Mal was sagen zum Thema Depression
Ich las gerade auf dem genialen Blog "Hyperbole and a half" über Adventures in Depression.
Auch vor Kurzem lief mir das Thema Depression über den Weg. Ich habe ein Videopodcast mit Stephan Urbach zum Thema Queer Geeks gesehen, da kam das vor.

Ich kann ja zum Glück von mir sagen, dass ich noch nie depressiv in einem Maß war, dass es den Anschein hatte, mir wären die Gefühle nun völlig ausgegangen. Also die Apathie schlechthin. Ich hatte eine Depression in dem Sinne, dass man ohne akuten Grund traurig wird und irgendwann nur noch wenig von sich hält. Wo man denkt, man wäre einfach nichts wert, könne nichts, passe nirgends rein und so weiter. Da gab es durchaus Tage, da schien die Sonne, es war warm und ein schöner Frühlingstag, und ich zwang mich rauszugehen, und die Wärme, das Wetter, der Anblick der anderen, nichtdepressiven Menschen, machten mich zusätzlich zu der andauernden ständigen Traurigkeit wahnsinnig neidisch und aggressiv, weil es denen gut ging und mir nicht, und weil die Sonne, das schöne Wetter und die singenden Vöglein mir nicht helfen sondern das Ganze eher wie Hohn und Spott für meinen Zustand bei mir ankam.

Vor lauter Selbstmitleid zerfliessend, ging ich dann so schnell wie möglich nach Hause. Diese Fotos stammen beide aus meiner Depressionsphase. Ich hatte zu der Zeit das Gefühl, dass meine Fotos nicht schön sind und nix werden. Komisch, heute merke ich den Fotos gar nichts an. Ich sehe sie tatsächlich mit anderen Augen.
Das alles, also meine Traurigkeit, hatte schon einen Grund gehabt, aber der bestand schon eine Weile und die Depression kam erst später dazu, und wieso sollte es mir aufgrund einer Sache auf einmal schlecht gehen, die ich vorher anscheinend vertragen hatte, ohne krank zu werden? Im Prinzip war die Depression wie eine Erkältung, die mehrmals angeschlichen kam und die ich mehrmals abgewehrt hatte, und irgendwann kam sie mal wieder an, und die Immunabwehr war grad ziemlich unten, und dann hat sie mich halt gehabt.
Inzwischen bin ich wieder gesund, in dem Sinne, als daß ich normal traurig und fröhlich bin, klar gehts mir, wie allen anderen, nicht dauernd gut. Aber es ist halt nicht mehr so, dass alles, was man erlebt, irgendwie in einen freudlos-traurigen Bereich verschoben erscheint, in dem man selbst wie der grösste Loser erscheint. (Was man gleichzeitig so sehen kann: Ich bin ein Loser - Ich bin die Größte *g*).
Meine Güte, bin ich froh, dass ich da gegengesteuert habe. Mich zu ner Therapeutin geschleppt habe, die nicht nur nett war, sondern einfach auch gut in ihrem Job, eine gute Handwerkerin in dem Bereich. Ich war noch nicht lange depressiv, als ich gemerkt habe, dass was nicht stimmt, und im Frühstadium ist das oft ohne Pillen und mit guten Gesprächen mit einer/einem TherapeutIn alles super zu regeln. Ich kann nur sagen: Wenn ihr ne Depression habt, und ihr merkt das aus irgendeinem Grund.. versucht was dagegen zu machen, es lohnt sich echt. Sucht euch wen, der das gelernt hat, und der euch auf Krankenkassenkosten wieder aufmöbelt. Das ist super! Nutzt das Gesundheitssystem, solang es noch nicht völlig demontiert ist.
In dem oben verlinkten Video sagt Stephan Urbach, dass Aufklärung über Depression und so weiter, das thematisieren dieser Dinge, helfen kann, dass sich nicht so viele Leute das Leben nehmen deshalb, weil sie früher merken was los ist, dass nicht die Welt hoffnungslos und scheisse ist, sondern sie einfach mal krank geworden sind und Hilfe brauchen. Tja, was soll ich sagen. Ich beteilige mich hiermit einfach mal am "Reden über Depression" und daran, das Thema bissel präsent zu halten in der großen weiten Welt, nech. Auch wenn Depro furchtbar uncool ist, und keiner will doch davon hören oder lesen, oder?
Nachdem Betroffenheit und P.C. auch schon so uncool sind, dass anscheinend nur noch Ignoranz, besch... Umgangsformen anderen gegenüber und Fun, Fun, Fun "In" sind, finde ich es inzwischen politisch notwendig und cool, betroffen zu sein, p.c. zu sein und über was zu reden, was nicht fun ist.
Was ich sehr nützlich fand, war die Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin. Diese Vereinigung gibts einmal pro Bundesland, und dort sind wirklich _alle_ drin, die eben zugelassen sind für die von der Kasse bezahlten Sachen. Man kann die nach Geschlecht, Wohnviertel, und Schwerpunkt/Therapiemethode filtern lassen. Also, NichtberlinerInnen müssen natürlich nach der KV ihres Bundeslandes gucken.
Auch praktisch ist, weil man sich ja erstmal überlegen muss, welche der drei zugelassenen Therapieformen man wählt und wo man sich zuerst umsieht, wie das Ganze abläuft und so weiter: Alles im Überblick bei Therapie.de
Auch vor Kurzem lief mir das Thema Depression über den Weg. Ich habe ein Videopodcast mit Stephan Urbach zum Thema Queer Geeks gesehen, da kam das vor.

Ich kann ja zum Glück von mir sagen, dass ich noch nie depressiv in einem Maß war, dass es den Anschein hatte, mir wären die Gefühle nun völlig ausgegangen. Also die Apathie schlechthin. Ich hatte eine Depression in dem Sinne, dass man ohne akuten Grund traurig wird und irgendwann nur noch wenig von sich hält. Wo man denkt, man wäre einfach nichts wert, könne nichts, passe nirgends rein und so weiter. Da gab es durchaus Tage, da schien die Sonne, es war warm und ein schöner Frühlingstag, und ich zwang mich rauszugehen, und die Wärme, das Wetter, der Anblick der anderen, nichtdepressiven Menschen, machten mich zusätzlich zu der andauernden ständigen Traurigkeit wahnsinnig neidisch und aggressiv, weil es denen gut ging und mir nicht, und weil die Sonne, das schöne Wetter und die singenden Vöglein mir nicht helfen sondern das Ganze eher wie Hohn und Spott für meinen Zustand bei mir ankam.

Vor lauter Selbstmitleid zerfliessend, ging ich dann so schnell wie möglich nach Hause. Diese Fotos stammen beide aus meiner Depressionsphase. Ich hatte zu der Zeit das Gefühl, dass meine Fotos nicht schön sind und nix werden. Komisch, heute merke ich den Fotos gar nichts an. Ich sehe sie tatsächlich mit anderen Augen.
Das alles, also meine Traurigkeit, hatte schon einen Grund gehabt, aber der bestand schon eine Weile und die Depression kam erst später dazu, und wieso sollte es mir aufgrund einer Sache auf einmal schlecht gehen, die ich vorher anscheinend vertragen hatte, ohne krank zu werden? Im Prinzip war die Depression wie eine Erkältung, die mehrmals angeschlichen kam und die ich mehrmals abgewehrt hatte, und irgendwann kam sie mal wieder an, und die Immunabwehr war grad ziemlich unten, und dann hat sie mich halt gehabt.
Inzwischen bin ich wieder gesund, in dem Sinne, als daß ich normal traurig und fröhlich bin, klar gehts mir, wie allen anderen, nicht dauernd gut. Aber es ist halt nicht mehr so, dass alles, was man erlebt, irgendwie in einen freudlos-traurigen Bereich verschoben erscheint, in dem man selbst wie der grösste Loser erscheint. (Was man gleichzeitig so sehen kann: Ich bin ein Loser - Ich bin die Größte *g*).
Meine Güte, bin ich froh, dass ich da gegengesteuert habe. Mich zu ner Therapeutin geschleppt habe, die nicht nur nett war, sondern einfach auch gut in ihrem Job, eine gute Handwerkerin in dem Bereich. Ich war noch nicht lange depressiv, als ich gemerkt habe, dass was nicht stimmt, und im Frühstadium ist das oft ohne Pillen und mit guten Gesprächen mit einer/einem TherapeutIn alles super zu regeln. Ich kann nur sagen: Wenn ihr ne Depression habt, und ihr merkt das aus irgendeinem Grund.. versucht was dagegen zu machen, es lohnt sich echt. Sucht euch wen, der das gelernt hat, und der euch auf Krankenkassenkosten wieder aufmöbelt. Das ist super! Nutzt das Gesundheitssystem, solang es noch nicht völlig demontiert ist.
In dem oben verlinkten Video sagt Stephan Urbach, dass Aufklärung über Depression und so weiter, das thematisieren dieser Dinge, helfen kann, dass sich nicht so viele Leute das Leben nehmen deshalb, weil sie früher merken was los ist, dass nicht die Welt hoffnungslos und scheisse ist, sondern sie einfach mal krank geworden sind und Hilfe brauchen. Tja, was soll ich sagen. Ich beteilige mich hiermit einfach mal am "Reden über Depression" und daran, das Thema bissel präsent zu halten in der großen weiten Welt, nech. Auch wenn Depro furchtbar uncool ist, und keiner will doch davon hören oder lesen, oder?
Nachdem Betroffenheit und P.C. auch schon so uncool sind, dass anscheinend nur noch Ignoranz, besch... Umgangsformen anderen gegenüber und Fun, Fun, Fun "In" sind, finde ich es inzwischen politisch notwendig und cool, betroffen zu sein, p.c. zu sein und über was zu reden, was nicht fun ist.
Was ich sehr nützlich fand, war die Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin. Diese Vereinigung gibts einmal pro Bundesland, und dort sind wirklich _alle_ drin, die eben zugelassen sind für die von der Kasse bezahlten Sachen. Man kann die nach Geschlecht, Wohnviertel, und Schwerpunkt/Therapiemethode filtern lassen. Also, NichtberlinerInnen müssen natürlich nach der KV ihres Bundeslandes gucken.
Auch praktisch ist, weil man sich ja erstmal überlegen muss, welche der drei zugelassenen Therapieformen man wählt und wo man sich zuerst umsieht, wie das Ganze abläuft und so weiter: Alles im Überblick bei Therapie.de
distelfliege - 20. Feb, 17:21


Si!
danke für den interessanten Beitrag! Habe in meinem Blog etwas dazu geschrieben: http://bodecea.blogspot.com/2012/02/kuckucksnester-und-so-weiter.html
Wichtig finde ich es auch, sich professionelle Hilfe zu holen und bei ernsthaften Psychoproblemen keine Zeit bei dubiosen "Lebensberatern" oder halbprofessionellen Heilpraktikern zu vertun. Ist vielleicht unter Esoterikers sehr unpopulär, aber ganz ehrlich, der HP Psychotherapie ist von der Qualifikation ungefähr so nahe am richtigen Psychotherapeuten wie eine Kosmetikerin am Chirurgen...
Bodecea
Der HP Psychotherapie ist die gesetzlich vorgeschriebene Zulassung, die man braucht, um als Nicht-Mediziner und Nicht-PsychologIn überhaupt therapeutisch arbeiten zu dürfen. Zusätzlich werden dann noch therapeutische Ausbildungen absolviert. Der HP Psych allein sagt ebensowenig aus wie ein Psychologie- oder Medizinstudium allein (nach dem man ebenfalls noch kein/e TherapeutIn ist). Entscheidend ist also nicht das Diplom, der Doktor oder der HP Psych, sondern das, was sonst noch an Qualifikationen vorhanden ist. Es gibt phantastische TherapeutInnen, die kein Studium, aber hochspezialisierte Therapieausbildungen gemacht haben, ebenso wie es Leuts gibt, die sich Dr. Dr. sonstwas nennen dürfen, aber therapeutisch nix drauf haben.
Und das Allerwichtigste ist sowieso, daß die "Chemie" stimmt und man miteinander klar kommt. Das ist ja auch manchmal ein längerer Weg, bis man den oder die richtige gefunden hat ...
Bei meiner Therapeutin und mir hat die Chemie eigentlich nicht so gestimmt am Anfang, weil sie einfach gar nicht meine Szene war und ich ihr meine Lebenswelt und wie dort alles funktioniert ganz schön lang und breit erklären musste.
Für mich war entscheidend, daß ich eine bestimmte Therapieform machen wollte (kogn. Verhaltenstherapie) und sie hat mir ihre Arbeitsweise am Anfang erklärt und das entsprach meinen Vorstellungen, und in diesem Gebiet war sie einfach gut.
Deshalb wär mein Tip, dass man sich vorher über die verschiedenen Therapierichtungen informieren sollte und wirklich zu wem geht, der die Form anbietet, die man machen will.
Wenn man jetzt niemanden persönlich kennt, der wen empfehlen kann, weil Empfehlungen sind natürlich auch super.
Dazu kommt ja noch, daß man als NichtgroßstadtbewohnerIn auch oft einfach wen nehmen muss, der vor Ort ist, weils einfach nicht so viele gibt.
Natürlich kann jemand trotzdem ein guter und hilfreicher Gesprächspartner sein, aber mehr kann man einfach nicht voraussetzen. Und, das ist natürlich auch ein Problem, gesetzliche Kassen bezahlen das nicht.