Ich sitze gerade hier und wart auf nen Anruf von einer Biobäckerei *gna Adrenalin*
:-)
Währenddessen versuch ich ein Gefühl für Zahlen zu bekommen. Ich wußte bis eben nicht (mehr) wieviele Nullen eine Milliarde hat.
Wikipedia hilft:
1 000 000 = eine Million
10 000 000 = zehn Millionen
100 000 000 = hundert Millionen
1000 000 000 = 1 Milliarde.
Wikipedia: Zahlennamen
In dem Versuch mir besser vorstellen zu können was "wir" an Israel gezahlt haben, habe ich gerechnet:
1952 vereinbarte Adenauer mit Ben Gurion Zahlungen von 3 Milliarden Mark an Israel (in Sachgütern)
Der Bundeshaushalt 1952 betrug 23,2 Milliarden. (Laut nem
pdf der Dt. Bank) Die Zahlungen waren 1966 beendet. Also 14 Jahre. 3 Milliarden durch 14 sind 0,215 (gekürzt) also auf ein Jahr. Das waren vom Haushalt damals 0,93 Prozent (gekürzt). Das ist für die heutigen Zahlen nicht viel aber für damals wars schon ne Menge Holz. Nur, das ist ja seit fast 40 Jahren vorbei. Und es wurde hauptsächlich in Sachleistungen gezahlt, d.h. die deutsche Wirtschaft musste das Geld nicht in Cash zuerst verdienen sondern konnte direkt auch Produkte und Waren dafür benutzen.
Quelle
Was googlen alles bewirkt: In einem Gruftelforum fand ich folgendes Zitat:
"ich weiß nicht wie hoch die jährlichen zahlungen an israel sind, aber ich weiß auch nicht, was sie nach all der zeit noch bezwecken sollen. die betroffenen sind größtenteils vor jahren an alterschwäche gestorben. die leute die das finanzieren, haben damit überhaupt nichts mehr zu tun! deutschland braucht dringend geld! warum nicht endlich diese zahlungen einstellen?"
Komisch, welche Zahlungen sind da gemeint? Ich finde per google keine. Symptomatisch: "Ich habe keine Ahnung von Zahlungen, aber ich meckere mal darüber."
Quelle
Direkt die erste Antwort auf den Thread: "Ich finde da kann man dir nur recht geben die Kriegsschuld die wir noch zahlen müßten andere Länder die, die Juden schon vor uns verfolgt haben, auch zahlen." - Komisch! Auch dieser Mensch meint, von aktuellen Kriegsschuld-Zahlungen zu wissen. Lebe ich in einem Paralelluniversum, in dem das zufällig nicht stattfindet? Oder was ist los? Und wer sind "wir" - die DDR hat - soweit ich rausfinden konnte - nie an Israel irgendwas gezahlt. Stattdessen wurde die PLO gefördert.
Überhaupt ist es seltsam.. die Antwortenden in dem Thread greifen das Thema "Zahlungen" auf, setzen diese als gegeben und das, ohne nachzufragen. WARUM??
Es existieren keine Entschädigungszahlungen an Israel seit 1966. Es gibt genausowenig momentan Wiedergutmachungszahlungen vom deutschen Staat an den israelischen Staat. Sollte es sie doch geben, dann finde ich nichts dazu.
Was oft vermischt wird, sind alle möglichen Zahlungen aus den verschiedensten Gründen an die verschiedensten Länder und Einzelpersonen. In einer schier unglaublich doofköpfigen Manier wird alles auf einen Brei reduziert in dem "wir" zahlen und "die da" - vor allem "die Juden" halten die Hand auf. Daß die so konstruierte Situation jeglicher realen Grundlage entbehrt, interessiert wieder mal keinen.
Erst einmal kann es von Deutschland an Israel gar keine Bezahlungen von Kriegsschuld geben, da beide Staaten nie Krieg gegeneinander geführt haben. Kriegsschuld bezieht sich immer auf andere Staaten, z.b. England.
Entschädigungen an Israel gab es auch keine, was Adenauer vereinbart hat, nannte sich "Wiedergutmachung".
So wie ich das verstanden habe, gliedert sich das ganze so auf:
1. Entschädigungen für den Krieg an andere Staaten
2. Entschädigungen an Einzelpersonen wie z.b. Zwangsarbeiter (zum grössten Teil nicht bezahlt, laufende Verhandlungen, potentielle EmpfängerInnen sind gen Ende der Verhandlungen wohl eh sehr alt oder verstorben)
3. Wiedergutmachung an Israel (bezahlt - s.O.)
Wenn ich das mal kurz so wiedergeben darf.. Zuerst mal wäre das "Potsdamer Abkommen" zu erwähnen, nach dem die Siegermächte in ihren jeweiligen Besatzungszonen Reparationen erhalten sollten/"entnehmen" oder wat. Dazu steht
auf dieser Seite:
"Artikel IV regelt die Reparationsleistungen aus Deutschland. Dabei betrachten die Alliierten die deutsche Wirtschaft als Einheit, deren Zusammenbruch vermieden werden soll. Diesem Grundsatz steht jedoch die Vereinbarung entgegen, daß jede Besatzungsmacht ihre Ansprüche auf Reparationen vor allem aus ihrer Zone befriedigen soll. Der Sowjetunion wird daneben auch industrielle Ausrüstung aus den Westzonen zugestanden."
Und hier das
gesamte Potsdamer Abkommen
Danach kam nix weiter. Mir ist unklar ob die Reparationen "entnommen wurden" oder ob nicht vielmehr stattdessen die Wessi-Wirtschaft neu aufgebaut wurde durch die Siegermächte. Zu lang isset her, der Geschi-Unterricht *seufz*
Es gab 1953 das Londoner Schuldenabkommen. Was war das?
"Londoner Schuldenabkommen, am 27.2.1953 unterzeichnete die Bundesrepublik in London einen Vertrag mit 18 Staaten (später um 14 erweitert) über Anerkennung, Regulierung und Tilgung der seit dem 1. Weltkrieg entstandenen deutschen Schulden (Auslandsanleihen, Reparationen, Marshallplan-Gelder u.a.). Das am 24.8. per Gesetz angenommene und am 16.9.1953 in Kraft getretene Londoner Schuldenabkommen beruhte auf dem Anspruch der Bundesrepublik, Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches zu sein, was die Übernahme der Schulden des deutschen Gesamtstaats einschließen mußte, die auf 15.28 Mrd. DM festgelegt wurden. Sie sollten in Raten abgezahlt werden Durch das Abkommen wurde die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik wiederhergestellt und ihre Aufnahme in den Internationalen Währungsfond (IWF) möglich."
Quelle:
Infobitte Lexikon
Darin wurde festgelegt, daß Reparationen nicht festgelegt werden, sondern bei einem späteren Friedensvertrag festgelegt werden sollen. Diesen Friedensvertrag gab es dann ganz lange nicht. das "Zwei plus Vier Abkommen" von 1990 zur dt. Wiedervereinigung kann als dieser Friedensvertrag gesehen werden. Dort wurde gesagt, daß Kriegsschulden momentan nicht das Thema sind, da Deutschland genug zu tun habe mit normaler Staatsverschuldung.
Also wie dem auch sei, weiter im Text. Mit einigen Staaten hat Deutschland (BRD) in der Zeit zwischen dem Londoner Schuldenabkommen und dem zwei plus vier Vertrag individuelle Entschädigungsverträge ausgehandelt. Das waren aber niemals Reparationen, also für die Zerstörungen des 2. WK geleistete Zahlungen, sondern das Geld sollte immer den Opfern von NS-Verbrechen jener Länder zugute kommen. Das war zb. 1 Million Pfund für England gewesen im Jahre.. *recherchier recherchier*
1964
Oder für Griechenland 1960 in Höhe von 115 Millionen DM.
Der mit der Jahreszahl verlinkte Artikel erläutert übrigens auch völkerrechtliches im Zusammenhang mit Entschädigungszahlungen und -Forderungen.
Ein anderer interessanter Artikel ist dieser:
billige Entschädigung?
Zitat daraus: " Bisher sind von deutscher Seite insgesamt ca. 100 Milliarden Mark an Entschädigung geleistet worden. Davon wurden 90% an deutsche oder an NS-Opfer aus dem "deutschen Kulturkreis“ geleistet. Nur 10% gingen an die übrigen, die allerdings 90% aller NS-Verfolgten überhaupt ausmachen."
Das alles macht mich doch nachdenklich. Ich habe nichts dagegen, wenn jemand der Meinung ist, Entschädigungen wären doch heute verjährt.
Ich selber bin halt anderer Meinung, was solls auch - das ist eben so - ich habe aber etwas dagegen daß Phantome, und Glaubenssätze, die schon kaum einer mehr hinterfragt wie der, daß "wir immer noch für den Holocaust an Israel bezahlen" einfach so nachgelabert werden.
Meiner Meinung nach würde man auch als Regierung sagen können "Tja Leut wir ham wirtschaftliche Rezession und viele Arbeitslose, wir können euch vor eurem Tod deswegen nicht mehr wirklich entschädigen. Wir ham selber Probleme." Nur kommt das vielleicht nicht so gut das zu den ehemaligen polnischen oder russischen Zwangsarbeitern zu sagen, deren eigene Wirtschaft... tjajaja. Außerdem sind wir ja der dicke Max, newahr, wir geben doch vor anderen nicht zu daß wirs grade nicht so dicke haben. Dann sagen wir lieber: "He nee nee, alles verjährt, einmal muß Schluß sein"
Mein Wort zum Dienstag ;-)