..morgen geht's nach Sizilien, für zwei Wochen wieder sommerliche Wärme tanken. Ich habe die vergangene Woche gar nichts getan, um mich drauf vorzubereiten, am Montag hatte ich eine Handoperation, und meine Gedanken kreisten mehr oder weniger darum, ob das Ganze gut verheilt und was ich dahingehend tun kann.
So sitze ich nun vor einer To-Do-Liste und hoffe, nichts zu vergessen, und die Vorfreude kommt spät, aber sie ist definitiv zu spüren. Die OP Wunde ist gut verheilt bisher, und gleich gehts zum Fäden ziehen.
Am Wochenende war ich noch eine Runde in Leipzig bei
Esme, nachdem ich das Leipziger Spinnfest verpasst hatte, war abgemacht, dass ich dann mal später extra komme. Das war im Nachhinein betrachtet auch besser so, so war der Besuch entspannt und im kleinen Kreis (wir waren dann noch im Leipziger Strickcafe). Was anderes hätte ich auch diese Woche als zu anstrengend empfunden.
Was ich an diesem Jahr seltsam finde, sind wirklich diese Wetterkapriolen. Im Frühling war es erst noch ewig eiskalt ("grüner Winter"), dann auf einmal warm, dann wieder kalt, dann die Hitze-Dürre-Welle im Sommer, und nun schlagartig der kühle Herbst. Es geht immer Zack, zack, ohne Übergang. Am einen Tag schneidet man sich am liebsten noch Luftlöcher ins ärmellose Hemd, und eine Woche drauf fragt man sich, ob die fingerlosen Wollhandschuhe nicht schon zum radfahren angebracht seien. Äusserst komisch.
Für meine "Untätigkeit" habe ich mir in der Bibliothek ein paar Bücher über die Geschichte der Nazizeit und über den Holocaust ausgeliehen. Ich komme ja sonst nicht so viel zum Lesen. Meine Freizeitaktivitäten haben sich dermassen in den manuellen Bereich verlagert, dass ich bei einem Handicap an der Hand vor ziemlich veränderten Umständen stehe. Jedenfalls habe ich die Bücher nun schon alle gelesen, bis auf eines, das war mir zu viel Soziologenblah. "Auschwitz, nie davon gehört?" heisst das. Manche Sätze darin habe ich fünf mal gelesen und dann verärgert aufgegeben - es ist nicht so, dass ich im allgemeinen zu doof zum kapieren bin, aber ich kann es nicht leiden, wenn Autoren (weibl. Form absichtlich nicht verwendet *g*) sich in Formulierungs- und Schwallergüsse versteigen, damit ja jeder bemerkt, wie super-hochgebildet und feinsinnig sie doch sind. Und es ist peinlich, wenn vor lauter Lust am Schwafeln der Sinn des gesagten verloren geht oder die Verständlichkeit des Geschriebenen nicht mehr erkennbar ist.
Ansonsten waren da noch "Der Holocaust" von Wolfgang Benz, ein kleines Heftchen, das aber gut geschrieben ist, verständlich, nicht reisserisch, und interessant. Gerade lese ich "der Weg zur Endlösung" von Christopher Browning, ein schon etwas älteres Buch, man diskutierte damals über Goldhagen und wer wie willig was vollstrecken wollte. Dieses Buch ist an sich vor allem ein Beitrag zur Debatte, ob die Nazis den Völkermord an den europäischen Juden von Anfang an geplant hatten, oder ob sich die Ereignisse im Laufe des Krieges dahin entwickelten. Browning wurde dadurch indirekt bekannt, dass er 1992 eine Studie über Polizeibattalione ablieferte, die an Massenmorden beim Russlandfeldzug beteiligt waren. Auf diese Studie baute dann nämlich das Buch "Hitlers willige Vollstrecker" von Daniel Jonah Goldhagen auf, bzw. war das Buch von Goldhagen ne Art Gegenstudie dazu. Um auf das Buch zurückzukommen - ich finde es ok zu lesen, bin aber nicht direkt an dieser Fragestellung interessiert, und deshalb ist die Indizienklauberei, wer wann wem was angeordnet hat, nicht das, was ich erwartet hatte. Aber trotzdem ist es flüssig zu lesen.
Als viertes Buch habe ich dann eine Dokumentensammlung und Doku von Romani Rose "Der Völkermord an den Sinti und Roma" ausgeliehen und gelesen. Es handelt sich dabei um ein sehr zusammengewürfeltes Häuflein von Exponaten, die in Kapiteln mit kleinen Vorworten geordnet sind. Es ist wie ein kleines Museum in Buchform, man geht durch die Räume und schaut Originaldokumente und Fotos an. Um die ganzen Sachen wirklich einordnen zu können, muss man dann schon noch weiterlesen und zusätzliche Infos bekommen.
Ich hätte ja gerne "Eichmann in Jerusalem" gelesen, das war aber gerade verliehen.
Schönen Herbst wünsch ich dann, ich hol mir noch ne Runde Sommer!
