Vorsicht. Der folgende Beitrag enthält Angriffe auf bestimmte Geisteshaltungen, nämlich die der "Overloadmama". Wenn das nicht gefällt, bitte erst gar nicht lesen.
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Manchmal frage ich mich, was mich davon abhält mich zu vermehren.
Der Wille. Ich verspüre keinen Drang danach, Kinder in die Welt zu setzen, momentan jedenfalls nicht. Wäre der Wille da, würde sich auch ein Weg finden.
Und manchmal frage ich mich, warum es so etwas geben muß wie dieser
unsägliche Artikel von Eva Herman.
"Deutschland bekommt kaum noch Kinder." schreibt sie. Wie denn auch, schon mal einen schwangeren Nationalstaat gesehen?
Die Ursachen liegen laut Herman in den Lebensentwürfen, die emanzipierte Frauen zu haben geruhen:
"Doch nicht das „System“ muss überprüft werden. Wir Frauen kommen nicht drum herum: Jetzt müssen wir uns selbst einmal kritisch betrachten und nach unserem Handeln als Frau in all unserer Verantwortung fragen."
Hier mal eine kurze Sammlung zum oben verlinkten Artikel - Eva Hermans Thesen sozusagen:
- Das Recht berufstätiger Mütter auf Selbstverwirklichung stellt Eva Herman wortwörtlich in Frage.
- soziologisch und biologisch sei "der Mann" der aktive, kraftvolle, starke und beschützende Part, "die Frau" dagegen der empfindsamere, mitfühlende, reinere und mütterliche Teil.
- diese Aufteilung sei schöpfungsgewollt und ihr liegt eine große "Gnade".
- Frauen, die sich selbst verwirklichen wollen, verstossen gegen die Gesetze, die das Überleben der Menschheit sichern.
- nur die weibliche Seite - also die Frau - sei in der Lage, die Familie zusammenzuhalten und ein Heim zu schaffen.
- dies sei die "wahre Stärke" der Frau, auf die sie sich besinnen soll.
- Wenn Frauen das Talent dafür haben, sollen sie selbstverständlich auch außerhalb der Familie wirken, aber "in Maßen".
- Emanzipiertes Verhalten bedeute eine Vermännlichung der Frau, und damit automatisch eine Entmännlichung der Männer.
- Niemand verteidige das Recht auf die Rolle als Hausfrau und Mutter.
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Menschen, die wirklich immer noch meinen, Eva Herman würde nicht fordern, daß die Frau zurück an den Herd soll, möge den Artikel genau lesen. Und jeden der Punkte, die ich hier aufgeführt habe, werden sie dort finden können, und zwar mit Vehemenz und einer Wortwahl, die extrem auf die Spitze treibt und einem Weltuntergangsszenario angemessen wäre.
Eva Herman gibt vor, daß sie sich um die "Emanzipationsopfer", überarbeitete Frauen mit Doppel- und Dreifachbelastung sorgt. Sie gibt vor, sie wünsche nicht, daß alte Unterdrückungsmuster wiederkehren. Dies können aber in Anbetracht ihrer Thesen und ihrer Stoßrichtung nur Lippenbekenntnisse sein. Denn unter absolutem Ignorieren nicht einmal neuer, sondern schon jahrzehntealter soziologischer Theorien redet sie z.b. von einem Schöpfungsauftrag daher, von der Gnade der Mutterschaft, von Gesetzen zur Arterhaltung, und begründet das mit nichts außer einem religiösen Jargon. Genau diese "Gottgewollte Festlegung auf Heim und Herd" ist aber ein Unterdrückungsmechanismus. Wenn sie die Wiederkehr solcher Mechanismen nicht wünscht, wieso versucht sie selbst, diese anzuwenden? Sie spricht mit gespaltener Zunge.
Was Frau Herman ebenfalls vergißt, und worauf "Women of Color" in den USA hingewiesen haben, und worauf auch schon oft hingewiesen wurde: Die angebliche Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter - ist weder alt noch naturgegeben - aber sie ist noch nicht einmal bei der Mehrheit der Frauen zu überhaupt irgendeiner Zeit vorherrschend gewesen. Bei uns in Europa beispielsweise, gab es das "Heimchen am Herd" weitgehend nicht. Frauen wie Männer mussten arbeiten, Leibeigene mussten auf den Feldern frönen, und höchstens die adelige Dame konnte sich auf das Besticken einiger Borten von Kleidern beschränken.
Auch nach der industriellen Revolution konnten es sich vielleicht die wenigen Frauen der Burgeoisie leisten, die Hausfrau zu geben, während Arbeiterfrauen zusätzlich zu den Reproduktionsaufgaben noch einen 16Stunden-Tag in der Fabrik zu leisten hatten.
In Amerika konnten es sich versklavte Afrikanerinnen nicht leisten, das Heimchen am Herd zu spielen, auch nach deren Befreiung oft nicht. Außerhalb von westlichen Ländern bin ich jetzt weniger geschichtlich gebildet.
Dennoch muß ich wirklich sagen, daß ich nicht verstehe, wie Eva Herman darauf kommt, daß die heute so genannte "Doppelbelastung" ein modernes Phänomen sei? "Doppelbelastung" der Frauen ist weder modern noch hat es etwas mit Emanzipation zu tun, es ist patriarchale Normalität, denen seit jeher nur reichere und privilegierte Frauen entgehen konnten - auch wenn sie dadurch noch lange nicht frei waren.
Ich frage mich auch, wieso es ein "Recht auf Heim und Herd für die Frau" zu verteidigen gilt. Nirgendwo in irgendeinem Gesetz ist es verboten, daß Frauen einem Mann den Haushalt führen und diese Rolle ausfüllen, noch dazu sind viele Gesetze so ausgelegt, um genau dieser Situation gerecht zu werden.
Natürlich ist es ein Tabu, die Frage zu stellen, ob Mütter das Recht auf Selbstverwirklichung haben. Die Menschenrechte anzutasten ist ein Tabu und sollte eines sein - denn Menschenrechte sind einfach Vereinbarungen, die auch fallen können, wenn man sich nicht daran bindet, und wenn man deren Verneinung nicht tabuisiert. Eva Herman gefällt sich in der Rolle der Tabubrecherin, doch ich und viele Andere werden bemerken, welche Tabus sie im Begriff ist, zu brechen. Tabubruch ist nicht immer ein Fortschritt und nicht alle Tabus sind sinnlos.
Noch ein Wort zur Entmännlichung der Männer durch emanzipierte Frauen: Das ist gewissermassen wahr. Männlichkeit, und zwar die Form der angestrebten Männlichkeit, der propagierten (hegemonialen M. nach Robert Connell) definiert sich unter Anderem dadurch, daß der Mann die Familie versorgt und die ökonomische Macht innehat. Fällt das weg, da Frauen ökonomisch eigenständig sind, bedeutet das eine Entmännlichung. Jedoch führt eben dann kein Weg daran vorbei, eine neue Männlichkeit zu finden, eine die sich nicht durch ein "oben" und "unten", durch ein "Versorgen" oder "Versorgtwerden" definiert.
Was Eva Herman zu recht kritisiert ist, daß Mutter sein nach wie vor keinen Ansehensbonus bringt, und daß Hausfrau sein sogar verachtenswert erscheint in der heutigen Zeit. Daran sind aber nicht die Feministinnen schuld. Daß Frauen, und alles, was dem vorherrschenden Bild der Frau zugeordnet wird, als "nieder" erscheinen, ist doch genau etwas, was Feministinnen angegriffen und kritisiert haben. Es ist genauso ein Produkt dieses Systems wie die Doppelbelastung. Ich persönlich verachte Hausfrauen nicht, genausowenig wie ich Mütter verachte, aber ich verachte dumme Weiber, welche einer Frau wie Eva Herman jedes Wort von den Lippen ablesen und "Jaja" schreien, nur weil sie ihr Ansehen als Mütter von ihr aufgebügelt sehen.
Ja, die Eva Herman wertet euch auf, ihr "Mama-Container", und dafür kauft ihr ihr auch alles andere ab: Die reaktionäre Argumentation mit der gottgewollten Frauenrolle am Herd, (JA, das steht dort! Lest es nach), das Aufstacheln gegen Feminismus, das Absprechen von Menschenrechten für Frauen...
Wie blöd kann man sein?
Euch Mamacontainern muss man also nur ein paar Krumen hinwerfen, und schon sagt ihr zu allem Ja und Amen?
Macht Gebären dumm??