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Holocaust-Mahnmal

Viele, viele Touristen waren da. Das Stelenfeld des Mahnmals schafft es leidlich, die Menschen zu verschlucken, so daß - sagen wir - eine maximale Zahl von Leuten darin verschwinden kann, ohne daß das Ambiente grauer Würfel von außen beeinträchtigt würde.
Allerdings fand ich wider Erwarten das Mahnmal bedeutungsleer und es brachte nichts rüber. Die Bilder zb in der Zeitung hatten da eine stärkere Wirkung als das selber vor Ort sein. Im Stelenfeld kann man zu Stellen gehen, wo die Dinger einen um 3 Meter überragen.



Ich bei dem weitgehend vergeblichen Versuch das Mahnmal für sich zu mir sprechen zu lassen.

Der Beton ist völlig glatt und hat irgendwie nen "Lotos-Effekt", die Regentropfen perlen dran ab. Aber es ist so leer an Eigenbedeutung, scheint mir. Die Geräusche der durchströmenden Touristen füllen es effektiv auf. Ich hatte wenigstens so ein kleines Quentchen Beklemmungseffekt erhofft, aber: Null, Nada. (Wer den Beklemmungseffekt nicht kennt, gucke sich einen beliebigen Lars von Tier - Film an).

Rose auf einer der Betonsäulen

Eine niedergelegte Rose.

auf dem Hin- und Rückweg vom Mahnmal bin ich an einem ganz anderen Mahnmal vorbeigefahren: Die "Stolpersteine" von Günther Demnig. (Jeder Link führt zu ner anderen Seite auf der es um die Aktion geht). Ich kenne die Stolpersteine in meiner nächsten Umgebung, in meinem Kiez. Die zwei jüdischen Frauen, denen Steine in der Samariterstraße gesetzt wurden, hießen Edith und Tina. Die zwei Kommunisten, deren Steine am Bersarinplatz im Gehweg eingesetzt sind, hießen Hermann und Gustav. Den Geburtsdaten und Nachnamen nach waren sie Mutter und Tochter, Vater und Sohn. Das Sponsoring eines Steins kostet nur 95 Euro, und die Steine bezahlen Privatleute, oder Schüler sammeln für nen Stein, und der Günther Demnig macht die dann. Ich find das klasse von dem, weil die Initiative gibt er den Leuten in die Hand, also nach ihren nicht mehr vorhandenen Nachbarn zu suchen und dann macht er ihnen so einen Stein, und er und seine Frau organisieren das mit dem Bauamt usw. Der Günther Demnig macht das quasi so wie ein Verleger nicht von Steinen, sondern von einem Buch in welches die Statements von Menschen aufgenommen werden zu einem bestimmten Thema. Manche lehnen die Stolpersteine ab weil sie mit Füssen getreten werden. Allerdings sollen die durch das Betreten ja auch "blank" und damit sichtbar bleiben. Die zwei Steine in der Samariterstraße müsste man z.b. mal putzen, weil die nicht auf der "Latschlinie" liegen und sie schon so angelaufen sind daß man sie im grauen Pflaster schwer sehen kann.

Naja, also das von mir, ich geh jetzt nochmal raus und putz diese zwei Steine da. Mal gucken ob ich noch irgendwo ne Tube Politur hab *ggg*

tinaedith

So sehen die Stolpersteine aus (ungeputzt)

edithtina

geputzte Steine
zauberweib - 15. Mai, 19:50

das mit den stolpersteinen finde ich eine tolle und sinnige idee.
die steinsiedlung mitten in berlin find ich allerdings.. naja.. unsinnig. riesige flächen, mit beton verbaut, ohne jede aussage. zur eröffnung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es nicht zum schuldig-fühlen da ist. zu was sind die steinbrocken denn sonst gedacht?
vielleicht hab ich auch einfach kein verständnis für moderne kunst.
da gefallen mir die stolpersteine viel besser. die sind klein und unauffällig, fügen sich ins strassenbild ein und genau das macht sie besonders. sie klagen nicht an, sie sind einfach da, sichtbar nur für die, die aufmerksam ist. und es wird durch spenden finanziert, ist also ein projekt, dass nur solange weiterwächst, wie intresse von menschen da ist. die idee find ich einfach genial!

Hackmeck - 16. Mai, 01:41

Großartige Fotos!

Also zum Mahmal selbst habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet, war auch noch nicht dort. Gegen den Einwand der Aussagelosigkeit lässt sich allerdings das Informationszentrum anführen, was ja unter dem Mahnmal errichtet wurde.

Nun aber zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte: Großartige Fotos! Das sind die besten Fotos, die ich bisher von Mahnmal gesehen habe.

distelfliege - 16. Mai, 02:22

Hmja.. also..

..die Fotos sind irgendwie "stärker" als die Realität. Weil man auf Fotos nichts hören kann und keine Bewegung sehen.
Vielleicht ist aber das, was an dem Denkmal das besondere ist, daß die Leute darin verschwinden. Und wenn man drin ist, dann tauchen sie durch auf, und sind wieder verschwunden. Und tauchen auf und sind wieder weg. Es tauchen welche nahe auf und weit weg, und sind gleich wieder um die nächste Ecke.

Vielleicht ist DAS ja der Effekt.

Ja, der "Ort der Information" ist auch da. Schlangestehen/Wartezeit über eine Stunde. Ich wohne ja hier.. ich hab Zeit.. ich kann auch wiederkommen wenn grad nicht soviele Leute da sind wie an einem Sonntag. Ich war also nicht drin gewesen heute.

Aber thx für das Lob wegen der Fotos, das obere ist von meinem Lebensgefährten geknipst, das untere von meiner Wenigkeit.
Karmindra - 16. Mai, 13:31

Ich hab hier in Essen mit meinem Freund zusammen gestern auch 4 Stolpersteine entdeckt.
Wir hatten letztlich noch darüber gerätselt wo welche sein könnten da wir sie noch nie gesehen hatten.
Gestern sind wir dnan wirklich sozusagen darüber gestolpert. Aber es hat mich verwundert den diesen Weg bin ich schon realtiv oft gegangen und sie sind mir nie aufgefallen...

distelfliege - 16. Mai, 14:28

:)

...ja, die fallen mehr auf, wenn sie noch neu sind.
Wenn sie erstmal abgedunkelt sind (und Messing läuft halt an mit der Zeit) kann man sie schlecht sehen. Kannst ja, wenn du willst, beim "Gedenk-Wiki" selber mitmachen und auch die Steine mal wienern.

*wink*
shaman-ca - 17. Mai, 09:23

Stolpersteine

zum grauen Mahnmahl in Berlin kenne ich ein wenig der Vorgeschichte. Es wurde sich von Seiten der jüdischen Opfer dagegen verwahrt, dass es auch für "andere" Opfer des Naziterrors gelten soll. Politische, religiöse, Gleichgeschlechtliche und vor allen Dingen "Zigeuner" sollten davon ausgeschlossen sein. Sach mal Distel, haben die das wirklich so rigoros umgesetzt und alles andere "vergessen"?

Das die Stolpersteine weitergegangen sind freut mich. Ich habe damals nur die 1. Aktion in Köln mitbekommen und unsere Frauengruppe hat auch einen Stein finanziert. Ich muss mal die alte Urkunde rauskramen.

Grüssles
shaman-ca

Zia - 17. Mai, 10:16

Zu dem Mahnmal...

...ich habs ja nur im Fernsehen gesehn, und ich finds furchtbar! Ich hättes besser und sinnvoller gefunden, für den Zweck `nen Park anzulegen und statt Steine aufzustellen lieber Bäume zu pflanzen.
Ich finde so eine Betonwüste konserviert nur das Leid und das Grauen, anstatt die Chance zu eröffnen, die tiefen Wunden endlich heilen zu lassen.
Was mir an diesen Stolpersteinen gefällt, ist, daß mit den Namen einzelne Leute mit ihren Schicksalen ins Blickfeld rücken. Die Auseinandersetzung mit dem, was Edith und Tina u.a. erlebt haben, bringt auf jeden Fall mehr Bewußtsein in die Sache und da seh ich wirklich `ne Chance zur Heilung.
Und wenn ich mal von meinen eigenen damit verbundenen Gefühlen und Alpträumen ausgehe, dann (das ist mir in den letzten Tagen gerade bewußt geworden), gibt es wohl schon noch "Rückstände" aus dieser Zeit, die, obwohl ich nun gar nichts mehr damit zu tun hatte, trotzdem in meinem Unbewußten verankert sind - warum auch immer.
Vielleicht ist es ja unserer Generation möglich, die Massenhypnose aus Gewalttätigkeit, Terror, Angst und Schrecken, die uns aus dieser Zeit vererbt wurde endlich aufzulösen und damit wirksam zu verhindern, daß sowas nochmal passieren kann.
Grüßles
Zia

Wolfa - 18. Mai, 10:04

Huhu Distel :-),

den Beitrag zu den Stolpersteinen fand ich hochinteressant. Muß ich gleich mal schauen, ob es bei uns in Leipzig auch so etwas gibt und ich werde deinen Beitrag auch bei mir verlinken. Finde ich eine wunderschöne Idee.
Das Mahnmal werde ich mir bei meinem nächsten Besuch mal anschauen und mir dann auch ein Bild davon machen. In der Zeitung hat es mich zum Beispiel gar nicht angesprochen. Schaun wir mal.
Liebe Grüße Wolfa

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