.
Zum Abonnieren habe ich diesen Feed:
http://feeds.feedburner.com/distel
Und direkt in iTunes zum abonnieren öffnen lässt sich der Feed mit diesem Link:
itpc://feeds.feedburner.com/distel
Housekeeping
Danke euch für die Kommentare zur letzten Folge! Und heute möchte ich mich bedanken bei ryuu, Sushan Sonne Mond, Jademondin und Gudrun (hast du ein Blog?) fürs flattren!
In der Podcastingwelt gibt es neue Folgen von Tini, Strickspleen und tadaaaa: Madison Layn!
Ich würde total gerne wieder was von FibrePiratess hören, aber ich glaube sie hat gerade viel zu tun.
Stricken
Alienne strickt Fair-Isle Socken mit dem Fornicating Deer Chart von Anne Rutten. Wir haben es hier mit einem paranormalen Maschenphänomen zu tun: 72 Maschen empfiehlt Stephanie van der Linden für Fairisle Socken für Gr. 39, Aliennes erste Fairisle Stulpen waren mit 72 Maschen viel zu klein, um Socken zu werden, und jetzt musste sie von 80 auf 68 Maschen runtergehen, damit die Socken nicht viel zu gross werden. Zwar ist die Wolle etwas dicker, aber so ganz klar ist das nicht, wieso die Maschenprobe so anders ist. Wir glauben: Alienne strickt viel lockerer als früher.
Ich glaube, Ben vom Knit Knit Cafe hat mal erzählt, dass er bei einem spannenden Psychothriller immer ein anderes, festeres Maschenbild bekommt. Weiß aber nicht mehr genau, wer das war.
Mein Thema ist "die neue Langsamkeit beim Stricken". Nach meiner Krankheitskrise an meinen Armen habe ich mein Leben etwas ausgewogener und mit weniger Stricken gestaltet, und es geht jetzt langsamer, aber dafür gehts und ist nachhaltig. Bei der Geschwindigkeit kriege ich zwar meinen Stash nicht verstrickt, aber das macht nix. Ich mag meinen Stash. Neulich habe ich ihn wieder rausgekramt:

Mein Garnstash wird eher grösser als kleiner, weil ich auch spinne, und nicht so schnell stricke, wie ich Garn dazuspinne. Dafür wird der Spinnfaserstash (nicht im Bild) nach und nach kleiner.
Spinnen
Meine Kardiermaschine ist dahaaaaa! Ich habe sie von Marianne aus Holland, die ganz klasse ist. Wir kardieren live und ihr könnt die Maschine hören. Sandy Ruwolt von Lana Passion mischt ihre tollen Batts auch auf einer Maschine mit einer groben Benadelung (halt Standard, nicht fein). Ich weiß über Benadelungen nichts, aber ich bin von der Maschine total begeistert. Wir reden von der tollen CforG R, die so super Videotutorials über das Kardieren gemacht hat. Alienne und ich haben ihre Tutorials schon vorher gekannt und fanden sie schon immer sehr schön.
urbane Selbstversorgung
Wir reden über ökologischen und nachhaltigen Konsum und die "Konsumentengruppe" LOHAS (Lifestyle of health and sustainability) und LOVOS (Lifestyle of voluntary simplicity).
Wikipedia: LOHAS
Wikipedia: LOVOS
Slow-Food-Bewegung
Mein Problem mit LOHAS ist: wenn das Mittel der Wahl, um mitzureden und politisch mitzuwirken ist, den Geldbeutel zu zücken, dann können Leute mit wenig Geld halt nicht mitreden und mitwirken.
Ich bin auch für Gesundheitsbewusstsein, aber ich schaffe es schlicht weder zeitlich noch finanziell, "auf meine Gesundheit zu achten" so im "bewussten" Sinne.. Alienne meint das kippt in ein Selbstoptimieren, Gesundheitsbewusstsein als sich selbst unter Druck setzen, statt Lebensqualität. Ich muss ja tatsächlich Yoga und Rückensport machen, um meinen Beruf machen zu können, weil ich so Schäden durch einseitige Belastungen auf der Arbeit vermeiden kann. (Oder abmildern).
Sich Sport und gute Ernährung im Low-Budget-Bereich selbst zu organisieren, finde ich auch zeitaufwändig und das klappt nicht alles so reibungslos, wenn auch ein Musikinstrument gelernt werden will und man auch den Stash irgendwann verstrickt haben möchte ;)
Man muss auch aufpassen, nicht arrogant zu sein oder mit dem Zeigefinger zu wedeln, dass andere Leute gefälligst nun auch "bewusster" leben sollten. Eine Facebookfreundin von mir meinte auch, dass es heutzutage eben für alles Produkte gibt, die nötig sind, um sich selbst auszudrücken, egal für welchen Ausdruck man sich entscheidet.
Zum LOVOS hatte ich mal in einer Ravelry Gruppe eine Streitdiskussion, die sich darum drehte, ob es nicht ganz schön privilegiert ist, wenn man sich zu einem einfachen, bescheidenen Leben entscheidet und auf seinen Job in der "Leistungsgesellschaft" verzichtet usw., während z.B. manche Menschen gar nicht freiwillig entscheiden können einfach zu leben, weil sie gar keine andere Wahl haben als einfach zu leben. Die Diskussion ging um das Buch "Radical Homemakers", fällt mir jetzt nachträglich ein. Was ist denn dann mit der Forderung des guten Lebens/Luxus für Alle? Alienne sagt, wenn man dann sagt "Ich lebe ja auch einfach, nun hört doch mal mit euren Forderungen auf" wendet sich dieses Konzept des einfachen Lebens auch gegen andere Leute.
Fazit ist: LOHAS und LOVOS sind eigentlich scheisse, aber es ist trotzdem gut, so zu leben. Ich würde sagen, es ist schon lohnend und toll ökologisch, nachhaltig und einfach zu leben, aber es ist halt nicht immer gut (je nach Kontext) das zu propagieren. Ich würde sagen, wenn man schon das Privileg hat, sich diese Lebensstile wählen zu können, finde ich es besser, man wählt diese, als dass man andere wählt - aber es is und bleibt halt ein Privileg.
Politschwafel
Ravelry hat uns vorgeführt, wie Heteronormativität funktioniert. Alienne hat das im Blog schon mal mit tollen Screenshots zusammengefasst und besprochen. Alienne meint, die Ravelrys sind jetzt nicht die bösen und wir sollen auch keinen Shitstorm machen, sondern es ist vielmehr interessant, wie sich beim Erstellen neuer Features und Katalogisierungen einfach das abbildet, was "normal" ist und wie "man" halt denkt, dass sich die Menschen nach ihren Interessen gut zurechtfinden würden. Die Tatsache dass diese Kategorie fehlt, wird noch verstärkt dass durch die Art wie die Kategorien strukturiert sind, es auch nirgendwo rein passt. Und man sieht daran wie Kategorien Bedeutung und Ausschlüsse produzieren. Alienne redet so toll in diesem Segment über queer und Ausschluss und ich blöke immer polemisch dazwischen ;)
Wir finden heraus, dass Sock Knitters Anonymous mehr als 16000 Mitglieder hat. Wow.
Dann reden wir noch über amerikanische Heiratsrituale und über das Stricken als verknüpft mit Familienleben, Reproduktion und Babysachen. Anlass dafür ist, dass es total viele Kinder, Heiraten, Schwangerschaft + Fruchtbarkeitskategorien in der "Family" Rubrik gibt.
Teechen:
Es gibt einen Roibusch mit Aroma, "kleine Träumerei". Einmal habe ich den Tee von Madi geschenkt bekommen, verbraucht und ihn mir jetzt nach langer Zeit endlich nachgekauft. Aber irgendwie hatte ich den anders in Erinnerung, er ist sehr lieblich und süsslich, und ich dachte, es wäre ein Kräutertee und kein Roibusch gewesen, aber das macht nix, trinkbar ist er.
distelfliege - 6. Apr, 22:30


Ich habe echt ne Menge Neues gehört. Lustig fand ich, als ihr über das Heiraten und so spracht, mein Telefon klingelte und meine Tochter mir ihren Hochzeitstermin mitteilte, ich liebe Synchronitäten!
Liebe Grüße
Esme