"Hier hat jeder eine andere Rechtsauffassung"

Stilblüten aus dem Jobcenter (Eingangszone):
Kundin: Ich habe seit 1,5 Monaten kein Geld bekommen und kann meine Wohnung nicht heizen, Mietschulden habe ich auch schon, warum kommt von Ihnen nichts?
Sachbearbeiterin M: Das war nicht so vorgesehen. *sucht die Schuld bei Kundin* Also laut diesem Vermerk hätten sie längst dies und das abgeben müssen.
Kundin: Der Sowieso hat mir aber extra gesagt ohne dieses und jenes Papier bräuchte ich gar nicht zu kommen und das abgeben, das würde eh nicht bearbeitet.
Sachbearbeiterin M: Das haben Sie dann eben falsch verstanden.
Kundin: Ich habe aber dreimal nachgefragt und sicher friert man nicht zum Spass in der eigenen Wohnung.
Sachbearbeiterin M: Das müssen Sie trotzdem falsch verstanden haben, weil eben der Sowieso nicht 100 Leuten das richtig sagt und ihnen sagt er das dann auf einmal anders.
Kundin: Ja und was jetzt?
Sachbearbeiterin M: Weil Sie *schiebt die Schuld auf Kundin* das nun nicht bis Mitte Januar abgegeben haben bekommen Sie gar kein Geld.
Kundin: *fällt aus allen Wolken* Aber wenn der Sowieso mir das sagt, daß ich das noch gar nicht abgeben kann!!
Sachbearbeiterin M: Wenn Sie das eben falsch verstanden haben...
Begleiterin der Kundin *schreibt mit*: Frau M, möchten Sie mein Protokoll mal überfliegen, um sicherzugehen daß wir uns jetzt richtig verstanden haben?
Sachbearbeiterin M. zur Begleiterin: *genervt* Was Sie schreiben, interessiert mich nicht!
Begleiterin der Kundin: Ich bin hier nicht um sie zu ärgern, liebe Frau M., sondern ich möchte nur vermeiden, dass weitere folgenschwere Missverständnisse entstehen. *schreibt auf, daß Frau M. den Inhalt des Gesprächsprotokolls nicht sehen möchte*
Sachbearbeiterin M: *etwas verunsichert, schwankt zwischen frechem von oben-herab-Behandeln und plötzlichen Anfällen von Mildtätigkeit* Ich schreibe jetzt das alles mal auf was wir besprochen haben und dann gehen Sie zur Leistungsabteilung, vielleicht haben die ja ein Einsehen und Sie bekommen doch noch das Geld, obwohl sie das hätten längst abgeben sollen *fängt an zu tippen*
Kundin und Begleiterin: *denken simultan sowas wie:* (Wieso lernen die hier nicht mal 10-Finger-System? Gehört das nicht zur den ganz grundlegenden Qualifikationen, wenn man den ganzen Tag an einer Computertastatur arbeitet?? Wenn ich das schreiben würde, wäre ich längst fertig. Wieviele Anschläge hat die in der Minute? 20? Wah.. .ich habe 200... )
Sachbearbeitern M: *reicht einen Laufzettel rüber, in dem der Fall natürlich streng aus ihrer sicht zusammengefasst wird* Damit gehen Sie jetzt in die Leistungsabteilung und werden dann gleich aufgerufen! *murmelt gönnerhaft in den eigenen Bart* Ich hoffe, die da oben können da einmal menschlich mit der Sache umgehen.
.....
Leistungsabteilung, Beamter E: *ignoriert völlig den Laufzettel, der von unten mitgereicht wurde und auf der Tischkante liegt* Was kann ich für Sie tun?
Kundin: Ich habe hier einen Antrag der angeblich verfallen ist, da ich ihn hätte früher abgeben sollen, und soll Ihnen jetzt meinen Fall schildern weil es in Ihrem Ermessen liegt dass ich doch noch Geld bekomme für die letzten Wochen. Ich hab nämlich noch nichts bekommen.
Beamter E (liest den Antrag): Ah, ich sehe, sie haben Anspruch seit Mitte Dezember.
Kundin: WAS? Die unten hat mir gesagt, das wäre verfallen weil ich zu spät..
Beamter E: Da haben sie die Frau M. aber falsch verstanden..
Begleiterin: *winkt mit Protokoll* Ich glaub nicht, ich habe das nämlich so mitgeschrieben, wie Frau M. das gesagt hat.
Beamter E: *kurz grübelnd* Es liegt einfach daran - dass hier jeder eine andere Rechtsauffassung hat.
ACH SOOOOOOOOOOOOOO!
"Sie haben das falsch verstanden" heisst auf deutsch bzw. im Klartext: "Es hat hier jeder ne andere Rechtsauffassung und wenn der Bearbeiter/BeamtIn/VermittlerIn XY das Gegenteil von dem sagt, was ich so sag, dann haben Sie/ bzw. hat die KundIn das halt falsch verstanden".
Also diese staatlichen äh... Unternehmen... haha, wie die mit ihren KundInnen umgehen dürfen... das hab ich aber anders gelernt, wie man mit Kundschaft umgeht... *lol*
distelfliege - 29. Jan, 14:46


Wer auch immer gemeint hat, es würde reichen, Arbeitslose in "Kunden" umzubenennen um Veränderungen in Gang zu bringen, hätte sich vielleicht mal die Bedeutung des Fremdwortes "Euphemismus" zu Gemüte führen sollen.