Schamanisieren versus Schulmedizin 2 - Antwort auf Schamanca
Schamanca hat
in diesem Blogeintrag etwas wichtiges angesprochen was mich grad genauso betrifft.
Gefragt wurde, wieso man sich als schamanisch arbeitende in die Arme der Schulmedizin begibt.
Schamanca, du schriebst: "nächste frage: was ist krankheit?
für mich: ein zustand, der das nicht in balance sein anzeigt. woher kommt die nicht-balance? nicht auf sich selbst und die ratschläge der geister hören. ja, das habe ich getan."
Für mich würde ich das nicht mal so sagen. Krankheit ist für mich die Krise vor der Verwandlung und während der Verwandlung. Sie ist in diesem Sinne nicht "verschuldet" oder "hätte ich mal gehört auf.." sondern die fehlende Balance entsteht manchmal einfach, wenn Veränderung ansteht und die alte Form nicht mehr passt, und dann alles eben nimmer harmoniert. Und das ist unvermeidbar.
Zitat: "warum ich zu einigen schulmediziner vertrauen habe: sie sind ehrlich, sie machen mir weder falsche versprechen der heilung, noch spielen sie sich als halbgötter in weiß auf. sie machen mich nicht von sich abhängig. sie sind sehr gute diagnostiker auf ihrem gebiet und in ihrer art öffnen sie mir auch mal die augen. schamanisieren ist kein allheimlittel und wer diesem irrglauben erliegt, sollte mal sein weltbild auf allmachtsgedanken und sendungsbewußtsein hin überdenken."
Das unterschreibe ich genau so. Wenn ich auf einer schamanischen Reise einen schwarzen Wurm in meinem Knie sehe, dann kann das dies oder jenes sein, und es kann auch eine Aufforderung sein zu gucken, was der schwarze Wurm auf einem schulmedizinischen Meßgerät zu bedeuten hat. Ich bin gerade haarscharf an einer Revisions-Operation (Also so mit Aufschneiden und Vollnarkose und allem) vorbeigekommen, und ich könnte wetten, ohne schamanisch-magische Behandlung wäre das bis jetzt nicht so glimpflich abgelaufen. Ich hatte eine Kniegelenksinfektion mit Staphylokokken (zum glück kein MRSA), damit ist überhaupt nicht zu spaßen, und magische Extraktionen und stationäre Überwachung gingen da Hand in Hand. Ich hatte das Glück daß in der von mir ausgesuchten Klinik ein Oberarzt war der das Risiko einging, erstmal ohne OP konservativ zu behandeln.
Und ich möchte die Person sehen, die riskiert, einen Gelenkschaden durch eine chronische bakterielle Entzündung bekommen, nur weil sie meint, daß das mit bissel Wallewalleritual alles getan ist - ich persönlich sehe das lieber ergänzt durch knallharte Meßwerte schwarz auf weiß, die zeigen, ob die Wallewallerituale erfolgreich waren.
Sicher gibt es Mediziner, die sagen "Ok, Infektion im Gelenk, Indikation für eine OP, wird operiert und fertig" und selbst das wäre auch in Ordnung gewesen. Denn eine Gelenksinfektion kann ein Gelenk innerhalb einer Woche zerstören. Das ist überhaupt kein Spaß!
Es gibt Momente, da kann man nur froh und dankbar sein daß es die Schulmedizin überhaupt gibt. Und wenn der eigene Schamanismus nicht wirksam genug ist, um Ergebnisse zu bringen, die auch den Schulmediziner überzeugen, was ist er denn dann wert?
Mir hat die alternative Medizin/schamanisches Arbeiten folgendes gebracht:
- Die Krankheit hat sich in der Anderswelt schon gezeigt bevor sie real überhaupt vorhanden war. Dadurch konnte man früher reagieren weil eine gewisse Vorwarnung da war.
- Der Körper fuhr die Immunreaktion schon hoch bevor Ärzte in der Lage waren, den Infektionsherd als solchen zu erkennen. Es fehlten die Symptome einer Entzündung. Allerdings konnten sie zum Glück mikrobiologisch und am Blutbild erkennen was passierte.
- schamanische Operationen wirken, das konnte man an den Laborwerten und am Ultraschall und am Körper selbst sehen und messen.
Mir hat die Schulmedizin gebracht:
- Die Krankheit konnte einwandfrei diagnostiziert werden und es konnte mit Sicherheit festgestellt werden daß und wie etwas behandelt werden muss.
- Unterstützung des Körpers beim Heilen/der Abwehr durch Medikamente
- Gute Untersuchungsmethoden durch Fachleute, Kontrolle des Heilungsverlaufes.
Ich muß das wiederholen: Schamanismus, der vorgibt zu heilen ohne daß sich was auf der Skala eines schulmedizinischen Meßgerätes ändert, was ist der wert? (Natürlich bezogen auf Krankheiten wo das mit der Messerei auch wichtig ist.) Und wenn es mit dem Schamanismus nicht klappt dann laß ich mich lieber schulmedizinisch behandeln als überhaupt nicht.
Man kann und soll sich selber helfen. Auch und grade während man sich helfen lässt von ÄrztInnen. Aber es ist schlicht himmelschreiende Dummheit, wenn man sich Möglichkeiten der Medizin versagt, die man zur Verfügung hätte, einfach weil irgendjemand mal gesagt hat, "du sollst als spiritueller Mensch nicht zu Weißkitteln gehen". Das ist mir jetzt - auch nach vielen Gesprächen mit Freundinnen - klarer als jemals davor.